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Kommentar : Der Geburtsfehler der Frauenfußball-WM

  • -Aktualisiert am

Ein Treffer unter vielen: Celia Sasic köpft das 2:0. Bild: dpa

Das 10:0 des deutschen Nationalteams zum Auftakt der Frauenfußball-WM in Kanada löst eine Qualitätsdebatte aus. Die Fifa ist selbst verantwortlich für die Diskussion. Die Aufstockung auf 24 Teams kam zu früh.

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          Ungarn hat 1982 gegen El Salvador 10:1 gewonnen, Deutschland 2002 gegen Saudi Arabien 8:0 und man möchte mit etwas Häme hinzufügen: Deutschland hat 2014 gegen Brasilien 7:1 gesiegt. Auch die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften der Männer hat „krasse Resultate“ geliefert, wie sie von der Fifa-Frauenfußballverantwortlichen Tatjana Haenni schon vorab für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada prophezeit wurden. Deshalb ist auch den Frauen natürlich gestattet, dass es zweistellige Ergebnisse wie das 10:0 des deutschen Nationalteams gegen die Elfenbeinküste zum Auftakt der WM in Kanada gibt, ohne dass das Recht zum Ausspielen eines Weltturniers abgesprochen werden könnte.

          Aber das allzu deutliche Ergebnis, mehr aber noch das desaströse Auftreten einer taktisch wie spielerisch in jeder Hinsicht von den internationalen Ansprüchen überforderten ivorischen Auswahl lenkt den Blick auf einen vom WM-Veranstalter Fifa fahrlässig in Kauf genommenen Geburtsfehler dieser Weltmeisterschaft: 2009 hatte das Exekutivkomitee des Internationalen Fußballverbands die Aufstockung des Teilnehmerfelds von 16 auf 24 Teams beschlossen. Nur deshalb ist beispielsweise die Elfenbeinküste in Kanada vertreten.

          Die Aufstockung ist vornehmlich Konsequenz einer Fehleinschätzung des Exekutivkomitees bezüglich der Qualitätsentwicklung: die deutlich von fast dreieinhalb auf weniger als drei Treffer pro WM-Spiel gesunkene Torquote bei den vergangenen Turnieren interpretieren die Herren über den Fußball und die einzige Frau im Zirkel, Lydia Nsekera, beharrlich falsch: Sie deuten dies als eine Qualitätssteigerung in der Breite. Der Frauenfußball hat sich aber tatsächlich nur in den klassischen Frauenfußballnationen und vor allem in Europa entwickelt, was diese Weltmeisterschaft in ihrem Verlauf ab dem Achtelfinale beweisen sollte. Die starke Leistung des deutschen Teams hat das angedeutet. Zusätzliche Startplätze für Teams aus Frauenfußball-Entwicklungsländern kommen derweil viel zu früh.

          Deshalb ist diese Weltmeisterschaft in der Vorrunde ein Aufeinandertreffen zweier Welten: Die schwächsten sieben bis acht Teams haben schlicht und ergreifend nicht einmal eine minimale Chance auf eine Überraschung gegen die etablierten Teams, in der deutschen Gruppe gilt das auch für Thailand. Die WM sollte nicht zum Ort für Nachhilfeunterricht werden. So extrem ist die Differenz im Männerfußball nicht.

          Die Aufstockung hat einen weiteren nachteiligen Nebeneffekt: Der Wettbewerb dauert bei nun 52 statt 32 Spielen vier statt zuvor drei Wochen. Diese Zeitspanne hilft dem Frauenfußball ebenfalls kaum, das Interesse auf das gesamte Turnier zu lenken. Der Wettbewerb beginnt gewissermaßen erst am 20. Juni - mit Ausnahme der grotesk stark zusammengesetzten „Todesgruppe“ D mit den Vereinigten Staaten, Australien, Schweden und Nigeria. Dann steht das erste Achtelfinale auf dem Programm. Kommt es dann zu einem Schützenfest, liegt das vornehmlich an der Qualität des Siegers und nicht hauptsächlich an der Unfähigkeit des Verlierers. Das 7:1 von Belo Horizonte lässt grüßen.

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