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WM-Kommentar : Der größte Tag des Frauenfußballs

  • -Aktualisiert am

Mit einer imposanten Choreografie wurden die Spielerinnen begrüßt Bild: dpa

Der Auftakt der Frauen-WM fand sein ganz eigenes Gepräge und Tempo. Der Zusatzgewinn des großen Tages kam von dort, wo man ihn am wenigsten erwartet hatte: von den Fans. In Berlin wuchs zusammen, was im Fußball bisher nicht zusammen gehört hat.

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          Es war nicht weniger als der größte Tag, den der Frauenfußball in Deutschland mit der Eröffnung der Weltmeisterschaft im Berliner Olympiastadion erlebt hat. Am Ende stand sportlich ein 2:1-Sieg der deutschen Elf gegen Kanada, dazu kam ein bei der WM-Vergabe vor vier Jahren noch kaum zu erwartender Zuschauer-Europarekord und eine Eröffnungsfeier in elf Minuten - ohne Joseph Blatter.

          Den umstrittenen Präsidenten des Internationalen Fußballverbandes auf der großen Bühne im Abseits zu erleben, damit hatte wohl niemand gerechnet. Der Auftakt der Frauen-WM hatte damit gleich auf vielfältige Weise sein ganz eigenes Gepräge und Tempo gefunden. Der Zusatzgewinn des großen Tages aber kam in Berlin von dort, wo man ihn vielleicht am wenigsten erwartet hatte: von den Fans.

          Die Festwochen, die sich der Frauenfußball bis zu seinem Finale am 17. Juli in Frankfurt wünscht, haben in der Hauptstadt, aber auch in der Sinsheimer Provinz mit einem nahezu ausverkauften Spiel zwischen Nigeria und Frankreich in sonniger Stimmung einen in jeder Beziehung vielversprechenden Anfang genommen. Weit besser nämlich als die deutsche Mannschaft hat im Olympiastadion das Publikum in die WM gefunden. Die 73 680 Zuschauer fanden, als es darauf ankam, einen emotionalen Zugang zu der deutschen Mannschaft wie noch nie.

          Fast 74.000 Zuschauer. Berlin bot ein perfektes Ambiente für das Eröffnungsspiel

          Das war Fußballstimmung, die man nicht kaufen kann

          Und die Fanmeilen zogen am Sonntag quer durch das Frauenfußball-Land auch ihr Publikum an, das Public Viewing in Schwarz-Rot-Gold dürfte in den kommenden Wochen zu einer Wachstumsregion werden. Die deutsche Frauenfußball-Hauptstadt Frankfurt startete schon am Samstag mit dem Multimedia-Spektakel „Ballzauber“ in die WM und zog mehr als 100.000 Besucher an. Noch bevor der erste Ball rollte, war damit die erste Massenbewegung im deutschen Frauenfußball in Gang gesetzt.

          Den größten emotionalen Gewinn aber holte sich die Aufsteiger-Sportart des letzten Jahrzehnts im Olympiastadion ab. Als die deutsche Mannschaft zum Schluss in Bedrängnis und ins Zittern geriet, wurde aus einem Publikum, für das zunächst nur das olympische Motto zu zählen schien - dabei sein ist alles -, ein leidenschaftlicher Rückhalt, der aus sich heraus ging und mithalf, den Auftakterfolg über die Zeit zu retten.

          Das war Fußballstimmung, die man nicht kaufen kann. Das Premierenpublikum war bunt, Männer kamen im Bajramaj-Shirt, Frauen trugen das Lahm-Trikot vom vergangenen Sommer auf. In Berlin wuchs an diesem Abend auf den Rängen zusammen, was im Fußball bisher nicht zusammen gehört hat.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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