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DFB-Team nach Frauen-WM : „Das Feld hat uns links und rechts überholt“

Nicht nur Lina Magull hatte am deutschen WM-Aus zu knabbern. Bild: Reuters

Siegfried Dietrich ist Manager des FFC Frankfurt und Sprecher der Frauen-Bundesliga. Im Interview redet er über das frühe deutsche WM-Aus, die Reaktionen des DFB und den Vorsprung der Amerikanerinnen.

          Der deutsche Frauenfußball hat bei der WM in Frankreich einen weiteren Rückschlag erlitten. Im Interview spricht Siegfried Dietrich, Manager des FFC Frankfurt und Sprecher der Bundesliga, über Investitionen und Hoffnungen beim Anschluss seines Klubs an Eintracht Frankfurt.

          Ist die Finalwoche der Fußball-WM der Frauen in Lyon ein Schock für den deutschen Frauenfußball?

          Schock ist das falsche Wort. Aber es ist sehr schade und bitter, dass Deutschland nicht dabei war. Sicherlich hat sich gerade im Halbfinale zwischen England und den Vereinigten Staaten gezeigt, auf welchem Niveau sich die Topteams präsentieren. Zudem müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass auch Länder wie die Niederlande viel in Bewegung gesetzt haben.

          Frauenfussball-WM 2019

          In einem Abschlussfilm der Fifa taucht Deutschland nur in einer Sequenz mit dem entscheidenden schwedischen Gegentreffer und den Reporterworten „Germany is out“ auf. Ist Deutschland in Vergessenheit geraten?

          Deutschland war immerhin mit seinem jungen Team unter den letzten acht, aber andere Nationen waren erfolgreicher. Das frühe Ausscheiden ist Signal, Chance und Ansporn zugleich. Es gilt, mit gebündelten Kräften die richtigen Lehren daraus zu ziehen.

          Welche Lehren müssen das sein?

          Ich bin nicht der Oberlehrer, der in der Öffentlichkeit Ratschläge erteilt. Wir als Bundesligavereine werden intern unsere Hinweise geben.

          Der Misserfolg kommt zur Unzeit: Auch die Bundesliga kriselt, die drei niederländischen WM-Finalspielerinnen aus Bundesligaklubs gehen ins Ausland, weil die Liga nicht mehr attraktiv genug ist. Wie soll es jetzt besser werden?

          Es ist offensichtlich, dass in anderen europäischen Verbänden und Ligen viel investiert und für den Frauenfußball getan wird. Trotzdem glaube ich, dass wir im DFB und in der Bundesliga gerade in der qualitativen Breite weiterhin gute Voraussetzungen haben, uns für den neuen international wachsenden Wettbewerb zu rüsten und aufzustellen. Wir haben mit Martina Voss-Tecklenburg eine starke Bundestrainerin, die aus dem frühen WM-Aus ihre Lehren ziehen wird und schon zur EM in zwei Jahren wieder angreift. Genauso muss allen Beteiligten und Verantwortlichen bewusst werden, wenn wir das Feld, das uns zum Teil links und rechts überholt hat, wieder einholen wollen, dass wir dann in allen Bereichen Gas geben müssen. In unserer Bundesliga sehe ich eine große Bereitschaft, genau das in großer Gemeinsamkeit anzustreben.

          Wie konnte sich Deutschland überholen lassen?

          Wir haben uns nicht überholen lassen. Die Engländer haben uns überholt durch die finanzielle Power der Premier-League-Klubs der Männer. Sie haben uns als ihre Vorbilder angesehen und mal ein paar Jahre richtig ernst gemacht.

          Oliver Bierhoff als Verantwortlicher für die Nationalteams hat nach der Niederlage gegen Schweden ein vorgefertigtes Statement in Umlauf gebracht. DFB-Interimspräsident Rainer Koch ging auch etwas lapidar über das Ausscheiden hinweg. Fehlt die Ernsthaftigkeit im DFB?

          Der DFB stellt sich ja gerade insgesamt neu auf. In diesem Prozess, da bin ich mir sicher, spielt auch der Frauenfußball eine wichtige Rolle. Ich spüre die Ernsthaftigkeit, ohne die wir unsere Ziele nicht erreichen werden. Ein gutes Beispiel ist schon jetzt das Ergebnis der aktuellen zentralen Liga-Vermarktung des DFB, in der wir eine Benchmark in Europa sind.

          Sind Sie sich da sicher? Man konnte den Eindruck gewinnen, dass das parallel verlaufende EM-Turnier der U-21-Männer mehr Aufmerksamkeit gebunden hat bei den maßgeblichen Personen im DFB ...

          Ich nehme wahr, dass die Frauen-Nationalmannschaft beim DFB gleichberechtigt gesehen wird.

          Was halten Sie davon, dass das erste EM-Qualifikationsspiel nach der WM an einem Samstag um 12.30 Uhr angesetzt wird? Das klingt eher nach Kindergeburtstag als nach einer ernsthaften Sportveranstaltung.

          Ich weiß nicht, wie der Termin zustande kam. Ich gehe aber davon aus, dass das als familiengerechter Termin gedacht ist, zu dem fast konkurrenzfrei zu anderen Sportveranstaltungen und Ligaspielen viele Zuschauer kommen werden. Grundsätzlich fände ich es aber angemessen, dass Terminansetzungen am späten Nachmittag oder Abend realisiert werden.

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