https://www.faz.net/aktuell/sport/french-open/andy-murray-ist-bei-den-french-open-ein-kandidat-fuer-das-finale-14257875.html

Andy Murray in Paris : Nicht nur die pure Idylle

  • -Aktualisiert am

Stark auf Sand: Andy Murray serviert Bild: Reuters

Andy Murray erlebt bei den French Open einigen Wirbel. Doch der Sturm hat sich gelegt. Er bleibt ein Kandidat für das Finale – auch, weil er an ein paar Schrauben gedreht hat.

          3 Min.

          Vor nicht allzu langer Zeit hätte man Andy Murray mit Spielen um die Mittagszeit keine Freude machen können. Er brauchte lange, bis er morgens in Gang kam, und das sah man ihm auch an. Aber Gewohnheiten können sich ändern, vor allem dann, wenn ein kleiner Mensch dazu kommt, der alles auf den Kopf stellt. Sophia Olivia Murray, die Anfang Februar zur Welt kam, ist dieser Tage zum ersten Mal mit ihren Eltern bei einem Grand-Slam-Turnier dabei, und deshalb ist ihr Dad jetzt an Spielen um die Mittagszeit interessiert. Je früher er seinen Job erledigt hat, desto größer ist seine Chance, danach ein bisschen Zeit mit seiner Kleinen verbringen zu können. Murray wohnt nicht mehr wie früher während der French Open im Hotel, sondern hat für sich und seine Familie ein Haus gemietet, für mehr Platz und größere Freiheit.

          Außerhalb des Hauses erlebte der Schotte in der ersten Woche des Turniers nicht die pure Idylle; in der ersten Runde hatte er alle Hände voll zu tun, um die unberechenbaren Attacken des 37 Jahre alten Tschechen Radek Stepanek abzuwehren, und wegen des schlechten Wetters zu Beginn der Woche war er damit an zwei Tagen beschäftigt. In der zweiten Runde gönnte er sich wieder fünf Sätze, diesmal gegen einen Franzosen vom Weltranglistenplatz 165, Mathias Bourgue. Der junge Mann aus Avignon überraschte nicht nur während der Ballwechsel, sondern auch beim Seitenwechsel, als er bat, man möge ihm ein Mars und eine Cola bringen. Murray sah während der dreieinhalb Stunden mit Bourgue auch manchmal so aus, als könne er ein Weckgetränk brauchen, hinterher gab er zu, viele Matches dieser Art könne er sich nicht mehr leisten.

          Ein Interview sorgte für Wirbel

          Offenbar hatte ihm der Wirbel um ein Interview der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ mit Amélie Mauresmo zugesetzt. Anfang Mai hatten Mauresmo und Murray beschlossen, die gemeinsame Arbeit nicht fortzusetzen, ohne explizit Gründe dafür zu nennen. Im Interview, das vor Beginn des Turniers erschien, sagte die Französin, Murray sei ein komplexer Typ, dessen Benehmen auf dem Platz manchmal das Gegenteil seiner Art außerhalb des Platzes sei. „So was kann verwirrend sein“, erklärte sie. „Ich war da, um ihm zu helfen, aber ich hatte das Gefühl, dass ich die Dinge nicht mehr vorantreiben konnte.“

          Zurückgekämpft: In Paris zählt Murray wieder zu den Favoriten
          Zurückgekämpft: In Paris zählt Murray wieder zu den Favoriten : Bild: AP

          In der Tat hat der nachdenkliche, ehrliche und manchmal zu schrägem Humor neigende Privatmann Andy Murray wenig Ähnlichkeit mit dem wütenden, fluchenden Spieler, der er oft ist, wenn es nicht läuft. Zu Beginn der Woche veröffentlichte „L’Équipe“ dann ein Interview mit Murray, das so aussah, als reagiere er auf die Vorwürfe seiner ehemaligen Trainerin. Manchmal, so sagte er darin, sei es ihm selbst unangenehm, wenn er sich nach einem Spiel in einer Aufzeichnung sehe. Aber man müsse einfach verstehen, was Spieler während eines Matches zu verkraften hätten. Wie sich herausstellte, war das Interview aber vor der Veröffentlichung des Mauresmo-Gesprächs geführt worden, die Reihenfolge stimmte also nicht, und es war keineswegs so, dass Murray damit indirekt zugab, Mauresmo habe sich wegen seines Gebrülls von ihm getrennt. Nach dem Sieg gegen Stepanek sagte er, es stimme einfach nicht, dass atmosphärische Störungen der Grund für die Trennung gewesen sei. „Wir haben nach wie vor eine gute Beziehung, und ich denke nicht, dass es fair ist, was anderes zu behaupten.“

          Zurück zu den Prognosen

          Danach legte sich der Sturm. Es gab noch eine, in diesem Kontext etwas merkwürdig anmutende Szene, als Murray nach seinem Sieg gegen Bourgue im Studio des französischen Fernsehens saß und Mauresmo über Kopfhörer zugeschaltet wurde. Er selbst fand an der Konstellation allerdings nichts Ungewöhnliches. „Das war so, als habe sie mit einem Freund über Tennis geredet“, sagte er hinterher, und der Rest hatte dann wieder mehr mit ganz normalen Diskussionen über Vorhand, Aufschlag, Motivation und taktische Pläne zu tun.

          Murrays setzte seine Hoffnung, die nächste Aufgabe schneller und überzeugender zu erledigen als die beiden Spiele zu Beginn, mit einem unaufgeregten Sieg in drei Sätzen gegen den Kroaten Ivo Karlovic um. Und gegen John Isner aus den Vereinigten Staaten, der an diesem Sonntag (14.30 Uhr) im Achtelfinale mit mächtigen Aufschlägen dort weitermachen wird, wo Karlovic aufgehört hatte, ist der Schotte auch klarer Favorit. Gewinnt er auch dieses Spiel, dann wird es vielleicht so sein, als habe es das Durcheinander der ersten Woche nicht gegeben. Zurück in die Normalität und zurück zu den Prognosen, wonach es um seine Chancen auf das erste Finale in Paris nicht allzu schlecht steht.

          Weitere Themen

          „Ihr seid alle korrupt“

          Aufregung bei Nadal-Sieg : „Ihr seid alle korrupt“

          Während des Spiels geht es Rafael Nadal schlechter und schlechter, sein Gegner Denis Shapovalov kritisiert den Schiedsrichter mit deutlichen Worten. Nadal gewinnt, und Shapovalov erneuert seine Kritik.

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

          Ukraine-Krise : Erdoğan warnt Russland

          Die Türkei fürchtet, dass das Schwarze Meer ein „russisches Meer“ werden könnte und unterstützt daher die Ukraine. Dennoch bietet Erdoğan an, zu vermitteln.