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French Open : Andy Roddick besiegt Michael Chang im Duell der Generationen

  • Aktualisiert am

Mitreißender Erfolg: Andy Roddick Bild: dpa

In einem Duell der Generationen hat der erst 18 Jahre alte Amerikaner in einem Match voller Spannung und Schmerzen den Altmeister besiegt und dabei Erinnerungen an dessen größtes Spiel geweckt.

          Andy Roddick konnte kaum noch stehen, geschweige denn laufen. Nach jedem Aufschlag knickte der 18 Jahre alte Amerikaner ein, Krämpfe schüttelten seinen Körper. Während der Seitenwechsel blieb er einfach stehen und dehnte die geplagte Muskulatur. Dann ging er wieder auf den Platz und hämmerte Michael Chang ein paar Asse ins Feld. Die Niederlage schien nur noch eine Frage der Zeit, doch irgendwie schaffte Roddick das Unmögliche. Nach drei Stunden und 50 Minuten wuchtete der Paris-Neuling seine letzte Rückhand übers Netz, Chang lief vergebens: 5:7, 6:3, 6:4, 6:7, 7:5 - Andy Roddick schlug die Hände vors Gesicht, Tränen rannen über seine Wangen, erschöpft stützte er sich auf seinen Schläger. Dann zerriss er sein weißes Hemd in zwei Teile und schmiss seine weiße Kappe ins Publikum.

          Dafür spiele ich Tennis“

          „Ich war so erleichtert. Diese Momente kann man nicht erklären. Ich hätte heulen können. Gleichzeitig wollte ich schreien und brüllen. Dafür spiele ich Tennis“, sagte Roddick. Aufgeben sei nicht in Frage gekommen. „Man spielt nicht dreieinhalb Stunden, um sich dann hinzulegen und zu sterben.“ Vor zwölf Jahren hatte Chang auf dem Weg zum Titel in dem legendären Achtelfinale Lendl bezwungen, obwohl ihn im fünften Satz Krämpfe plagten. Diesmal wankte Roddick im mit Abstand längsten Match seiner Karriere. Doch seine Aufschläge kamen weiter. 37 Asse und insgesamt 69 seiner 181 Punkte resultierten direkt aus dem oft über 200 Stundenkilometer schnellen Service. „Diese Bomben kamen selbst im fünften Satz noch“, sagte der meist machtlose Gegner. Chang, mittlerweile 29 Jahre alt, zeigte sich als großer Verlierer. Er empfahl Roddick noch während der Gratulation die Einnahme von Mineralien und wünschte Glück.

          Erdrückende Vergleiche

          Für Roddick ist es nach dem Erstrunden-Aus bei den US Open 2000 erst der zweite Auftritt bei einem Grand-Slam-Turnier. Seit den ersten Turniersiegen in Atlanta und Houston vor einigen Wochen werden schon Vergleiche mit Agassi, Pete Sampras und dem zweimaligen Paris-Sieger Jim Courier gezogen. Das findet der unruhige, junge Mann aus Omaha im Bundesstaat Nebraska „nicht schlau, weil sie zur größten Gruppe von Jungs gehören, die je in einer Generation gemeinsam gespielt haben“. Auch Agassi warnte: „Die Medien sind dabei, den Boden für eine enorme Desillusion zu bereiten. Er kann nichts dafür, aber ihm wird dauernd gesagt, dass er in unsere Fußstapfen treten soll.“ Schon am Freitag wartet beim Drittrundenduell der Nachwuchsstars mit dem 20-jährigen Australier Lleyton Hewitt wieder eine schwere Aufgabe. „Er hat mir in Miami ganz schön den Hintern versohlt“, sagte Roddick. Ende März hatte er dort Sampras bezwungen, aber gegen Hewitt glatt verloren.

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