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Pia Sundhage : „Frauen werden den Männerfußball voranbringen“

  • Aktualisiert am

Gut genug für ein Männerteam: Trainerin Pia Sundhage Bild: dapd

Pia Sundhage ist eine der wichtigsten Figuren in der Geschichte des Frauenfußballs. Die Trainerin der amerikanischen Nationalmannschaft im Gespräch über Fortschritte, Unterschiede und Selbstverständlichkeiten.

          5 Min.

          Pia Sundhage kommt aus der Generation der Vorkämpferinnen für den Frauenfußball. Sie hat sich aber nie als Teil einer Protestbewegung empfunden. Sie wollte einfach nur spielen. Nun ist die schwedische Rekordnationalspielerin und Rekordtorschützin Trainerin der amerikanischen Nationalmannschaft. Bei der Frauenfußball-WM in Deutschland ist sie der größte Konkurrent der Gastgeberinnen. Pia Sundhage will mit dem aktuellen Olympiasieger erstmals in ihrer Trainerkarriere den Weltmeistertitel gewinnen. (siehe auch: Frauenfußball: Die Gegner machen sich Mut)

          Sie sind eine der besten Kennerinnen des Weltfußballs, da sie auf drei Kontinenten - in Schweden, in den Vereinigten Staaten und in China - trainiert haben. Was erwartet uns bei der WM?

          Die europäischen Teams und auch Brasilien profitieren noch immer davon, dass alle Spielerinnen von klein auf die Kultur des Spiels in ihren Ländern einatmen. Da gibt es also einen typischen Stil in jeder dieser Fußballnationen, der von den Männerteams geprägt wurde. Deutschland hat 1995 schon so gespielt wie heute, nur dass sie heute natürlich diesen Stil noch viel besser interpretieren. In Asien oder Amerika gibt es diese Tradition nicht, weil es keine Vorbilder bei den Männern gibt. Die großen Erfolge wie die drei Olympiasiege oder die zwei Weltmeistertitel haben sie fast ausschließlich ihrer Athletik und ihrer Einstellung zu verdanken gehabt. Jetzt, da andere Teams konditionell genauso gut sind, sind wir gezwungen, das Spiel verstehen zu lernen. Sonst verlieren wir den Anschluss.

          Ist der Frauenfußball also besser geworden?

          Alles hat sich rasant entwickelt in den vergangenen zehn Jahren. Aber ich denke, dass wir im Frauenfußball noch sehr viel am Spielverständnis arbeiten können, an der Handlungsschnelligkeit, an der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Das Spiel ohne Ball bietet auch noch Verbesserungspotential. Wir Frauen werden aus physiologischen Gründen nie so schnell sein können wie Männer. Wir können aber genauso gut oder auch besser sein in der Zahl an maximalen Sprints. Das würde unser Spiel noch schneller und besser machen.

          Wie kamen Sie selbst zum Fußball?

          In meinem kleinen Dorf gab es keine Chance auf ein Mädchenteam. Ich hatte dann das Glück, dass der Trainer eines Jungenteams mir erlaubte, bei dem mitzuspielen. Zwei Jahre lang war mein Vorname nicht Pia, sondern Penle. Das war wahrscheinlich nur möglich, weil sich schwedische Frauen schon in anderen Bereichen durchgesetzt hatten und gesellschaftlich akzeptiert waren.

          Ist guter Frauenfußball also ein Ergebnis einer erfolgreichen Frauenbewegung?

          Unsere Karrieren, egal ob von mir, Silvia Neid in Deutschland oder so vielen anderen in den restlichen Frauenfußballländern, sind geprägt vom Kampf um Anerkennung für unseren Sport. Mein erstes Länderspiel bestritt ich mit 15 Jahren gegen England. Wir spielten aber nur zweimal 35 Minuten. Wir wollten aber auch 90 Minuten haben. Es war damals nicht selbstverständlich, dass Frauen genauso ein Recht auf einen Trainingsplatz haben wie die Männer. Dann haben wir für die Weltmeisterschaft gekämpft, dann für Olympische Spiele. Dann ging es darum, dass man uns auch zutraut, dass wir Trainer werden können. Wir haben uns alles erkämpfen müssen, aber uns nie als Protestbewegung empfunden. Wir wollten nur selbst spielen dürfen. So habe ich schon als Kind gedacht: Damals mit sechs Jahren fürchtete ich allerdings, dass ich das einzige Mädchen in der Welt sei, das Fußball spielt. Dieses Gefühl begleitete mich bis in Trainerlehrgänge hinein.

          Der Frauenfußball wird mit der Erwartung verbunden, auch zu gesellschaftlichen Veränderungen beitragen zu können. Glauben Sie, dass der Fußball Frauen helfen kann?

          Wir hatten gerade Besucher aus Palästina und Pakistan in unserem Trainingslager. Sie sagten, dass es für sie unglaublich ermutigend sei, starke Frauen wie meine Spielerinnen zu sehen. Dadurch gewännen sie Selbstbewusstsein. Es hat eine Wirkung, wenn man überall in der Welt Frauen Fußball spielen sieht. Es war eben lange nicht vorgesehen, als Mädchen zu spielen. Heutzutage ist es fast in der ganzen Welt normal.

          Ist der Frauenfußball heute gleichberechtigt mit dem Männerfußball?

          Der Frauenfußball ist weitgehend eine Selbstverständlichkeit geworden. Aber er kann natürlich nicht an den Männerfußball heranreichen.

          Ist Männerfußball besser?

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