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Kritik von Boris Becker : „Zverev hat unter aller Sau gespielt“

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„Natürlich gibt es viele Gründe, warum Sascha in eine kleine Krise geschliddert ist“: Boris Becker über Alexander Zverev Bild: Picture-Alliance

Deutschlands bester Tennisspieler kämpft mit der ersten großen Krise seiner Karriere. Nun startet er bei den French Open. Und Boris Beckers Urteil über Alexander Zverev fällt in der Wortwahl ziemlich derb aus.

          Das Urteil von Boris Becker über Alexander Zverev fiel in der Wortwahl ziemlich derb aus. Und zwiespältig. „Gerade auf Sand, eigentlich sein stärkster Belag, hat er – um es einmal milde auszudrücken – unter aller Sau gespielt“, sagte der dreimalige Wimbledonsieger und Eurosport-Experte zum Auftakt der French Open in Paris. Am Ende seiner sich ein wenig widersprechenden Ausführungen kam Becker dann zu dem Schluss: „Ich glaube, dass Zverev weit kommen kann.“ Also was nun?

          Tatsache ist: Zverev, 22, kämpft sich gerade durch die erste Krise seiner Karriere. Ehe er am Samstag mit einem unbändigem Siegeswillen das kleine 250er in Genf gewann, hatte er sechs Turniere auf Sand gespielt, und nur bei einem war er wenigstens bis zu einem dritten Match gekommen. Auch in Genf war nicht zu übersehen, dass Zverev derzeit Mühe hat, sein Spiel zusammenzusetzen. Seine Leistung schwankt bisweilen von Ballwechsel zu Ballwechsel, ihm fehlt die Konstanz.

          „Natürlich gibt es viele Gründe, warum Sascha in eine kleine Krise geschliddert ist“, hat nun auch Becker festgestellt. Aus der Bahn, sagte Zverev, habe ihn neben der Trennung von seiner Freundin und eines krankheitsbedingten Ausfalls von Vater Alexander der Rechtsstreit mit seinem bisherigen Manager Patricio Apey geworfen. Mit dem Turniersieg in Genf, sein elfter insgesamt und zugleich der fünfte auf Sand, hat er sich immerhin bewiesen, dass er allen Widrigkeiten zum Trotz eines auf jeden Fall kann: kämpfen.

          Eine Krise, wie Zverev sie nun erlebt, sei „jedem Topspieler schon einmal passiert, auch natürlich mir“, merkte Becker an. Bei ihm sei der Durchhänger in seinem dritten Jahr in den Top Ten gekommen, „da wusste ich nicht mehr, ob ich den ersten oder zweiten Aufschlag ins Feld bringen kann. Man stellt sich dann Sinnfragen. Ich war damals 19 oder 20 Jahre alt. Das ist also alles normal auf dem Weg in die absolute Weltspitze.“ Zverev steht seit November 2017 durchgehend in den Top Fünf der Weltrangliste – und ist ATP-Champion.

          Sein Auftaktmatch in Roland Garros bestreitet Zverev an diesem Dienstag (11.00 Uhr bei Eurosport) gegen den Australier John Millman, nur die Nummer 56 der Weltrangliste – und nicht gerade ein Sandplatzspezialist. Die Auslosung des Hamburgers sei nun „nicht allzu schlimm“, kommentierte Becker, warnte jedoch: „Hier geht es über drei Gewinnsätze.“ Und bei den vier Grand Slams hat Zverev bislang nicht überzeugt. Sein bestes Resultat war im Vorjahr das Viertelfinale in Roland Garros. Das war vor seiner Krise.

          Zverev selbst bleibt optimistisch. „Ich weiß“, sagte er vor der Anreise nach Paris, „dass ich einer der besten Spieler der Welt sein kann, wenn ich meinen Rhythmus finde.“ Und diese Woche in Genf „hat mir dabei definitiv geholfen“. Sein Bruder Mischa sprach am Montag nach seinem
          Erstrunden-Aus bei den French Open über mentale Probleme im vergangenen Jahr. „Ich habe vielleicht ein leichtes Burnout-Syndrom gehabt“, sagte der 31-Jährige in Paris nach der Niederlage gegen den Franzosen Richard Gasquet. Nach der Geburt seines Sohnes sei er „ein bisschen platt gewesen“, berichtete der ältere Bruder des Weltranglisten-Fünften Alexander Zverev.

          Er habe lieber zu Hause sein wollen, aber trotzdem viele Turniere gespielt, sagte er. Ärztliche Hilfe habe er jedoch nicht in Anspruch genommen. Nach zahlreichen sportlichen Rückschlägen und Verletzungen liegt Mischa Zverev in der Weltrangliste nur noch auf Platz 102.

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