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Deutscher Tennis-Star : Alexander der Große

  • -Aktualisiert am

Ein selbstbewusster Typ: Alexander Zverev Bild: AFP

Welch ein Aufstieg in die Tennis-Beletage! Alexander Zverev hat keine Angst – aber sehr viel Talent. Bei den French Open zählt der Deutsche zu den Mitfavoriten: mit gerade einmal 20 Jahren.

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          Lässig schlurfte er durch die Players Lounge; lächelnd, gut gelaunt. Auf den ersten Blick schien er es nicht eilig zu haben, obwohl er auf dem Weg zu einem Sponsorentermin war. Die Begegnung zwischen Tür und Angel reichte, um kurz über den Sonntag vor einer Woche zu reden. Darüber, wie cool und entschlossen er ab dem ersten Moment des Finales in Rom gewirkt hatte. So, als sei es das Normalste der Welt, bei einem Turnier dieser Größenordnung gegen einen Mann wie Novak Djokovic um den Titel zu spielen.

          Aus der Entfernung hatte es so ausgesehen, als sei er kein bisschen nervös gewesen, im Gegensatz zum Gegner. Täuschte der Eindruck? „Nein“, sagt Alexander Zverev, „ich war nicht nervös. In so einem Finale willst du einfach nur gut spielen, obwohl das natürlich leichter gesagt als getan ist.“ In aller Selbstverständlichkeit schnappte er sich den Titel, und dass er damit auf Platz zehn der Weltrangliste gelandet ist, haut ihn auch nicht um. Denn das alles gehört zum Plan, irgendwann die ganz großen Turniere zu gewinnen.

          Irgendwann? Vor einem Jahr war er als Nummer 41 der Welt nach Paris gekommen, begleitet vom Attribut, der beste Teenager des Männertennis zu sein. Diesmal spielt er in einer anderen Liga. Als Djokovic vor Beginn der French Open gebeten wurde, ein wenig über die Form von Rafael Nadal, Andy Murray und den anderen Aspiranten zu reden, kommentierte er zuerst die Lage der beiden Genannten (der eine Favorit, der andere zuletzt instabil und ein gutes Stück von der Bestform entfernt), erwähnte dann kurz Stan Wawrinka, gegen den er das Finale der US Open im vergangenen Jahr und das Finale in Paris vor zwei Jahren verloren hatte. Und zum Schluss sagte er: „Dominic Thiem ist natürlich stark in Form, ebenso wie Zverev, und die können es definitiv weit bringen bei diesem Turnier.“ Innerhalb eines Jahres, vielleicht sogar innerhalb weniger Wochen, hat der beste deutsche Tennisspieler seit ziemlich langer Zeit einen großen Schritt vom talentierten Kandidaten zum Herausforderer gemacht.

          Erstklassige Koordinaten, bemerkenswerter Antritt, bei fast zwei Metern Körperlänge

          Im normalen Leben fallen große Schritte leichter, wenn man wie Zverev fast zwei Meter lang ist. Tennisspieler dieser Größe tun sich gewöhnlich nicht so leicht mit der Beinarbeit. Aber seine Koordination ist erstklassig, und sein Antritt ist bemerkenswert, was eine Menge mit den Trainingseinheiten im Winter in Florida zu tun hat. Zverevs britischer Fitness-Coach, Jez Green, der einst aus dem schmalen Andy Murray einen Athleten machte, legt nach dem Ende einer Saison bei jungen Spielern größten Wert auf vier bis fünf Wochen Aufbautraining ganz ohne Tennis. So viel Zeit habe man nur bei jungen Leuten, sagt er, wenn sie älter und besser wären, gehe das nicht mehr.

          Er lag offensichtlich ziemlich richtig, als er Anfang des Jahres prophezeite: „2017 werden wir die Gelegenheit wahrscheinlich nicht mehr haben, eben weil er sich so schnell verbessert.“ Nach dem aktuellen Stand der Dinge hat Zverev gute Aussichten, sich für das ATP Tour Finale der besten acht Mitte November in London zu qualifizieren; in diesem Fall würde seine Saison vier Wochen länger dauern als im vergangenen Jahr.

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          Aus der Entfernung sieht man seinen Beinen die vielen Stunden der Arbeit mit Gewichten, am Versaclimber und auf der Tartanbahn bei grausamen 400-m-Läufen nicht an, aus der Nähe dagegen sehr wohl. Im März veröffentlichte er auf Instagram ein Foto, das ihn auf dem Boden sitzend lässig an eine Wand gelehnt zusammen mit Familienpudel Lövik zeigt, und vor Löviks Nase baut sich eindrucksvoll die Muskulatur von Herrchens Quadrizeps auf. Im Gegensatz zu vielen Spielern, die der Schufterei in der Vorbereitungszeit nicht viel abgewinnen können, macht Zverev daraus eine besondere Zeit des Wettbewerbs mit seinem Bruder Mischa – und beide profitieren davon.

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