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Zehnter French-Open-Titel : La Decima für den fabelhaften Nadal

  • -Aktualisiert am

Ein gewohntes Bild: Diesmal ist der Kuss von Rafael Nadal besonders intensiv. Bild: AP

Welch eine Leistung! Rafael Nadal gewinnt wieder die French Open. Aus dem ultimativen Gefecht mit Stan Wawrinka macht er einen kurzen Prozess. Nadal stellt dabei auch eine besondere Bestmarke auf.

          3 Min.

          Als es geschafft war, als er den zehnten Titel in Paris gewonnen hatte, holte sich Rafael Nadal zuerst den Glückwunsch von einem Mann ab, der ihm auch vor zwölf Jahren als Erster gratuliert hatte. Es war kein anderer als Juan Carlos, Spaniens früherer König, und wie damals plauderten sie eine kleine Weile. Auch Roland Garros gab sich große Mühe angesichts der Bedeutung dieses zehnten Titels nach dem Sieg des Spaniers gegen Stan Wawrinka (6:2, 6:3, 6:1) und zauberte einige spezielle Geschenke hervor. Das Beste wurde von Toni Nadal hereingetragen, dem berühmtesten Onkel der Tenniswelt, der eine gleich große Nachbildung des Coupe des Mousquetaires aufs Podium schleppte, wo der gerührte Neffe mit dem Original stand.

          So endete dieser Nachmittag in Paris. Begonnen hatte er mit der Schlagzeile unter den Gesichtern der beiden Finalisten: Das ultimative Gefecht. Alle dachten, dass es ein langes, hartes, extrem physisches Duell geben würde, vier Sätze garantiert, vielleicht fünf. Nadal hatte sich mit einer Reihe äußerst zügiger Siege empfohlen, zuletzt gegen den Österreicher Dominic Thiem. Aber der Auftritt des Schweizers im Halbfinale gegen Andy Murray im besten Spiel des Turniers nährte die Idee einer Begegnung auf Augenhöhe. Und überhaupt, Stan the Man ist bekanntlich der Agent für besondere Fälle, der von den drei Grand-Slam-Finals seiner Karriere keines verloren hatte.

          Am Vormittag hatte er das Foto eines Espressos vom Frühstück über Twitter geteilt, aber man konnte sich nicht vorstellen, dass er den wirklich brauchen würde. Als die Kombattanten pünktlich um drei den Platz betraten, war die Arena vollbesetzt, und es lag eine Mischung aus Spannung, Neugier und exklusivem Kribbeln in der Luft. Wawrinka zum zweiten in Paris oder tatsächlich La Decima für Rafael Nadal?

          Vor seinem bis dahin letzten großen Finale, im September 2016 bei den US Open in New York, hatte sich Wawrinka fast übergeben müssen vor Aufregung und Angst, die Chance zu vermasseln. Diesmal, so hatte er am Tag vor dem Finale gesagt, werde er versuchen, das Spiel von Anfang an zu genießen. Und dass es keine größere Herausforderung im Tennis gebe, als in einem Spiel auf drei Gewinnsätze gegen Rafael Nadal zu bestehen. Eine halbe Stunde lang sah es so aus, als habe die Schlagzeile im Programmheft in die richtige Richtung geführt. Lange, harte Ballwechsel mit Vorteilen für den Spanier, aber auch mit einem Gegner, der Möglichkeiten fand, sich aus der Bredouille zu befreien.

          Nach dem Matchball ist Rafael Nadal ganz platt. Bilderstrecke

          Nach dieser halben Stunde ohne Aufschlagverlust hüben wie drüben stand es 3:2; in Gedanken wurden auf der Tribüne bereits diverse Reservationen fürs Abendessen storniert. Aber dann verlor der Schweizer zum ersten Mal ein Aufschlagspiel, Nadal ging 4:2 in Führung, und von diesem Moment an ging alles ziemlich schnell. Der Spanier spielte immer zwingender, er hatte die große Mehrzahl der Ballwechsel unerbittlich souverän im Griff, und es wurde bald klar, dass Wawrinka an diesem Tag nicht genug Kraft hatte, um dagegen zu halten. Um Rafael Supermann zu stoppen.

          Der Rest des Weges zur gloriosen Decima war nicht mehr weit. Noch während Nadal bei der Arbeit war, kündigte der Präsident des Französischen Tennisverbandes, Bernard Guidicelli, an, es werde irgendwann eine Statue für den Spanier auf der Anlage geben, unabhängig davon, wie das Spiel ausgehe. Schade, dass der Court Central schon einen Namen hat, das wäre auch keine schlechte Idee gewesen. In 45 Minuten gewann Nadal jedenfalls den zweiten Satz, in 35 den dritten, und dann lag er ausgestreckt im roten Sand. Wie beim ersten Mal und wie so oft in den Jahren seit seinem ersten Sieg im Stade Roland Garros vor zwölf Jahren.

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          Es hätte diesen zehnten Titel nicht gebraucht, um zu erkennen, mit wie viel Drall und nie nachlassender Leidenschaft er das Turnier in all den Jahren bereicherte, obwohl er dabei nicht immer der Favorit des Publikums war. Oft genug hatten sich die Pariser Fans auf die Seite des Herausforderers geschlagen, zuerst auf Roger Federers Seite, dann unterstützten sie Novak Djokovic, und ein paar Mal ließen sie Nadal auch im Regen stehen; es war das Jahr 2009, in dem er im Achtelfinale gegen den Schweden Robin Söderling verlor. Danach verlor er nur noch ein weiteres Spiel, im Viertelfinale vor zwei Jahren gegen Djokovic. Danach konnten sich viele nicht vorstellen, dass er bei seinem Lieblingsturnier noch einmal im Finale spielen würde angesichts seiner Probleme in den Knien, im Handgelenk und überhaupt.

          In diesem Jahr geht es ihm wieder gut, und das allein reichte, um die alte Klasse wieder zum Vorschein zu bringen. Sieht so aus, als sei 2017 auf dem Planeten Tennis ein besonderes Jahr: In Melbourne gewann Roger Federer den 18. Grand-Slam-Titel seiner Karriere, in Paris zog Rafael Nadal nun mit dem 15. nach, und er landet damit ganz nebenbei wieder auf Platz zwei der Weltrangliste. Aber darauf kam es an fiesem Tag nicht an. Man sah es daran, wie Rafael den Pokal auf dem Podium küsste; er wiegte ihn wie ein Baby im Arm.

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