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French Open : Barty holt sich in Paris den Silberpokal

  • -Aktualisiert am

Kaum zu glauben, aber wahr: Ashleigh Barty gewinnt die French Open. Bild: AP

Zwei Debütantinnen bestreiten das Finale der French Open. Am Ende holt Ashleigh Barty den Titel. Es ist ein bemerkenswerter Auftritt einer mindestens ebenso bemerkenswerten jungen Frau.

          Viel unaufgeregter und souveräner kann man den ersten großen Titel einer Karriere nicht gewinnen. In ihrem Heimatland Australien war es mitten in der Nacht, als Ashleigh Barty am Samstagabend in Paris mit dem silberglänzenden Pokal auf dem Podium stand, und nur als die Hymne gespielt wurde, sah es ein paar Augenblicke lang so aus, als sei sie nervös. Im Spiel zuvor beim Sieg gegen die Tschechin Marketa Vondrousova (6:1, 6:3), Debütantin auf dieser Ebene wie sie selbst, hatte es dagegen ausgesehen, als sei sie die Ruhe selbst.

          Es war ein bemerkenswerter Auftritt einer mindestens ebenso bemerkenswerten jungen Frau. Ashleigh Barty aus Ipswich im Bundesland Queensland, mit dem Faible der Australier für Abkürzungen genannt „Ash“, ist ein Beispiel für die Bedeutung des Mutes an den Kreuzungen des Lebens. Sie galt früh als großes Talent, spielte schon mit knapp 16 zum ersten Mal bei den Australian Open, fühlte sich danach aber völlig überfordert vom bisweilen sehr einsamen Leben auf der Tennistour. Nach drei Jahren, in denen sie sich oft weinend fragte, warum sie sich das alles antue, entschied sie sich für eine längere Pause vom Tennis, und sie schloss auch nicht aus, überhaupt nicht zurückzukehren.

          Zwei Jahre lang spielte sie stattdessen Cricket, fand den Spaß am Sport wieder und fühlte sich danach stark genug für einen weiteren Versuch auf den Tennisplätzen der Welt. Seit 2017 ist sie wieder zurück, die ersten größeren Erfolge feierte sie im Doppel mit Casey Dellacqua - 2017 erreichten die beiden das Finale in Paris -, und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein bis zu ähnlichen Erfolgen als Einzelspielerin. Es gibt kaum eine mit mehr Variationen im Spiel und mit einem besseren Händchen, und das zeigte sie auch im Spiel um den Titel am Samstag in Paris. Es sei eine Lehrstunde gewesen, meinte Marketa Vondrousova hinterher, die aber selbst allen Grund hatte, zufrieden zu sein mit sechs Siegen bei diesem Turnier.

          Ashleigh Barty schnappte sich den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere, den ersten für Australien seit den US Open 2011, mit allergrößter Selbstverständlichkeit. In der am Montag erscheinenden neuen Weltrangliste wird sie damit mit nur 135 Punkten Rückstand auf die Japanerin Naomi Osaka auf Platz zwei vorrücken. Gut möglich, dass sie in ein paar Wochen an der Spitze stehen wird, denn ihr Lieblingsbelag ist Rasen, und die Rasensaison beginnt genau jetzt.

          Dominic Thiem beendete derweil die Grand-Slam-Siegesserie von Novak Djokovic und zerstörte die Hoffnungen des Weltranglisten-Ersten auf den vierten großen Titel nacheinander. Der 25 Jahre alte Tennisprofi aus Österreich entschied das tags zuvor abgebrochene und am Samstag wegen Regens abermals für eine Stunde unterbrochene Halbfinale gegen den 32 Jahre alten Serben in am Ende nervenaufreibenden 4:13 Stunden mit 6:2, 3:6, 7:5, 5:7, 7:5 für sich. „Es war ein großartiges Match. Ich habe zum ersten Mal fünf Sätze in Roland Garros gespielt, das war ein guter Anfang“, sagte Thiem, der beim Stand von 5:3 seine ersten beiden Matchbälle noch leichtfertig verspielt hatte und schließlich seinen dritten Matchball nutzte.

          Im Endspiel am Sonntag (15.00 Uhr bei Eurosport) trifft Thiem in einer Neuauflage des Vorjahresfinals auf den elfmaligen Roland-Garros-Champion Rafael Nadal. „Immer wenn hier einer ins Endspiel kommt, spielt er gegen Rafa“, scherzte Thiem. „Ich werde alles versuchen. Er ist der Favorit, aber ich freue mich drauf.“ Der 33 Jahre alte Spanier Nadal hatte sich am Freitag gegen den vier Jahre älteren Roger Federer aus der Schweiz glatt in drei Sätzen mit 6:3, 6:4, 6:2 durchgesetzt und sein zwölftes Paris-Finale erreicht. „Wer auch immer es sein wird, es wird kompliziert. Wir sprechen über die Nummer eins und die Nummer vier der Welt“, hatte Nadal gesagt, der nun einen Tag mehr Pause hatte und ausgeruhter in das Endspiel gehen wird. „Ich hoffe, dass ich bereit bin, gegen wen auch immer mein Bestes zu geben, aber ich gehe selbstbewusst in das Match.“

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