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Krawietz/Mies bei French Open : Ein beinahe unglaublicher Erfolg

  • -Aktualisiert am

Zum zweiten Mal mit dem Pokal in Paris: Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies gewinnen die French Open abermals. Bild: AFP

Ein Jahr nach ihrem Sensationssieg bei den French Open bejubelt das deutsche Doppel Kevin Krawietz und Andreas Mies tatsächlich die erfolgreiche Titelverteidigung. Das mutet surreal an.

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          Nach dem Matchball liegt Andreas Mies auf die gleiche Art am Boden, alle Viere von sich gestreckt, nur ein paar Meter weiter vorn als im vergangenen Jahr, der Partner kniet vornübergebeugt mit dem Kopf am Boden. In diesem Moment und auch später noch ein paarmal wirkten sie noch fassungsloser als beim ersten Mal.

          Vielleicht kann man sich die Sache so vorstellen wie die Rückkehr zu einem besonderen Ort, den man beim ersten Besuch schon unglaublich schön fand, beim zweiten aber noch mehr Einzelheiten erkennt, die jede für sich und alle zusammen das Herz fast platzen lassen vor Freude. So erlebten Kevin Krawietz und Andreas Mies am Wochenende ihren zweiten Sieg in Paris, als lägen sie wieder an den Gestaden des Tennis mit einer Aussicht, die ebenso glücklich wie demütig macht. Das erste Mal sei schon ein Traum gewesen, meinte Krawietz am Abend des Erfolges, der zweite sei noch einer, alles irgendwie surreal.

          Eine noch speziellere Erfolgsgeschichte

          Vor einem Jahr und fünf Monaten hatten der Kölner Mies und der kongeniale Partner aus Coburg Geschichte geschrieben als erstes deutsches Doppel in mehr als 50 Jahren des Profitennis mit einem Titel bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. Aber dass und wie sie diesen Titel verteidigten, das ist nun in der Tat eine noch speziellere Erfolgsgeschichte.

          In Feierstimmung meinte Mies breit grinsend: „Wenn mir letztes Jahr einer gesagt hätte, dass wir noch mal gewinnen, dann hätte ich ihn gefragt: Wie viel Bier hattest du schon? Es ist immer groß, zu gewinnen, aber den Titel zu verteidigen ist noch größer.“ Frag nach beim Chef des deutschen Männertennis, Boris Becker, dessen Sieg 1986 in Wimbledon nach allem, was im Jahr vorher passiert war, in der Bedeutung mehr wiegt als der erste Schlag. Natürlich kann man den Wahnsinn, der damals über Becker hereinbrach, nicht als Maß der Dinge auf dem Weg von ersten Titel zu zweiten betrachten. Aber auf einer anderen Ebene änderte sich auch manches im Leben von Kevin Krawietz und Andreas Mies.

          Ausgestreckt im roten Sand: Andreas Mies (rechts) neben Kevin Krawietz bei ihrem French-Open-Sieg.
          Ausgestreckt im roten Sand: Andreas Mies (rechts) neben Kevin Krawietz bei ihrem French-Open-Sieg. : Bild: AFP

          Es geht ja nicht nur darum, weiter auf gleich hohem oder sogar höherem Niveau zu spielen, zwischendurch gibt es viele Dinge, mit denen man erstmal klarkommen muss; erhöhter Grad an Aufmerksamkeit, größere Begehrlichkeiten, gestiegene Erwartungen, eigene und fremde zu gleichen Teilen. Nach den ersten Auftritten in diesem Jahr, als noch keiner eine Ahnung hatte, wie kompliziert alles weitergehen würde, sah es nicht so aus, als seien die beiden gut über den Winter gekommen. Sie verloren das erste Spiel, auch das dritte, vierte und fünfte. Mies sagt, sie seien mächtig enttäuscht gewesen nach der Niederlage in der ersten Runde der Australian Open, aber sie hätte nicht locker gespielt, genauso wie in Wimbledon 2019 ein paar Wochen nach dem Triumph in Paris. „Wir haben uns einfach zu viel Druck gemacht.“

          Diesmal war es anders als in Melbourne, freier irgendwie, und das hatte auch eine Menge mit der speziellen Magie zu tun, die sie schon zu spüren glaubten, als sie sich noch auf dem Weg nach Paris befanden. Und nachdem sie in der dritten Runde bei drei Matchbällen gegen sich beinahe schon verloren hatten, spielten sie wie losgelöst und drehten gewaltig auf. Im Viertel- und Halbfinale gegen hochklassige Konkurrenz hatten sie die Sache ebenso souverän im Griff wie im letzten Spiel gegen den Kroaten Mate Pavic und Routinier Bruno Soares aus Brasilien, Sieger der US Open vier Wochen zuvor. Nur am Ende beim Sieg in zwei Sätzen (6:3, 7:5) wurde es noch mal eng, doch Krawietz‘ eindrucksvolle Returns und Mies‘ hellwaches, mutiges Spiel mit dem Bauch fast am Netz – oder im Bedarfsfall das Ganze umgekehrt – waren einfach zu gut.

          Auch diesmal folgte ein Eintrag ins Geschichtsbuch des Turniers mit der ersten erfolgreichen Titelverteidigung im Männerdoppel seit fast einem Jahrzehnt. „Wir hören gern, dass wir Geschichte schreiben“, meinte Kevin Krawietz hinterher. „Noch keine Niederlage hier – das ist einfach verrückt.“ Dass sie auch diesmal wieder nur jeder einen kleinen Pokal mitnehmen durften und der große in Paris blieb? Kein Problem. Den können sie ja vielleicht beim dritten Mal wiedersehen.

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