https://www.faz.net/-gtl-a3urh

Tennisstar bei French Open : Der neue Kurs des Alexander Zverev

  • -Aktualisiert am

Volle Konzentration nur auf sich: Alexander Zverev in Paris Bild: AP

Nasskalt, rutschige Plätze, offenes Dach und schwere Bälle – Alexander Zverev ficht das alles nicht an. Er setzt seinen eigenen Weg auch bei den French Open in Paris fort. Kann das gut gehen?

          3 Min.

          Er habe da, was die Bedingungen in Paris beträfe, einen Scherz gehört, erzählte Alexander Zverev nach souverän getaner Arbeit am ersten Tag der French Open, und der gehe so: „Plätze sind doof, Wetter ist Scheiße, und Bälle sind alt – ganz normales Medenspiel halt.“ Netter Scherz zu später Stunde mit hohem Wiedererkennungswert. In deutschen Landen weiß jeder, wie es ist, bei zwölf Grad im Nieselregen mit langärmeligem Hemd unter dem T-Shirt Tennis zu spielen.

          Zverev weist ja immer wieder darauf hin, seit einer ganzen Weile mit einer neuen Form der Gelassenheit unterwegs zu sein. Aber manchmal ist es kaum zu glauben, dass das wirklich derselbe Typ sein soll, der sich früher während des Spiels über alles Mögliche aufregen konnte und sich damit nicht selten selbst im Weg stand.

          Böser Blick? Lass den Quatsch!

          Erinnert sich noch jemand, wie oft er mit bösem Blick gen Himmel schaute, weil ihn eine der an Stahlseilen bewegten Kameras beim Aufschlag störte? Lass den Quatsch, spiel weiter, dachte man damals, und genau das tut er jetzt. Am Abend seines Spiels gegen den Österreicher Dennis Novak, einen der besten Buddies von Dominic Thiem, hätte es hübsche Gelegenheiten zum Aufregen gegeben. Zuerst, als in seinem Spiel noch nicht allzu viel zusammenpasste und er schnell 2:5 zurücklag, verbunden mit der Gefahr, nicht auf direktem Weg in drei Sätzen zum Ziel zu kommen. Vor allem aber später, als der Nieselregen des feuchten, kalten Abends in deutlich sichtbaren Regen überging und der Schiedsrichter zunächst nicht bereit war, die Schließung des Daches zu genehmigen.

          Komme, was da wolle: Alexander Zverev scheint mental gut vorbereitet auf die besonderen Aufgaben bei diesen French Open.
          Komme, was da wolle: Alexander Zverev scheint mental gut vorbereitet auf die besonderen Aufgaben bei diesen French Open. : Bild: AFP

          Schon kurios, diese Geschichte. Da schenken sie für 47 Millionen dem traditionsreichsten Tennisplatz des Landes endlich ein Dach, und dann wird es mit einer Begründung nicht geschlossen, die nicht ganz leicht nachzuvollziehen ist. Novak und er hätten gefragt, ob man das Ding nicht schließen könne, denn es sei rutschig auf dem Platz, berichtete Zverev nach dem Spiel. Doch die Antwort sei gewesen, auf den Außenplätzen werde ja auch gespielt, und das sei dann unfair gegenüber diesen Spielern. „Anfang des dritten Satzes haben wir noch mal gefragt, und dann hieß es: Okay, wir machen zu. Aber mich hat das auch nicht genervt.“

          Eine wichtige Frage

          Es sah dann tatsächlich ganz so aus, als perle die ganze Geschichte an ihm ab, und ob oben ohne oder doch mit Dach – nachdem er den ersten Satz schließlich doch noch gewonnen hatte, war er nicht mehr aufzuhalten, gewann souverän in wenig mehr als zwei Stunden (7:5, 6:2, 6:4) und trifft nun auf den Franzosen Pierre-Hugues Herbert. Natürlich ging es danach auch um die Frage, wie er die brutal knappe Niederlage in New York im Finale der US Open gegen Dominic Thiem, der sein Erstrundenspiel am Montag in Paris gegen den Kroaten Marin Cilic 6:4, 6:3, 6:3 gewann, verkraftet hatte und die lange Zeit in den Vereinigten Staaten unter den sehr speziellen Sicherheitsbedingungen.

