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Tennis bei French Open : Zverev scheitert an einem Überflieger

  • -Aktualisiert am

Aus im Achtelfinale: Alexander Zverev verliert gegen Jannik Sinner. Bild: Reuters

Der Traum vom ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier platzt im Achtelfinale. Der gesundheitlich angeschlagene Alexander Zverev unterliegt Jannik Sinner – und hadert. Sein Gegner ist derweil auf den Spuren Rafael Nadals.

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          Oft genug war er zuletzt am Rande der Klippen gewandert, bei den US Open in New York und auch jetzt in Paris, immer in Gefahr. Aus dieser Gefahr hatte er fast immer Stärke gezogen, aber dazu fehlte ihm diesmal die Kraft. Im Achtelfinale der French Open unterlag Alexander Zverev am Sonntag dem 19 Jahre alten Italiener Jannik Sinner 3:6, 3:6, 6:4, 3:6.

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          Doch es war hinterher nicht zu überhören, was zu diesem Ende beigetragen hatte. Mit belegter Stimme berichtete Zverev, es gehe ihm nicht besonders gut, er habe Fieber gehabt und er habe im Spiel manchmal kaum atmen können. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er sich unter schwierigen Bedingungen nicht gegen die Niederlage gewehrt hätte, aber es reichte auch deshalb nicht, weil der junge Mann auf der anderen Seite einen sehr souveränen Auftritt hinlegte.

          Ungerührt, so als spiele er zuhause in Sexten um die Herbstmeisterschaft im lokalen Club, blieb Sinner von Anfang bis Ende seiner Linie treu. Stand im Gegensatz zu Zverev dicht an der Grundlinie, machte Druck, ging lange Ballwechsel mit und hatte am Ende den Mut zum entscheidenden Schuss. Mit dem Rückenwind eines frühen Breaks im ersten Satz machte er sich auf den Weg, und es sah lange Zeit nicht danach aus, dass Zverev näher kam.

          Zverev braucht einen Arzt

          Der ließ Ende des ersten Satzes einen Arzt kommen und verlangte nach Nasenspray, und er war vermutlich nicht der einzige, der beim Herbstturnier im Stade Roland Garros bei Wind und Wetter gelitten hatte. Nach knapp 90 Minuten hatte Zverev zwei Sätze verloren, und obwohl er gerade in der jüngsten Vergangenheit aus diversen Gruben geklettert war, sah es in diesen Momenten nicht so aus, als werde er das auch diesmal wieder schaffen. Danach spielte er besser, keine Frage, aber war es nicht zu spät? Hätte er nicht von Anfang an offensiver sein müssen? Hätte er. Im dritten Satz versuchte es er gelegentlich mit Variationen, und obwohl nicht alles funktionierte, reichte es doch, um Sinner zumindest gelegentlich zu verwirren. Doch der ließ sich selbst vom Verlust dieses Satzes nicht bremsen, und Zverev spürte, dass seine Kräfte an diesem Tag nicht reichen würden, um die ganze Sache noch zu drehen. Mit einem Doppelfehler gab er sein erstes Aufschlagspiel in diesem vierten Satz ab, und das war der Anfang vom Ende.

          Natürlich wurde er hinterher angesichts seiner körperlichen Verfassung gefragt, ob er sich Sorgen mache, mit Covid-19 infiziert zu sein. „Nein“, sagte er, „wir werden ja alle paar Tage getestet, und meine Tests waren alle negativ. Aber ich werde mich natürlich nochmal testen lassen.“ Sein nächster Auftritt ist in der kommenden Woche beim neuen Turnier in Köln geplant; in der Halle, geschützt vor unfreundlichen Temperaturen und Nieselregen.

          Der 19 Jahre alte Italiener Sinner steht im Viertelfinale.
          Der 19 Jahre alte Italiener Sinner steht im Viertelfinale. : Bild: AFP

          Jannik Sinner steigt derweil wirklich in große Schuhe. Beim ersten Auftritt in Paris direkt im Viertelfinale zu landen – das schaffte zuletzt vor 15 Jahren ein Spanier aus Mallorca, der in jenem Jahr auch gleich den ersten Titel gewann und bekanntlich noch ein paar in den Jahren danach. Und auch ein anderer Vergleich zeigt, was es mit dem Südtiroler auf sich hat – mit etwas mehr als 19 Jahren ist er der Jüngste Viertelfinalist eines Grand-Slam-Turniers seit Novak Djokovics Auftritt in Paris anno 2006. Und im Viertelfinale geht die Reise gegen eben jenen Mann weiter, in dessen Spuren er unterwegs ist – Rafael Nadal.

          Der Titelverteidiger war beim Sieg gegen den jungen Amerikaner Sebastian Korda, den Sohn des Australian-Open-Siegers von 1998, Petr Korda, in drei Sätzen recht ordentlich in Form, um mal Nadals gern benutztes Understatement zu bemühen – 6:1, 6:1, 6:2 in weniger als zwei Stunden. Wie er sich selbst sieht dieser Tage? „Also, ich hab noch keinen Satz verloren bei guten Ergebnissen, ich kann mich nicht beschweren.“ Das Spiel gegen Sinner im Viertelfinale wird das 100. seiner Karriere bei den French Open sein. Vor den bisherigen 99 verlor er zwei; man kann es nicht oft genug erwähnen. Ebenfalls im Viertelfinale steht US-Open-Champion Dominic Thiem, der gegen den 20 Jahre alten Hugo Gaston nach 3:32 Stunden 6:4, 6:4, 5:7, 3:6 und 6:3 siegte.

          Bei den Frauen schied Topfavoritin Simona Halep derweil völlig überraschend im Achtelfinale aus. Die rumänische Weltranglisten-Zweite musste sich einer wie entfesselt aufspielenden Iga Swiatek aus Polen mit 1:6, 2:6 geschlagen geben. Für Halep war es die erste Niederlage seit dem Halbfinale bei den Australian Open in Melbourne. Danach hatte die 29-Jährige 17 Partien in Serie gewonnen und die Titel in Dubai, Prag und zuletzt in Rom geholt. Die 19 Jahre alte Swiatek, Nummer 54 der Tennis-Welt, benötigte nur 68 Minuten für ihren Erfolg. 2019 hatte Halep gegen die Polin im Achtelfinale noch mit 6:1, 6:0 gesiegt.

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