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French Open : Liebe und Emotionen im Spiel

  • -Aktualisiert am

Zwei, die sich verstehen: Andre Agassi (l.) und sein Schützling Novak Djokovic. Bild: Reuters

Sprachsalben und Rendezvous-Anekdoten: Zwischen Novak Djokovic und seinem neuen Trainer Andre Agassi knistert es. Und Petra Kvitova gibt ein emotionales Comeback nach ihrem Überfall.

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          Falls es jemals eine Zeit gegeben haben sollte, in der Novak Djokovic ein Gesprächspartner fehlte, der mit dem Fluss salbungsvoller Worte ebenso viel anfangen kann wie er selbst, dann scheint dieses Problem gelöst zu sein. Beim Medientag der French Open beschrieb er in aller Ausführlichkeit, wie der erste gemeinsame Arbeitstag mit Andre Agassi ausgesehen hatte, von zwei Trainingseinheiten auf dem Platz und einer sehr ausführlichen Unterhaltung am Abend. „Obwohl es der erste Tag war, fühlte es sich so an, als würden wir uns sehr lange kennen. Es klickte, und die Verbindung war gleich da.“

          So reden Verliebte über das erste Rendezvous, aber um Romantik sollte es bei der neusten Verbindung auf dem Planeten Tennis eher nicht gehen. Nach ein paar Wochen, in denen sie regelmäßig miteinander telefoniert hatten, und dem ersten gemeinsam verbrachten Tag sagt Djokovic, Agassi inspiriere ihn sehr, und genau das habe ihm zuletzt gefehlt. „Er hat all die Wechsel und Übergänge selbst erfahren, er hat wie ich als Bester der Welt bei den Grand-Slam-Turnieren gespielt und musste mit allen Herausforderungen klarkommen, die es im Tennis, im Profisport gibt.“

          Beim ersten Training auf Court 5 im Stade Roland Garros hatte man den Eindruck, Agassi habe ihm eine Menge zu sagen; der Amerikaner redete wie ein Buch, und als er dann auch noch damit anfing, an Djokovics Rückhand rumzubasteln, da schwebten auch ein paar Fragezeichen über den Köpfen des neuen Paares. Zuletzt beim Turnier in Rom hatte es so ausgesehen, als läge im Spiel des Serben wieder größere Überzeugungskraft als in den Monaten zuvor, und trotz der Niederlage im Finale gegen Alexander Zverev hatte er die italienische Hauptstadt mit einiger Zuversicht verlassen.

          Agassi hatte in Paris auch anderes zu erledigen

          Agassi, der wegen eines Sponsorentermins ohnehin nach Paris gekommen wäre, wird nicht bis zum Ende des Turniers bleiben. In der ersten Runde wird Djokovic gegen den Spanier Marcel Granollers spielen, gegen den er bisher nie verlor, wobei die letzte Begegnung allerdings schon ein paar Jahre zurückliegt.

          Als er im großen Interviewraum saß und ziemlich aufgeräumt über den Stand der Dinge dieser Tage sprach, erledigte der Kollege Rafael Nadal gerade eine Trainingseinheit auf dem Court Central. Auf jenem geliebten Platz, auf er schon neunmal lang ausgestreckt als Turniersieger gelegen hatte. Nach den Ergebnissen der vergangenen Wochen und Titeln in Monte Carlo, Barcelona und Madrid steht Nadal auf jeder Favoritenliste für die French Open ganz oben, und im Moment kann sich kaum einer vorstellen, dass er nicht am 11. Juni auf dem Court Central um den Titel spielen wird.

          Gab ein erfolgreiches Comeback: Petra Kvitova

          Er selbst hält von solchen Aussagen weniger als nichts, er vermisst darin den Respekt für die Gegner und den Gedanken ans Unberechenbare im Sport. Auf jeden Fall geht es ihm deutlich besser als vor einem Jahr, als er wegen einer schon länger akuten Sehnenscheidenentzündung im linken Handgelenk nicht mehr zur dritten Runde antreten konnte.

          Für Alexander Zverev geht es eine Woche nach dem großen Sieg in Rom in der ersten Runde mit einem nicht ganz unkomplizierten Spiel gegen den Spanier Fernando Verdasco weiter. Noch kniffliger ist Angelique Kerbers erste Aufgabe gegen Jekaterina Makarowa aus Russland, gegen die sie in diesem Jahr bereits einmal verlor.

          Kvitova zieht es frühzeitig auf den Court

          Während Djokovic und Agassi im Überraschungspaket der French Open stecken, die an diesem Sonntag beginnen, und Rafael Nadal versichert, er werde alles tun, um das Turnier zum zehnten Mal zu gewinnen, gehören die größten Emotionen Petra Kvitova. Kurz vor Weihnachten war die Tschechin in ihrer Wohnung von einem Einbrecher überfallen worden, der sie mit einem Messer schwer am linken Handgelenk verletzt hatte. In einer zweistündigen Operation hatten die Ärzte danach versucht, Sehnen und Nerven zu reparieren; aber es war damals fraglich gewesen, ob sie jemals wieder Tennis spielen würde.

          Petra Kvitova kann die Finger ihrer linken Hand immer noch nicht so bewegen wie vor dem Überfall, aber sie sagt, sie wolle es dennoch probieren. Zunächst hatte sie gehofft, in Wimbledon wieder dabei sein zu können, aber in einer relativ spontanen Entscheidung habe sie die Reise nach Paris beschlossen. Nach der langen Zeit der Ungewissheit, in der sie ihren Sport schmerzhaft vermisste und das Gefühl hatte, es sei ihr ein Teil des Lebens gestohlen worden, ist sie nun wieder im Spiel - und das gleich erfolgreich. Ihr Erstrundenmatch gegen die Amerikanerin Julia Boserup gewann sie 6:3, 6:2 in nur 73 Minuten.

          In manchen Momenten mit Tränen in den Augen, aber sehr offen und mit großer Wärme hatte sie noch am Freitag über die finstere Vergangenheit und die Hoffnungen für die Zukunft gesprochen, aber vor allem über das Glück der Gegenwart.

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