https://www.faz.net/-gtl-9om0u

1:0 gegen Schweden : Niederlande ziehen ins WM-Finale ein

Die niederländischen Fußballerinnen Danielle van de Donk, Jackie Groenen und Dominique Bloodworth gehen nach dem Treffer zum 1:0 über den Platz. Bild: dpa

120 Minuten brauchen die Niederländerinnen, um gegen Deutschland-Bezwinger Schweden den Final-Einzug perfekt zu machen. Doch im Endspiel könnte sich der Kraftakt rächen. Der Schlusspfiff wird überschattet von einer Verletzung.

          Im Finale der Fußball-WM der Frauen in Frankreich kommt es zum Duell zwischen dem Weltmeister und dem Europameister. Die Niederlande stehen bei ihrer zweiten WM-Teilnahme  durch einen 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen Schweden erstmals im Endspiel. Das Tor erzielte die in den vergangenen Jahren in der Bundesliga für den FFC Frankfurt spielende Jackie Groenen (99. Minute). Das Halbfinale konnte nicht mit dem Niveau des Duells zwischen den Vereinigten Staaten und England vom Vortag mithalten. Da die Verlängerung eine zusätzliche Belastung darstellt, ist fraglich, wie die Niederlande am Sonntag (17 Uhr) gegen die Vereinigten Staaten eine Chance haben sollen. „Die Amerikanerinnen sind extrem stark. Aber in einem Spiel ist alles möglich“, sagte die Siegtorschützin, die die Bundesliga nach vier Jahren in Frankfurt verlassen und im kommenden Jahr in England bei Erstligaaufsteiger Manchester United spielen wird.

          Frauenfussball-WM 2019

          Die niederländische Trainerin Sarina Wiegman überraschte mit ihrer Aufstellung. Erstmals seit Beginn der niederländischen Erfolgsserie von vor dem Halbfinale elf gewonnenen Turnierspielen nacheinander veränderte sie die Aufstellung es Europameisters in der Offensive: Shanice van de Sanden musste ausgerechnet im Stadion ihres Klubs Olympique Lyon Lineth Beerenstyn den Vortritt lassen. Zuvor hatte Wiegman seit dem Beginn der von den Niederlanden gewonnenen EM 2017 niemals eine andere Position gewechselt als in der Innenverteidigung.

          Schweden hatte die erste Chance. Elin Rubensson spielte Stina Blackstenius frei, die aber an der niederländischen Schlussfrau Sari van Veenendaal scheiterte (13.). Es dauerte bis zur 38. Minute, bis Schweden nach einem Eckball durch Hurtig die nächste Chance hatte. Van Veenendaal verhinderte mit dem linken Fuß den Rückstand.

          Zur Pause musste die ehemalige Weltfußballerin Lieke Martens dann bei den Niederlanden ihren Platz räumen. Die beste Spielerin in „Oranje“ quält sich seit der Vorrunde mit einer neu aufgebrochenen Zehenverletzung durchs Turnier, nachdem ihr beim Torjubel beim 2:1-Sieg gegen Japan eine Mitspielerin auf den Zeh getreten war.

          Wie schon im ersten Abschnitt hatte Schweden die niederländische Offensive weitgehend unter Kontrolle, bei 16:2 Fouls nach einer Stunde Spielzeit auch durch immer wieder mal kleine Nickligkeiten. Die in den vergangenen sechs Jahren für den VfL Wolfsburg spielende Nilla Fischer prüfte zudem die niederländische Schlussfrau van Veenendaal, die den Ball nach einem Flachschuss mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenkte. „Bei Jackie Groenen geht der Ball knapp rein, bei mir geht er an den Pfosten. Das ist Fußball“, sagte die 34 Jahre alte Fischer. Ihr Schuss ähnelte dem Siegtor tatsächlich extrem.

          Auf der Gegenseite waren es dann die Fingerspitzen von Hedvig Lindahl, die einen niederländischen Torerfolg verhinderten. Sie lenkte einen Kopfball von Vivianne Miedema an die Latte ihres Tores. In der Nachspielzeit musste sie abermals ihr  Können beweisen, als sie den Ball nach einem Schuss der zwischenzeitlich eingewechselten van de Sanden zu Ecke abwehrte. In der Verlängerung hinterließen die Niederlande den frischeren Eindruck. Der Siegtreffer durch Jackie Groenen durch einen Flachschuss aus 19 Metern fiel deshalb verdient.

          Der Schlusspfiff verzögerte sich durch eine Verletzung der Schwedin Kosovare Asllani, die, vom Ball am Kopf getroffen, zusammensackte. Sie fasste sich dabei an den Nacken. Anschließend musste sie minutenlang auf dem Rasen behandelt werden, ehe sie mit einer Fixierung des Halses auf einer Trage vom Platz gebracht wurde. Ein Pressesprecher des schwedischen Fußballverbandes gab später bekannt, dass Asllani gemeinsam mit dem Mannschaftsarzt zu Untersuchungen in Krankenhaus gefahren wurde.

          Ersten Untersuchungen zufolge hat sie keine schwere Verletzung erlitten. „Im Krankenhaus wurden ein CT und MRT gemacht. Die vorläufige Diagnose lautet, dass es keine Anzeichen einer ernsthaften Verletzung gibt“, sagte Team-Pressesprecher Fredrik Madestam der Nachrichtenagentur AFP. Kosovare Asllani hat demnach das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.

          Frauenfussball-WM 2019

          Weitere Themen

          Fehlstart für Bremen nach wildem Spiel

          2:3 bei Hoffenheim : Fehlstart für Bremen nach wildem Spiel

          Zweites Spiel, zweite Niederlage: Werder erlebt keinen guten Auftakt in die neue Saison. Bei Hoffenheim unterliegen den Bremer in Unterzahl in einer turbulenten Partie. Auch die neue Handspiel-Regelung sorgt für Verdruss.

          Rose gewinnt das Bruderduell

          Gladbacher 3:1 in Mainz : Rose gewinnt das Bruderduell

          Ausgerechnet an alter Wirkungsstätte und gegen seinen Freund Sandro Schwarz gelingt Marco Rose sein erster Sieg als Bundesliga-Trainer. Dabei ist Gladbach nicht besser als Mainz.

          Topmeldungen

          Brände im Regenwald : Das ökologische Endspiel am Amazonas

          Der Amazonas-Regenwald produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Die andauernden Waldbrände und der Raubbau an ihm sind nicht nur eine ökologische Katastrophe – sondern auch eine humanitäre.

          Annäherung an Russland : Macrons Moskau-Wende

          Vor zwei Jahren war der Franzose noch als unerschrockener Kritiker russischen Hegemoniestrebens angetreten. Nun plädiert er für die Einbindung des Landes und warnt: ohne Russland keine europäische Souveränität.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.