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Finale der French Open : Zweite Chance für Thiem

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Ein Dank gen Himmel? Im French-Open-Halbfinale zwischen Dominic Thiem und Novak Djokovic spielte auch das Wetter eine zentrale Rolle. Bild: EPA

In einer nervenaufreibenden Partie setzt sich Dominic Thiem in Paris gegen Novak Djokovic durch. Im Finale sinnt der Österreicher nun auf Wiedergutmachung gegen Nadal – doch der Spanier könnte nicht seine einzige Hürde sein.

          Zum Ende eines ereignisreichen Spiels gab es viele Diskussionen, doch die Quintessenz kam aus dem Munde des Verlierers. Auf die höchst komplizierten Bedingungen und das pausenlose Auf und Ab im Halbfinale gegen Dominic Thiem angesprochen, erklärte Novak Djokovic: „Er hat es sich genommen, er hat es gewonnen, und er hat es gut gemacht.“ Für ihn selbst endete an diesem Samstag beim 2:6, 6:3, 5:7, 7:5, 5:7 ein Jahr ohne Niederlage bei einem Grand-Slam-Turnier, der Sieger hingegen freut sich auf eine zweite Chance. Wie vor zwölf Monaten wird Thiem an diesem Sonntag im Finale gegen Rafael Nadal um den Titel spielen.

          Wer an Tagen wie diesen nicht in sich selbst ruht, dem helfen die besten Schläge nichts. Novak Djokovic, die Nummer eins des Männertennis, im Halbfinale eines so bedeutenden Turniers auf der anderen Seite des Netzes zu sehen, genügt ja prinzipiell als Herausforderung. Aber das Spiel mit den äußeren Bedingungen verdoppelte den Schwierigkeitsgrad. Roger Federer und Rafael Nadal hatten am Freitag im ersten Halbfinale auch gegen Sturm Miguel gespielt, der sie in manchen Momenten fast zur Verzweiflung brachte. Federer sagte nach seiner Niederlage in drei Sätzen, einen ausgetüftelten Spielplan habe man unter diesen Bedingungen vergessen können. Der Schwede Mats Wilander, in den Achtzigern selbst dreimal Sieger des Turniers und seit vielen Jahren während der French Open als Fachmann für Eurosport und Kolumnist für die französische Sportzeitung „L’Équipe“ tätig, meinte allerdings, Federer hätte trotz der schwierigen Bedingungen öfter ans Netz gehen sollen. Aber er hatte einen sehr weisen Spruch zur Hand, wie man am besten mit den Widrigkeiten des Wetters umgehe: Der Wind hilft demjenigen, der daran glaubt, dass er ihm hilft.

          Thiem und Djokovic lassen die Frauen warten

          Als das zweite Halbfinale am Freitagabend abgebrochen wurde, führte Dominic Thiem 6:2, 3:6, 3:1. Schon vorher hatte es eine Regenpause gegeben, die auf beiderseitige Zustimmung stieß, doch über die Notwendigkeit des Abbruchs gab es später womöglich unterschiedliche Meinungen; Djokovic hatte es dem Vernehmen nach sehr eilig, Roland Garros zu verlassen. Keiner weiß, ob die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit gereicht hätte, der Sturm hatte sich auch noch nicht gelegt.

          Samstag um die Mittagszeit kamen sie zurück, und natürlich war das Stadion um diese Zeit nicht voll besetzt. Zu den Leidtragenden der Misere gehörten vor allem die Finalistinnen des Frauenturniers, Ashleigh Barty und Marketa Vondrousova, die vor dem größten Auftritt ihrer Karrieren auf das Ende der Partie zwischen Djokovic und Thiem warten mussten. Und das hätte sich mit einem früheren Beginn des Halbfinales der Männer fraglos vermeiden lassen. Barty siegte im Damenfinale ohne Probleme 6:1, 6:3.

          Wildes Nervenspiel im fünften Satz

          Thiem gewann den dritten Satz, doch Djokovic wirkte deutlich stärker und konzentrierter als tags zuvor im ersten Teil der Partie. Nach insgesamt drei Stunden Spielzeit glich er zum 2:2 nach Sätzen aus, und danach ging es drunter und drüber. Frühes Break für Thiem zum 3:1, ein vergebener Breakball beim Stand von 4:1, wieder ein Regenschauer und eine Stunde Pause, direkt danach ein weiterer vergebener Breakball. Die Drehtür dieser Partie rotierte in vollem Schwung. Nach verlorenen Aufschlagspielen hüben wie drüben schlug der Österreicher beim Stand von 5:3 zum Sieg auf und hatte zwei Matchbälle, doch die Art, wie er diese beiden vergab und sein Aufschlagspiel wenig später abgab, war zum Haareraufen.

          Nach insgesamt vier Stunden Spielzeit an zwei Tagen war noch kein Sieger in Sicht, das Ende der Partie zwischen Nadal und Federer lag zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 24 Stunden zurück. Als es Thiem beim dritten Matchball wieder mit einem Rückhand-Slice probierte, der bei den ersten beiden so schrecklich schiefgegangen war, ging ein Raunen durchs Stadion, aber diesmal blieb der Ball nicht im Netz hängen und landete nicht im Aus, und mit dem nächsten Vorhand-Schuss machte er die Sache klar; mit voller Wucht und mächtig Spin geschlagen, landete der Ball unerreichbar für Djokovic kurz vor der Linie.

          Thiem: „Klar ist er der Favorit“

          In der Box des Österreichers fielen sich ein paar Männer mit ebenso viel Schwung in die Arme. Darunter jener Mann, der seit ein paar Monaten sein Coach ist, Nicolas Massu. Der 39 Jahre alte Chilene hatte in seiner Karriere sechs Einzeltitel gewonnen, bekannt ist er aber vor allem für einen der größten Coups des Tennis, als er bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen nach der Goldmedaille im Doppel mit Fernando Gonzalez (gegen Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler) auch die Goldmedaille im Einzel gewann. 15 Jahre lang war Thiem von Günter Bresnik betreut worden, im Frühjahr trennten sich die beiden, weil Thiem fand, es sei an der Zeit für einen Wechsel. Das ändert freilich nichts an seiner Einschätzung der ungewöhnlich langen gemeinsamen Zeit. „Ohne Günter wäre ich nie der Spieler geworden, der ich heute bin“, sagt er zu diesem Thema immer wieder. Nun sitzt also anstelle des Herren mit dem zerbeulten Strohhut ein deutlich jüngerer Mann mit einer schwarzen Baseball-Kappe auf der Tribüne, wenn Dominic Thiem Tennis spielt, und es sieht ganz so aus, als kämen die beiden ziemlich gut miteinander klar.

          Was ihn an diesem Sonntag im zweiten Finale (um 15 Uhr auf Eurosport) gegen Rafael Nadal erwartet, wird sich nicht groß vom ersten Mal unterscheiden. „Klar ist er der Favorit“, sagt er über den Spanier, der das Turnier bisher elfmal gewann. „Ich werde versuchen, es besser zu machen als im letzten Jahr.“ Wenn’s geht, auch gern ohne Sturm Miguel und ohne Regenpause.

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