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Nationalspielerin Alexandra Popp : „Ich spiele ohne Angst, nicht männlich“

  • Aktualisiert am

„Ich bin ein Typ, der gerne mal einen Spaß macht”: Alexandra Popp Bild: dapd

Auch beim 5:0-Testsieg über die Niederlande traf Alexandra Popp und machte den etablierten Stürmerinnen nochmals Druck. Im F.A.Z.-Interview spricht die Junioren-Weltmeisterin von 2010 über die Generationenfrage und Veränderungen im Frauenfußball.

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          Alexandra Popp könnte der Überraschungsstar der ersten Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland werden. Die 20 Jahre alte Stürmerin bringt ein bemerkenswertes Talent vor dem Tor und Lockerheit abseits des Platzes mit. Beim 5:0-Testspielsieg über die Niederlande am Dienstag in Aachen wie auch in der Vorwoche gegen Italien war die Torjägerin erfolgreich. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht sie über ihre Ausbildung bei den Schalker Jungs und Erfahrungen mit einer Heim-WM.

          Sie sind die Jüngste im Team, haben aber den meisten älteren Spielerinnen etwas voraus: Sie haben im Vorjahr bei der Juniorinnen-Weltmeisterschaft schon eine Heim-WM gespielt. Fragen die Alten mal nach Ihren Erfahrungen?

          Ja, die haben schon mal nachgefragt, wie das so war mit Medien und Zuschauern und allem Drum und Dran.

          Tor des Jahres? Alexandra Popp traf auch beim 5:0 gegen die Niederlande
          Tor des Jahres? Alexandra Popp traf auch beim 5:0 gegen die Niederlande : Bild: dpa

          Und was erzählen Sie dann?

          Dass es einfach super war. Es konnte nicht besser laufen als bei der U-20-WM im vergangenen Jahr. Wir hatten ja nicht geahnt, dass bei uns die Stadien voll würden.

          Sie schossen damals in sechs Spielen zehn Tore, mit ihrem Team gewannen Sie den Weltmeistertitel. War der Druck einer Heim-WM also keine Last?

          Nein. Ich erzähle denen, die mich fragen, immer, dass das unheimlich beflügelt, vor so einem Heimpublikum zu spielen. Dann läuft alles fast schon von alleine.

          Wird man nach Fehlern eher ausgepfiffen oder eher aufgemuntert?

          Jeder macht mal Fehler. Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, dass wir mal ausgepfiffen worden sind. Aber ich denke auch, dass wir ein Publikum haben, das uns sehr gut unterstützt.

          Bei der U-20-WM sind Sie als beste Spielerin und Torjägerin ausgezeichnet worden. Sind Sie darauf vorbereitet, dass sie nun schon eine ähnliche Rolle bei der richtigen WM spielen könnten?

          So weit denke ich jetzt noch gar nicht. Was da noch kommt und wie ich mich schlage, wird sich zeigen. Ich spiele erst mal Trainingseinheit für Trainingseinheit und Spiel für Spiel. Im Vordergrund steht ohnehin, dass ich mit dieser Mannschaft Weltmeisterin werden will. Und mein Ziel ist es, von den erfahrenen Spielerinnen wie Inka Grings oder Birgit Prinz etwas lernen zu können.

          Was genau?

          Die erfahreneren Spielerinnen haben in manchen Situationen mehr Ruhe und bessere Übersicht. Da kann ich sicher noch besser werden. Ich bin oft noch zu hektisch. Auch das Verhalten beim Verschieben kann man sich von den Alten noch abschauen.

          Sie sehen es also nicht so, dass Sie mit Ihren guten Testspielleistungen den Konkurrenzkampf eröffnet haben?

          Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist doch schon in der gesamten Vorbereitung so. Das war auch so, als wir noch 26 Spielerinnen waren und ich um meinen Platz im 21er-Kader kämpfen musste. Wenn ich reinkomme, ist es derzeit meine Aufgabe, noch mal für Dampf zu sorgen. Das ist mir gegen Italien ganz gut gelungen, wobei die Italienerinnen auch schon müde waren - im Gegensatz zu mir als Einwechselspielerin.

          Wollen Sie Birgit Prinz und Inka Grings gar nicht die Plätze streitig machen?

          Wenn ich für eine der beiden eingesetzt werde, dann gebe ich im Dienst der Mannschaft alles. Ich will aber in erster Linie von den beiden so viel wie möglich lernen, damit ich irgendwann, wenn die beiden mal aufhören, mit ihren Tipps in ihre Fußstapfen treten kann.

          In den bisherigen Testspielen legte Bundestrainerin Silvia Neid nach der Halbzeit noch einmal mit jungen Spielerinnen nach. Könnte das ein Grundkonzept für die WM werden nach dem Motto „Alt beginnt, Jung gewinnt“?

          Das muss man sehen. Auf jeden Fall kann das eine Stärke von uns werden, dass wir den Gegner in der ersten Halbzeit müde spielen und dann nachlegen können, sowohl konditionell als auch von der Bank aus.

          Sie spielen mit sehr großem Körpereinsatz, sind kopfballstark und haben ein starkes Zweikampfverhalten. Empfinden Sie es als Beleidigung oder als Kompliment, wenn man Ihnen nachsagt, „männlich“ zu spielen?

          Was heißt männlich? Der Frauenfußball entwickelt sich weiter, wird immer athletischer. Es gibt viele andere Spielerinnen, die sich in Bälle oder Zweikämpfe schmeißen. Ich würde nicht sagen, dass das männlich ist. Es ist eher eine Unbefangenheit, die ich habe. Ich gehe eben ohne Angst vor Verlusten in die Bälle und denke nicht groß nach.

          Hat Ihnen die Zeit als einziges Mädchen unter lauter Schalker Nachwuchsspielern in der Eliteschule des Fußballs in Gelsenkirchen geholfen?

          Ja, ich denke, diese Zeit hat mich weitergebracht. Ich bin dort athletischer und dynamischer geworden. Und ich habe auch sechs Kilogramm abgenommen. Das alles hilft mir, besser und schneller ins Spiel zu kommen.

          Wie haben Sie sich eigentlich bei den Jungs als einziges Mädchen Respekt verschafft?

          Ich war direkt akzeptiert, vom ersten Tag an, die Jungs haben mich sofort aufgenommen, da gab es kein Problem.

          Auf dem Weg zum Juniorinnen-Weltmeistertitel haben Sie mit Ihren Mitspielerinnen bei einem Computerspiel Jubelchoreographien eingeübt und nach den Toren frech aufgeführt. Bei der A-Nationalmannschaft sind Sie und die anderen Jungen jetzt deutlich braver, oder?

          Das stimmt. Es ist eben etwas anderes, ob man nur mit Gleichaltrigen zusammenspielt wie bei der U 20 oder jetzt in der Nationalmannschaft. Hier geht es schon etwas disziplinierter zu. Ich habe außerdem mal gehört, dass die Bundestrainerin große Jubelchoreographien nicht so mag.

          Wenn schon nicht Jubelchoreograhien, was bringen denn junge Spielerinnen in eine Mannschaft ein?

          Unsere Mentalität. Ich bin beispielsweise ein Typ, der gerne mal einen Spaß macht. Wir sind aber alle ganz gut drauf und sorgen für eine gute Stimmung. Das hilft uns auch, gut Fußball zu spielen.

          Das Gespräch führte Daniel Meuren.

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