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Freestyle-Snowboarder : Angriff Weltmeisterschaft

Die Freestyle-Snowboarder küren wieder ihre eigenen Weltmeister Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Zum ersten Mal seit über zehn Jahren veranstalten die Snowboarder wieder ihre eigenen Weltmeisterschaften. Der Wettkampf in Oslo ist vor allem auch ein Angriff auf den Internationalen Skiverband.

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          Die kommende Woche wird in die Geschichte des Freestyle-Snowboardens eingehen. Erstmals seit 1999 findet eine Weltmeisterschaft statt, die nicht vom Internationalen Ski-Verband (Fis), sondern von den Snowboardern selbst organisiert wird. Die Organisation „Ticket to Ride World Snowboard Tour“ (TTR), die die größte Freestyle-Snowboard-Tour der Welt koordiniert, kürt in Zusammenarbeit mit dem Weltverband der Snowboarder, der „World Snowboard Federation“ (WSF), in Oslo erstmals Weltmeister in den olympischen Disziplinen „Halfpipe“ und „Slopestyle“.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Für Reto Lamm, den TTR-Präsidenten, ist die Veranstaltung eine Konsequenz der Entwicklung der vergangenen Jahre. „Unsere Tour ist immer größer und beliebter geworden. Da ist es logisch, dass wir eine Weltmeisterschaft organisieren.“ 2002 hat der Einundvierzigjährige die TTR mit Snowboard-Legende Terje Haakonsen und anderen Snowboardern gegründet. „Unser Ziel war es, die besten Veranstaltungen in einer Tour zu vereinigen.“ Nötig wurde das, weil die „International Snowboard Federation“ (ISF), die zwischen 1993 und 1999 auch Weltmeisterschaften organisierte, 2002 Konkurs anmelden musste.

          „Wir haben keine WM im Februar“

          In Oslo messen sich seit diesem Freitag die besten Snowboarder der Welt, sie werden sich über riesige Schanzen stürzen und aus der Halfpipe katapultieren. Es wird eine große Show, aber diese WM wird noch etwas ganz anderes. Keiner will es sagen, aber die Veranstaltung in Oslo ist vor allem auch ein Angriff auf den Internationalen Ski-Verband, mit dem die Snowboarder seit Jahren im Clinch liegen. Die Fis kürt seit 1996 bereits Snowboard-Weltmeister. Was die TTR um Präsident Lamm an den Fis-Weltmeisterschaften stört? „Hauptsächlich, dass sie von einem Skiverband organisiert werden“, sagt Lamm. Viele Fahrer in der Weltspitze sehen das ähnlich, nur wenige tauchen bei der Fis-WM auf.

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          Die 47 Jahre alte Sahra Lewis ist Generalsekretärin der Fis, in den achtziger Jahren fuhr sie für die britische Alpin-Ski-Nationalmannschaft. Will man mit ihr über die Snowboard-Weltmeisterschaft im Februar reden, reagiert sie irritiert: „WM? Wir haben keine WM im Februar.“ Nach näherer Erklärung möchte sie die Veranstaltung der TTR nicht kommentieren, abgesprochen sei das mit der Fis nicht gewesen: „Das ist nicht unsere WM. Es geht ja auch nur um zwei Disziplinen.“ Gerade diese zwei Disziplinen bieten allerdings sehr viel Zündstoff.

          Schon lange mit der Disziplin „beschäftigt“

          Halfpipe ist schon seit 1998 olympisch, Slopestyle wird es zum ersten Mal in Sotschi 2014 sein. Wie schon vor den Spielen in Nagano 1998 hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) der Fis den Auftrag erteilt, ein Qualifikationssystem auszuarbeiten. Die Snowboarder wollten es diesmal anders machen als 1998. Damals wurden die Fis-Wettbewerbe von einigen Snowboardern, allen voran dem norwegischen Superstar Terje Haakonsen, boykottiert und Gegenveranstaltungen organisiert.

          Kjersti Buaas und Terje Haakonsen: „Snowboarden sollte von Snowboardern organisiert werden“
          Kjersti Buaas und Terje Haakonsen: „Snowboarden sollte von Snowboardern organisiert werden“ : Bild: Eleinora Raggi

          Diesmal ging die TTR auf die Fis zu und unterbreitete einen Vorschlag: Die Fis organisiert die Hälfte der Qualifikationswettbewerbe, die TTR die andere Hälfte. Vielen in der Snowboard-Szene ging das zu weit. Reto Lamm musste sich mit einer wütenden internen Opposition auseinandersetzen, vom „Handschlag mit dem Teufel“ war die Rede. Die Fis lehnte den Vorschlag im Oktober 2011 ab.

          Fragt man Reto Lamm, warum die Fis mit der TTR zusammenarbeiten sollte, antwortet der Schweizer: „Die Disziplin Slopestyle wurde von der TTR entwickelt. Jetzt kommt Slopestyle zu Olympia und wir dürfen nicht die Qualifikation ausrichten. Die Fis greift die Disziplin von uns ab.“ Tatsächlich richtete die Fis 2011 zum ersten Mal einen Slopestyle-Weltcup und eine Slopestyle-Weltmeisterschaft aus. Gerade noch rechtzeitig, um als Organisator der Olympia-Qualifikation überhaupt in Frage zu kommen. Sahra Lewis beteuert allerdings, man habe sich bei der Fis schon lange mit der Disziplin „beschäftigt“.

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