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Nordkoreas Fußballfrauen : Doping vom Moschushirschen?

Im Fokus der Doping-Fahnder: Nordkoreas Frauen-Nationalteam Bild: dapd

Die Fifa hat einen „ganz groben, bösen Dopingfall“. Drei weitere Spielerinnen wurden positiv getestet. Wie die verbotene Substanz in die Körper gelangt sein soll, nach nordkoreanischer Version, das hat die Welt noch nicht gehört.

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          Schwer zu sagen, was die größere Sensation war. Die schier unglaubliche Story, die Michel D'Hooghe und Jiri Dvorak am Samstag, bei der Abschlusspressekonferenz der Frauen-WM präsentierten. Oder die Tatsache, dass sich die beiden Chefmediziner der Fifa dabei jeden Anflug von Humor verkniffen.

          Es ist ja auch eine ernste Angelegenheit: Doping. Und was das betrifft, hat der Weltverband sogar einen „ganz groben, bösen Dopingfall“, wie Fifa-Präsident Joseph Blatter es formulierte. Nach den positiven Proben zweier Nordkoreanerinnen zu Turnierbeginn sind beim folgenden Test des kompletten Teams drei weitere Fälle von unerlaubten Steroiden in A- und B-Probe nachgewiesen worden.

          Wie diese aber in die Körper gelangt sein sollen, zumindest nach nordkoreanischer Version, das hat die Welt noch nicht gehört. Alles begann mit dem ominösen Blitzschlag, der das Team während der Vorbereitung in der Heimat getroffen haben soll. Um die Folgen zu lindern, sei eine traditionelle chinesische Medizin zum Einsatz gekommen, die aus der Drüse eines Hirschen gewonnen werde, genauer des Moschushirschen, lateinisch Moschus moschiferus.

          Das Problem: Genau diese Drüsen enthalten eine Reihe von Steroiden, die auf der Doping-Verbotsliste stehen. Dies, so die Fifa-Mediziner, sei auch durch zwei wissenschaftliche Studien aus den Jahren 1975 und 1987 gestützt.

          Das nächste Problem: Die Vergleichsprobe, auf deren Basis die (zumindest vom Vorsatz entlastende) Theorie von den Laboren für plausibel erklärt wurde, stammt aus nordkoreanischer Hand. Manipulation also möglich, wie auch Dvorak einräumte.

          Was also ist die Wahrheit? Und wer trägt die Verantwortung? Weil das Fragen sind, die nur schwer zu beantworten sein werden, steht die Disziplinarkommission der Fifa, die über das Strafmaß entscheidet, vor einer undankbaren Aufgabe. Die sportpolitische Pointe des Tages verblasste vor diesem Hintergrund fast ein wenig: Wie sich nämlich Blatter und Theo Zwanziger, DFB-Präsident und Neumitglied in der Fifa-Exekutive, gegenseitig Honig um den Mund schmierten, ließ auf eine Allianz schließen, von der noch zu hören sein wird.

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