https://www.faz.net/-gtl-8ya0n

Kerber-Aus bei French Open : Die verzagte Nummer eins

  • -Aktualisiert am

So hatte sich Angelique Kerber den Auftakt in Paris nicht vorgestellt. Bild: AFP

„Irgendwas muss sich ändern“: Kerber lässt auch in Paris von Anfang an die Schultern hängen. Die deutliche Niederlage in Runde eins gegen die Russin Makarowa sorgt für einen Eintrag in die Tennis-Historie.

          3 Min.

          Normalerweise beginnen Grand-Slam-Turniere Montags, zumindest in Melbourne, Wimbledon und New York. Bei den French Open wird seit elf Jahren schon sonntags gespielt, und der Vorlauftag führte diesmal zu einem Ergebnis, das in den Annalen des Turniers landen wird. Angelique Kerbers Niederlage gegen die Russin Jekaterina Makarowa (2:6, 2:6) war die erste einer Nummer eins bei den Frauen in der Ära des Profitennis in Paris.

          Niemand wird behaupten können, das sei eine riesige Überraschung. Auch im vergangenen Jahr hatte Kerber in Runde eins verloren, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass sie sich knapp vier Monate zuvor in Melbourne in einem begeisternden Finale gegen Serena Williams den ersten großen Titel ihrer Karriere geschnappt hatte.

          Die Konkurrentin aus den Vereinigten Staaten hat bekanntlich im Moment anderes zu tun; sie erwartet ihr erstes Kind. An diesem Wochenende wurde sie rund und gesund in Monte Carlo bei der Formel 1 gesichtet, ungefähr zu gleichen Zeit, zur gleichen Zeit, als Angelique Kerber auf dem Court Central verlor. Zwei Tage vorher hatte sie zugegeben: „Natürlich nimmt es einen ein bisschen mit, wenn es nicht so läuft. Aber ich weiß immer noch, was ich kann. Ich fühle mich gut und versuche, es auf dem Platz zu zeigen.“ Nur sie selbst weiß, was davon stimmt. Zu sehen war ein erster Satz, in dem sie so verzagt und glücklos spielte wie so oft in diesem Jahr. In dem sie die Schultern hängen ließ und keine Antwort auf die beherzten Angriffe der routinierten Russin fand.

          Kerber könnte trotzdem die Nummer eins bleiben

          Es sei ja bekannt, dass Sand nicht ihr Belag sei, hatte sie neulich gesagt, wobei schon in dieser Aussage der Ansatz einer Erklärung stecken könnte. Solche Dinge muss man sich nur oft genug einreden, bis man sie wirklich glaubt. Im zweiten Satz spielte sie besser, und in vereinzelten Momenten lag der Hauch eines Hauches von Erinnerung an die großartigen Auftritte vom vergangenen Jahr in ihrem Spiel. Aber Jekaterina Makarowa ließ es nicht zu, dass mehr daraus wurde. In ihrem ersten Spiel im Einzel auf dem Court Central in neun Jahren tat sie alles, und das klappte in den meisten Fällen. 14 von 16 Breakbällen wehrte sie ab, und nie fehlte ihr der Mut zur Attacke. So gewann sie nicht nur zum ersten Mal auf dem größten roten Platz der Tenniswelt, sondern auch zum ersten seit fast vier Jahren gegen Angelique Kerber.

          Streckte sich vergeblich: Kerber mag es auf Sand einfach nicht.
          Streckte sich vergeblich: Kerber mag es auf Sand einfach nicht. : Bild: AFP

          Die Kielerin brauchte danach eine ganze Weile, bis sie zur Pressekonferenz erschien. Es dürfte zur Zeit ihre geringste Sorge sein, ob sie auch in zwei Wochen noch an der Spitze der Weltrangliste stehen wird. Es gibt zwei Konstellationen, die das verhindern könnten: Landet die Tschechin Karolina Pliskova im Finale oder gewinnt Simona Halep aus Rumänien den Titel. Doch Karolina Pliskova spielt auf Sand auch nicht besonders gut, und Simona Halep laboriert an einer Bänderverletzung im Knöchel. Das führt allerdings nicht zu einer Antwort auf die Frage, ob Angelique Kerber irgendwann wieder den Schalter umlegen kann. Einerseits ist nun der Teil des Jahres vorbei, von dem sie glaubt, er liege ihr nicht.

          Andererseits weiß sie sehr gut, dass der Druck wegen der enttäuschenden Ergebnisse des Jahres auch demnächst auf Rasen zunehmen wird. Im vergangenen Jahr hatte sie in Wimbledon im Finale gespielt, nach dem aktuellen Stand spricht vieles dafür, den Dingen vorher auf den Grund zu gehen. „Irgendwas“, so sagt sie selbst, „wird sich auf jeden Fall ändern müssen.“ Ob dazu auch eine Änderung in ihrem Team mit Trainer Torben Beltz gehören kann? „Ich hatte mich bisher voll auf Paris konzentriert, in den nächsten Wochen werde ich viel Zeit haben, darüber nachzudenken.“ Das hörte sich nicht wie ein Bekenntnis zu jenem Mann an, mit dessen geduldiger Hilfe sie im vergangenen Jahr zwei Grand-Slam-Titel gewonnen hatte und an der Spitze der Weltrangliste gelandet war.

          Steffi Graf ereilte ein ähnliches Schicksal

          Dieser Anlauftag im Stade Roland Garros war jedenfalls kein guter Tag für das deutsche Frauentennis. Julia Görges verlor in der Hitze des Tages in drei Sätzen gegen die Amerikanerin Madison Brengle und meinte hinterher, das sei verdammt bitter, aber sie habe nach einer Woche Erkältung und Fieber einfach nicht mehr Kraft gehabt.

          Aber noch mal zurück zur historischen Bedeutung des Tages. Zu jenem Quartett, das ebenfalls an Nummer eins gesetzt in der ersten Rund eines Grand-Slam-Turniers verlor, gehört auch Steffi Graf, die 1994 in Wimbledon als fünfmalige Siegerin des Turniers und Titelverteidigerin der Amerikanerin Lori McNeil unterlag. Verglichen mit der Wucht der Wellen des Spiels von damals wirkte Angelique Kerbers Niederlage am Sonntag im Stade Roland Garros wie das Plätschern eines Baches.

          Florian Mayer scheidet in Runde eins aus

          Auch für die deutschen Herren starteten die French Open mit einer Niederlage. Florian Mayer verlor als erster Deutscher gegen den an Nummer 20 gesetzten Spanier Pablo Carreno-Busta 4:6, 2:6, 2:6. Nach 1:36 Stunden war der Auftritt des ehemaligen Davis-Cup-Spielers beim zweiten Grand-Slam-Turnier der Tennis-Saison schon wieder vorbei. (dpa)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marokkanische Migranten am 18. Mai bei der Ankunft in Ceuta

          Migration aus Marokko : Ansturm auf Ceuta

          Tausende Menschen sind innerhalb eines Tages in die spanische Exklave Ceuta geströmt. Die politische Botschaft aus Rabat: Ohne Marokko lässt sich der Kampf gegen die illegale Migration nach Europa nicht gewinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.