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French Open : Teenager stoppt Titelverteidigerin

  • -Aktualisiert am

Nicht zu bremsen: die junge Amerikanerin Amanda Anisimova Bild: AFP

Mit größter Selbstverständlichkeit diktiert die 17-Jährige Amanda Anisimova die French-Open-Partie gegen Titelverteidigerin Simona Halep: „Es hat einfach nur super Spaß gemacht.“

          Man hatte das Gefühl, die Leute hätten nicht ganz begriffen, was da gerade vor ihren Augen passierte. Als seien sie überfordert von der fast schockierend selbstverständlichen Art, mit der die 17 Jahre alte Amerikanerin Amanda Anisimova gerade gegen die Titelverteidigerin gewonnen hatte. Der Beifall brandete nur kurz auf und war nach ein paar Augenblicken schon wieder verklungen. Doch irgendwie passte diese ganz und gar verblüffende Stunde auf dem Court Central mit der Niederlage von Simona Halep zum Rest des Frauenturniers, in dem sich fast alle aussichtsreichen Kandidatinnen früh verabschiedet hatten. Der Weg zum zweiten Titel lag scheinbar breit und offen vor Simona Halep, aber in diesem Jahr scheint im Frauentennis nichts berechenbar zu sein.

          Nach dem Regentag schien am Donnerstag wieder die Sonne in Paris, aber die neuen Ränge auf dem Court Philippe Chatrier waren kaum zur Hälfte besetzt, als die Titelverteidigerin und die junge Amerikanerin, in den Vereinigten Staaten geborene Tochter russischer Eltern, zur Mittagszeit den Platz betraten. Vor zwei Jahren hatte Amanda Anisimova in Paris zum ersten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt, und schon damals wirkte sie in allem, was sie tat und vorhatte, extrem entschlossen und sortiert. Im vergangenen Jahr fiel sie wegen einer Fußverletzung längere Zeit aus, doch nun hat die ganze Geschichte wirklich mächtig Fahrt aufgenommen. Bei den Australian Open sammelte sie erste Siege bei einem Grand-Slam-Turnier und landete im Achtelfinale, und der verblüffend klare Sieg im Viertelfinale gegen die Rumänin Simona Halep (6:2, 6:4) zeigte, was da in Zukunft alles möglich ist.

          Mit größter Selbstverständlichkeit diktierte sie die Ereignisse der Partie, spielte nicht nur hart und präzise, sondern auch ausgesprochen durchdacht, und als sie den ersten Satz in weniger als einer halben Stunde gewonnen hatte, da rührte sich im Stadion kaum eine Hand; irgendwie konnten die Leute nicht begreifen, was da gerade geschah. Simona Halep kam danach ein wenig näher, und Mitte des zweiten Satzes gab es ein paar Möglichkeiten, die junge Gegnerin aufzuhalten, doch sie schaffte es nicht. „Ich bin traurig und auch ein bisschen sauer auf mich, weil ich mein Spiel nicht machen konnte“, sagte sie hinterher. „Ich war irgendwie zu angespannt.“ Aber den entscheidenden Beitrag zum Ausgang der Partie, das gab sie in aller Fairness zu, habe die Gegnerin geleistet, die großartig gespielt und den Sieg absolut verdient habe.

          Amanda Anisimova war überhaupt nicht nervös: „Es hat einfach nur super Spaß gemacht.“

          Dieses Urteil traf die Wahrheit bis zum letzten Punkt, wobei gerade dieser letzte Punkt bezeichnend war. Vor dem Spiel hatte Amanda Anisimova berichtet, wie sehr sie Simona Haleps mühelos aussehenden Rückhand-Schuss der Linie entlang bewundere und dass sie manchmal versuche, diesen Schlag zu kopieren. Und genau so beendete sie die Partie. Als eine Stunde später jemand zu ihr sagte, sie habe kein bisschen nervös gewirkt, da verkündete sie mit der ganzen Souveränität ihrer 17 Jahre: „Wenn das so aussah, dann lag es daran, dass ich tatsächlich nicht nervös war. Es hat einfach nur super Spaß gemacht.“

          An diesem Freitag um elf wird Amanda Anisimova zum Halbfinale gegen die Australierin Ashleigh Barty auf dem Court Suzanne Lenglen erwartet, parallel dazu werden die Engländern Johanna Konta und die 19 Jahre alte Marketa Vondrousova aus Tschechien auf dem neuen Gewächshaus-Platz spielen.

          Normalerweise werden natürlich auch die Halbfinals der Frauen auf dem Court Central angesetzt, aber wegen der Regenfälle vom Mittwoch und einer schlechten Prognose für Freitag und den gleichzeitig anstehenden Halbfinals der Männer wollten die Organisatoren auf Nummer sicher gehen. Sie habe damit nicht das geringste Problem, behauptete Amanda Anisimova, alle Plätze auf der Anlage seien schön, und sie spiele dort, wo man sie hinstelle.

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