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WM-Viertelfinale in Frankreich : Wie sich im Frauenfußball die Kräfte verschieben

Die Europäer haben bei der Frauen-WM den Hut auf – wie hier die Engländerin Jill Scott. Bild: dpa

7:1 endete das WM-Achtelfinale der Frauen: In allen acht Duellen spielte ein europäisches Team gegen eines von einem anderen Kontinent. Nur die Amerikanerinnen kamen weiter. Und die Dominanz könnte noch zunehmen.

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          7:1 – da war doch mal was? So endete 2014 das WM-Halbfinale zwischen dem späteren Weltmeister Deutschland und Brasilien. Das Ergebnis war eine Demütigung für das Land des schönen Fußballs, aber auch eine Mahnung, dass die Seleção von Deutschland und Europa zu lernen hat, wenn sie mithalten will in der Weltspitze, so schwer das ist angesichts der riesigen Geldmengen, die im europäischen Fußball dank der ertragreichen Wettbewerbe eben auch für die Talententwicklung vorhanden sind.

          Frauenfussball-WM 2019
          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          7:1 endete nun auch das WM-Achtelfinale der Frauen: In allen acht Begegnungen spielte ein europäisches Team gegen eines von einem anderen Kontinent. Nur die Titelverteidigerinnen aus den Vereinigten Staaten behaupteten sich gegen Spanien, die anderen sieben Partien wurden von Deutschland gegen Nigeria, Frankreich gegen Brasilien, Norwegen gegen Australien, England gegen Kamerun, Italien gegen China und Schweden gegen Kanada gewonnen. Standesgemäß waren die Europameisterinnen aus den Niederlanden, die fast unverändert auf ihre siegreiche Stammelf von 2017 bauen, für das Endergebnis in diesem Gesamtvergleich verantwortlich, als sie am Dienstagabend – allerdings sehr glücklich dank eines späten Elfmeters gegen stärkere, flexibler agierende Japanerinnen – 2:1 gewonnen haben.

          Die niederländische Nationaltrainerin Sarina Wiegmann lieferte anschließend den entscheidenden Grund für die Übermacht der europäischen Teams, wie sie es im Fußball der Frauen bislang nie gegeben hatte: „In den vergangenen Jahren haben sich einige europäische Länder sehr schnell entwickelt, weil sich die nationalen Wettbewerbe deutlich verbessert haben. Es haben nun viel mehr Spielerinnen die Möglichkeit, unter Profibedingungen ihren Sport zu betreiben“, sagte Sarina Wiegmann. Die Dominanz ist tatsächlich neu.

          Die Vielfalt der Erdteile war seit der ersten WM 1991 stets größer als bei den Männern, wo unter den letzten acht Teams meist nur noch Südamerika und Europa mitspielen. In den Viertelfinals aller Weltmeisterschaften der Frauen waren hingegen bislang stets mindestens drei, oft gar fünf Kontinente vertreten. Zu diesen Zeiten waren aber in Europa auch nur die skandinavischen Nationen, Deutschland und mit Abstrichen Frankreich und England motiviert, den Frauenfußball zu fördern. Nun sind andere klassische Fußballnationen wie Spanien, Italien und die Niederlande dazugekommen und haben es in wenigen Jahren unter die besten acht einer WM geschafft.

          Der Rest der Welt muss es nun fast als Drohung verstehen, wenn der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), Aleksander Čeferin, ankündigt, dass die Uefa jetzt erst richtig in den Frauenfußball investieren und die Zahl der fußballspielenden Frauen und Mädchen in den kommenden Jahren verdoppeln wolle. An diesem Donnerstag beginnt das WM-Viertelfinale mit einem europäischen Duell zwischen Norwegen und England (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, im ZDF und bei DAZN)

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