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Viertelfinalgegner Japan : Zumindest die Zuversicht ist grenzenlos

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Immer auf der Höhe: Die Japanerin Yuki Nagasato will mit ihrem Team die Größenvorteile der deutschen Frauen flott unterlaufen Bild:

Japan hat noch nie bei einer WM gegen ein europäisches Team gewonnen. Die bei Turbine Potsdam spielende Stürmerin Yuki Nagasato findet trotzdem Gründe, optimistisch ins Viertelfinale gegen Deutschland (20.45 Uhr) zu gehen.

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          Sie hat auch nach der ersten japanischen Niederlage bei dieser Frauenfußball-WM ihr Lachen nicht verloren. Yuki Nagasato ist von Natur aus fröhlich, optimistisch und angriffslustig. Ihre Frische, ihren Mut und ihr Draufgängertum braucht sie für ihren Job. Deswegen gilt bange machen nicht für die beste Stürmerin der „Nadeshiko“ („Prachtnelke“), wie Nippons beste Frauenmannschaft genannt wird. Und schon gar nicht fürchtet sich die in den Augen ihres Vereinstrainers Bernd Schröder „beste Spielerin“ des deutschen Meisters Turbine Potsdam vor dem Wiedersehen mit lauter alten Bekannten, also vor dem Duell mit Weltmeister Deutschland an diesem Samstagabend im WM-Viertelfinale in Wolfsburg. „Ich weiß alles von den deutschen Spielerinnen“, sagt die 23 Jahre alte Anführerin der fernöstlichen Abteilung Attacke, „das macht es leicht. Ich habe keine Angst vor Deutschland.“

          Ob das aber am Ende reicht oder ob Japans Fußballfrauen schließlich doch einen Schreck bekommen, wenn sie sich etwa der 1,79 Meter langen Kopfballspezialistin Kerstin Garefrekes gegenübersehen, die zwei der sieben deutschen Vorrundentreffer erzielte? Die deutschen Längenvorteile wollen die im Durchschnitt nur 1,64 Meter langen Spielerinnen von Cheftrainer Norio Sasaki flott unterlaufen. „Es ist kein Problem, dass wir körperlich schwächer sind. Mir ist das sowieso egal“, hebt Yuki Nagasato hervor, die mit ihren 1,68 Metern zu den längsten Japanerinnen gehört, im deutschen Aufgebot aber die Zweitkleinste wäre.

          Lachen über die Herkulesaufgabe

          Der notorisch gut gelaunten Stürmerin schien auch die überraschende 0:2-Niederlage gegen England im letzten Spiel der Gruppe B nicht aufs Gemüt geschlagen zu sein. Dass Japan damit noch Platz eins hergab und als Zweiter nun gegen den Titelverteidiger und Gewinner der Gruppe A antreten muss, stört Yuki Nagasato nicht. Sie lacht lieber über die Last der Herkulesaufgabe hinweg und formuliert ihr Glaubensbekenntnis: „Wir sind momentan besser als die Deutschen und wollen Weltmeister werden.“

          Mit ihrer grenzenlosen Zuversicht ist Yuki Nagasato nicht allein auf weiter Flur in einem Ensemble, das gemeinsam von einer großen Zukunft des japanischen Frauenfußballs überzeugt ist. Rückschläge wie das 0:2 gegen England, hervorgerufen durch die physische Dominanz und die kämpferische Wucht der um jeden Ball fightenden Spielerinnen aus dem Vereinigten Königreich, können Japans Fortschrittsglauben nichts anhaben. „Fußball“, sagt die seit Januar 2010 in Potsdam heimische Angreiferin mit der Rückennummer 17, „ist nicht nur physische Kraft“.

          Weil Japan als eines der spieltechnisch besten Teams dieses Turniers eingeschätzt wird, setzt Sasaki auf die rasche Lernfähigkeit seiner Spielerinnen und die überzeugende Rückkehr zu den ureigenen Fußballtugenden: schnelles Kurzpass- und Kombinationsspiel, zielstrebige Dribblings, Torgefahr bei Eckbällen und Freistößen, dank Aya Miyama, der Meisterin im Umgang mit dem ruhenden Ball, und nimmermüden Widerstandsgeist. Gegen Deutschland allerdings waren die Japanerinnen auch an ihren allerbesten Tagen bisher chancenlos: Sieben der acht Begegnungen verlor Japan, einmal reichte es zu einem 0:0. Schlimmer noch: Bei Weltmeisterschaften hat die „Nadeshiko“ noch nie gegen ein europäisches Team gewonnen.

          „Gegen Deutschland möchte ich zweimal treffen“

          Das Turnier 2011 ist trotzdem schon ein großer Erfolg für Sasakis Mannschaft, da Japan nach 1995 zum zweiten Mal wenigstens die Runde der letzten Acht erreicht hat. Das indes soll noch nicht alles gewesen sein. Das kollektive Ziel der japanischen Frauenfußball-Delegation lautet: Endspielteilnahme. „Wir sind“, sagt Sasaki, „in der Lage, den nächsten Schritt zu gehen und zu bestehen“. Spätestens 2015 will der Vierte der Weltrangliste und Vierte der Olympischen Spiele 2008 in Peking die Nummer eins im Frauenfußball sein und erstmals den Titel erobern. Auch, weil eine Reihe der besten Kickerinnen des Landes ihre Qualität in der amerikanischen Profiliga oder der deutschen Bundesliga bis dahin noch steigern werden, gilt ab sofort der allerhöchste Anspruch.

          Wie ihre Landsleute in der Männer-Bundesliga müssen sich Japanerinnen in Deutschland längst nicht mehr allein auf weiter Flur vorkommen. Außer Yuki Nagasato, die schon recht passabel deutsch spricht, spielt auch ihre Sturmpartnerin Kozue Ando für einen deutschen Spitzenklub, den FCR Duisburg. Dazu kommt zur neuen Spielzeit Saki Kumagai, die Abwehrchefin der Nationalelf, die sich dem 1. FFC Frankfurt anschließt. Yuki Nagasato ist in der Bundesliga schon eine große Nummer. Die unermüdliche Vorkämpferin wurde schmerzlich vermisst im verlorenen Champions-League-Finale der Potsdamerinnen gegen Olympique Lyon.

          Eine Knieverletzung stoppte die Angreiferin, die zuvor in acht internationalen Einsätzen neun Treffer erzielt hatte. Vollkommen fit ist sie auch jetzt noch nicht, sie schätzt ihr Leistungsvermögen bei derzeit „achtzig Prozent“ als suboptimal ein. Vielleicht hat sie auch deshalb ihr persönliches Ziel, in jedem WM-Spiel mindestens ein Tor für Japan zu schießen, verfehlt. Egal. Yuki Nagasato macht sich deswegen keinen Kopf und sagt von sich und ihrer Klasse überzeugt: „Gegen Deutschland möchte ich zweimal treffen.“ Das könnte vielleicht genügen, um das erdbebenerschütterte Japan vier Monate nach der Naturkatastrophe und dem Reaktor-GAU von Fukushima mal wieder unbeschwert jubeln zu lassen.

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