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Schwedens Nilla Fischer : Die Welt ein bisschen verändern

„Ein Vorbild sein“: Nilla Fischer, von der es in der Heimat in Schweden schon Statuen gibt, weiß, was sie will. Bild: Imago

Nilla Fischer zählt zu den großen Sport-Idolen in Schweden. Dazu trägt auch ihre Haltung bei. Bei der Fußball-WM der Frauen in Frankreich kämpft sie nun um die Krönung ihrer Karriere.

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          Zu Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen war Nilla Fischer Tribünengast beim Duell zwischen Deutschland und China in Rennes. Selbstredend hielt die 34 Jahre alte Schwedin zur Auswahl ihrer zweiten Heimat: „Ich habe da viele Freundinnen im Team“, sagte Fischer. Sie winkte vor dem Spiel etwas wehmütig ihrer langjährigen Zimmergenossin Almuth Schult zu. Sechs Jahre spielte die Innenverteidigerin schließlich zuletzt für den VfL Wolfsburg, ehe sie zur neuen Saison nach Schweden zurückkehrt. Ein Wiedersehen mit Schult im Viertelfinale an diesem Samstag in Rennes (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, in der ARD und bei DAZN) wäre der passende Abschluss der deutschen Jahre. Dafür müsste Schweden, das sich nach einer abschließenden 0:2-Niederlage gegen die Vereinigten Staaten als Zweiter der Gruppe F fürs Achtelfinale qualifiziert hat,  an diesem Montag gegen Kanada (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, in der ARD und bei DAZN) gewinnen.

          Frauenfussball-WM 2019
          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jedes Spiel in der K.-o.-Runde könnte der letzte Auftritt einer der führenden weiblichen Figuren des Fußballs auf der ganz großen Bühne werden. Fischer, die bislang 178 Mal für ihr Land auf dem Platz stand, wird nach der WM kürzertreten: Sie und ihre Frau Mika haben einen kleinen Sohn, sie wollen ihn im vertrauten Umfeld aufwachsen sehen. Und es passt zu Fischer, dass sie die Rückkehr zu ihrem Stammklub Linköping mit Verweis auf ihre Familie und nicht verdruckst mit Alibi-Formulierungen kommunizierte. Fischer steht offen zu ihrer Lebensweise, in Schweden wurde sie 2014 zur „Lesbischen Frau des Jahres“ gekürt: „Ich wollte nie besonders kämpferisch sein, ich wollte eigentlich immer nur dazu stehen, dass es normal sein muss, dass Mädchen Fußball spielen – und dass es genauso normal sein muss, dass jeder leben kann, wie er will.“ Fischer erkannte aber, dass sie die Welt ein bisschen verändern kann, wenn sie als prominente Sportlerin Verantwortung übernimmt. „Wo ich jetzt schon über 30 bin, weiß ich, wer ich bin, und ich weiß, dass meine Meinung etwas zählt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob du heterosexuell oder lesbisch oder was auch immer bist. Man kann immer seine Meinung sagen, und es würde helfen, wenn möglichst viele Menschen das tun.“

          In Wolfsburg wird sie in diesem Geist ein Erbe hinterlassen. Nach einem Interview mit „L-Mag“, einem Magazin für Lesben, kam sie vor zwei Jahren auf die Idee, dass sie ihr Team wie in Schweden üblich mit einer Kapitänsbinde in den Regenbogenfarben aufs Spielfeld führen könnte. Mittlerweile tragen alle Kapitäne beim VfL, männlich wie weiblich, von der U 10 bis zu den Profis, die Binde. Der Verein, der sich Vielfalt auf die Fahnen schreibt, stand deswegen auch Konflikte aus, als beispielsweise der kroatische Spieler Josip Brekalo mit Verweis auf seine christliche Überzeugung die Ablehnung der Aktion zum Ausdruck brachte.

          In Schweden wird Fischers Haltung in der Gesellschaft wahrgenommen, vor der WM war sie Protagonistin in einem Werbespot, in dem es um die Rechte von Frauen ging. Sie hält es zudem mittlerweile aus, dass ihre offene Lebensweise negative Kommentare in sozialen Medien hervorruft. Eine andere Dimension besaß eine Aktion, die in diesen WM-Tagen passierte: An einer Fischer-Statue, die für den Zeitraum des Turniers vor dem Stadion in Linköping aufgestellt wurde, machten sich Vandalen zu schaffen. Offenkundig handelte es sich um einen gezielten Angriff auch auf Fischer und deren Eintreten für Gleichberechtigung. Bislang verzichtete sie auf ein Statement zu dem Rowdytum, während ein Sponsor eine neue Statue in Auftrag gab.

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