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Frauenfußballstar Vero Boquete : „Wenn ein Auto kommt, muss man sich was einfallen lassen“

Vorkämpferin für den spanischen Frauenfußball: Vero Boquete (l.) im Duell mit der Costa Ricanerin Shirley Cruz Bild: AFP

Véro Boquete hofft mit ihrem spanischen Nationalteam auf einen Sieg über Südkorea und den Sprung ins Achtelfinale. Im Interview spricht sie über Inspiration durch den „Kleinen Prinz“ und Teilstücke des Jakobswegs.

          Veronica Boquete, genannt Vero, die in der Nacht zum Donnerstag mit ihrem spanischen Nationalteam im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea ums Erreichen des Achtelfinals kämpft, wartet für das Interview im Vorfeld der WM in einem Café in einem Frankfurter Studentenviertel. Es herrscht der übliche Trubel an einem Morgen. Keiner erkennt eine der zehn prominentesten Fußballspielerinnen  der Welt, die im vergangenen Jahr für den FFC Frankfurt gespielt und zum Gewinn  der Champions League beigetragen hat.

          Nicht einmal die Bedienung, die aus Spanien stammt, hat einen blassen Schimmer, dass sie die bekannteste  Fußballerin aus ihrer Heimat bedient, die in der Fußballszene so begehrt ist, dass sich der deutsche Meister Bayern München – angeblich mit einem neuen Rekordgehalt für die Frauenfußball-Bundesliga – ihre Dienste für die kommenden zwei Jahre gesichert hat, um mit Hilfe der dribbelstarken und kreativen Offensivspielerin in Europas Spitze vorstoßen zu können.

          Werden Sie in Ihrer Heimat erkannt?

          Nein. Mich erkennt selbst in Spanien auf der Straße kaum  jemand. Nur diejenigen, die sich intensiv mit Frauenfußball beschäftigen. Daran  erkennt man den Unterschied zu Deutschland. Als ich hier in Frankfurt kürzlich  mit Nadine Angerer durch die Stadt lief, wurde sie dauernd um Autogramme  gebeten. Fast jeder kennt hier in Deutschland die besten Spielerinnen des  Landes.

          Zeigt das, wie weit der Weg für ein Entwicklungsland wie Spanien noch ist?

          Ja. Wir sind noch viele Jahre hintendran in der Entwicklung. Aber wir dürfen nun immerhin davon träumen, dass wir mal auf dem selben Planeten wie die  Deutschen spielen dürfen.

          Der Planet erlaubt eine schöne Überleitung: Ihr Lieblingsbuch ist der „Kleine  Prinz“, sie selbst lassen sich in einer Biographie als „Kleine Prinzessin des  königlichen Spiels“ bezeichnen. Fühlen Sie sich wie der Held in Antoine de  Saint-Exupérys Geschichte?

          Meine Mutter hat mir das Buch als Kind geschenkt. Ich habe es immer  sehr inspirierend gefunden und es hat mein Leben als Fußballerin begleitet. Als  ich in jungen Jahren nach Amerika ging, um dort in einem Zweitligateam um meine  Chance zu kämpfen, habe ich mit einer englischen Ausgabe und daneben liegend  der spanischen die Sprache gelernt. Meine Mitspielerinnen haben mich dann  deswegen „Kleine Prinzessin“ getauft. Und ich merkte, dass das ganz gut passte.

          Weil der „Kleine Prinz“ von großen Dingen träumt, aber sich auch fremd fühlt so  fern seines Heimatplaneten?

          Absolut. Das ist ein bisschen so. Ich musste mein Land verlassen. Zu  Hause in Spanien gab es für mich keinen Platz, der mir ein Leben für den Fußball ermöglicht hätte. Ich habe mir davon aber nie das Träumen verbieten  lassen. Dabei hat mir der „Kleine Prinz“ Inspiration geliefert. Das Buch birgt manche Sätze, die ich sehr liebe und die für mich als Fußballerin gelten.

          Sätze wie „Sag mir nicht, dass der Himmel die letzte Grenze ist, wenn es Fußspuren auf dem Mond gibt“ hängen Sie auch gerne in die Kabine vor Spielen  ihres spanischen Teams. Tragen die Träume zum Erreichen des Achtelfinals bei?

          Ich muss immer schauen, ob es gerade passt. Man kann nicht einfach Sätze rausholen und dann einen Sieg erwarten. Aber in der Vergangenheit hat es  immer mal wieder geholfen, unser Team zu fokussieren auf das Spiel. Ich plane so was aber nicht im voraus, sondern das kommt ganz spontan.

          Was könnten Sie vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Südkorea an die  Kabinentür hängen?

          Ich glaube da an das Schicksal. Mir wird schon im richtigen Moment der richtige Satz einfallen oder zufällig begegnen.

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