          Sein Körper habe sich schnell erholt, sagt Zverev, aber für den Kopf seien die ersten Tage nach dem Finale natürlich nicht einfach gewesen. „Aber was mir Riesenhoffnungen macht. Ich war jetzt so nah dran und habe nicht mein bestes Tennis gespielt in New York. Dominic hatte es einfach mehr verdient, das Finale zu gewinnen, ich muss jetzt alles dafür tun, dass ich irgendwann dastehe und der bin, der es am meisten verdient.“

          In Paris saß jener Mann auf der Tribüne, mit dem er dieses Ziel erreichen will, David Ferrer. Die Miene des Spaniers als Beobachter war hinter dem Mund-Nasen-Schutz nicht zu erkennen, doch dessen Faust nach dem Matchball deutete auf einen gewissen Grad der Zufriedenheit hin. Die Zusammenarbeit mit Ferrer sei angenehm und leicht, sagt Zverev: „Wir denken über Tennis sehr, sehr gleich. Ich hoffe, dass es ihm auch Spaß macht.“ David Ferrer, der vor sieben Jahren im Finale der French Open spielte, ist der zweite Spanier an Zverevs Seite, der erste war vor drei Jahren Juan Carlos Ferrero gewesen, ehemals Nummer eins. Diese Partnerschaft ende nach einem halben Jahr, und einer der Gründe für die Trennung kommt einem heute irgendwie merkwürdig vor. Ferrero habe aus ihm einen ruhigen, balancierten Kerl machen wollen, sagte Deutschlands Bester damals, „der ich nie war und nie sein werde“.

          Nun ja, an der Balance fehlte es beim Sieg im ersten von hoffentlich sieben Spielen in Paris nicht, und auch die Sache mit den schweren Bällen, über die sich zu Beginn des Herbstturniers im Stade Roland Garros so viele Spieler aufregten, bringt Alexander Zverev nicht aus dem Konzept. Der Brite Dan Evans beispielsweise klagte, einige dieser Bälle würde man nicht mal einem Hund zum Knabbern geben. Zverev hingegen ist froh, die alten Bälle los zu sein: „Die schlechtesten aller Zeiten, für mich unkontrollierbar.“ Jede andere Marke sei ein Schritt in die richtige Richtung. Geht halt nix über die Kraft der positiven Gedanken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marine Le Pen und Viktor Orbán in Budapest

          Le Pen in Ungarn : Bildtermin bei Orbán

          Europas Nationalisten reisen gerne nach Budapest, Marine Le Pen musste es sogar tun. Ob das die französischen Wähler beeindrucken wird?
          Der umstrittene Demokrat: Joseph Manchin im Oktober 2021 in Washington, DC.

          Senator Joseph Manchin : Der letzte Demokrat

          Ein korrupter Verräter? Joseph Manchin stößt auf viel Kritik innerhalb seiner eigenen Partei. Die Republikaner versuchen indes, den Politiker zu einem Seitenwechsel zu motivieren.
          Für manche der Hexer: Tesla-Chef Elon Musk

          Tesla-Aktie : Die Billionen-Dollar-Wette

          Tesla begeistert die Anleger. Eine Aktie kostet jetzt mehr als 1000 Dollar, das Unternehmen wird mit mehr als einer Billion Dollar bewertet. Kann Tesla halten, was es verspricht?
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassungsurkunde am Dienstag im Schloss Bellevue

          Entlassungsurkunde für Merkel : Am Ende einer Kanzlerschaft

          Der Bundespräsident würdigt die Amtszeit von Angela Merkel als „beispielgebend“. So verabschiedet er die Kanzlerin – und bittet sie, noch ein bisschen weiterzumachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.