https://www.faz.net/-gtl-9ohs4

WM-Ersatzspielerin Elsig : „Ich habe Christoph Kramer im Kopf“

„Wir Ersatzspielerinnen gehören genauso dazu“: Johanna Elsig Bild: Picture-Alliance

Johanna Elsig ist eine DFB-Feldspielerin, die bei der WM bisher keine Minute zum Einsatz kam. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über ihre Rolle im Team, Gesten der Wertschätzung und ihre Hoffnung für das weitere Turnier.

          Johanna Elsig ist eine von nur drei Feldspielerinnen im Kader des deutschen Fußball-Nationalteams der Frauen, die bei der WM bislang noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Die 27 Jahre Innenverteidigerin von Turbine Potsdam spricht im Interview über Gesten der Wertschätzung durch die Spielführerin und ihre Masterarbeit zum Thema Mannschaftsführung.

          Vier WM-Spiele sind vorbei, die K.o.-Phase läuft. Sie haben bislang wie Leonie Maier und Turid Knaak im deutschen Kader die gesamten 360 Minuten von der Bank aus verfolgt. Haben Sie vor dem Viertelfinale gegen Schweden am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, in der ARD und bei DAZN) noch Hoffnung auf einen Einsatz?

          Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber ich muss natürlich realistisch sein. Marina Hegering und Sara Doorsoun haben alle Spiele gemacht, gerade in meiner Position in der Innenverteidigung ist zudem schwierig, einen Kurzeinsatz zu bekommen. Das ist fast wie auf der Torhüterposition. Aber ich bin bereit, wenn etwas passieren sollte und ich gebraucht werde. Aber ich wünsche natürlich niemandem, dass sie sich verletzt.

          Frauenfussball-WM 2019

          Ist das also der Fluch der Position?

          Klar, als Stürmerin hast du viel mehr Chancen auch mal auf einen Kurzeinsatz, weil die Trainerin da noch mal einen besonderen Akzent setzen will. Und da bringt es weniger Risiken mit sich. In der Defensive vertrauen Trainer lieber auf Konstanz im Spiel. Da ist weniger Raum für Experimente.

          Sind Sie deshalb enttäuscht?

          Ich würde natürlich supergerne spielen. Aber es ist doch von Anfang an klar, dass nicht alle 23 spielen können, wenn man zu einer WM fährt. Dessen war und bin ich mir immer bewusst. Ich bin einfach stolz, dass ich dabei bin. Das überwiegt.

          Haben Sie als größte Spielerin mit ihrer Kopfballstärke eine Qualität, die Sie doch noch hoffen lässt auf einen Einsatz?

          Natürlich kann es zu der Situation kommen, wo gerade das gefragt ist. Beispielsweise, wenn wir gegen Schweden 1:0 führen und die es in den letzten Minuten mit langen, hohen Bällen versuchen. Oder wenn es in der Verlängerung unentschieden stehen sollte, wir ein Tor brauchen und die Entscheidung über Standards suchen wollen.

          Sie haben nicht die Möglichkeit eines Rückstands erwähnt. Ist das Selbstvertrauen so groß im deutschen Team?

          Ja, das dürfen wir auch haben. Wir wissen, dass wir uns spielerisch noch steigern können. Aber wir haben alle vier Spiele gewonnen bei 9:0 Toren. Das sagt auch einiges aus. Wir haben Qualität im Team.

          Spielführerin Alexandra Popp kam nach ihrem ersten WM-Tor beim 4:0-Sieg über Südafrika zur Bank gerannt, um bewusst mit den Ersatzspielerinnen zu jubeln. Wie haben Sie die Aktion wahrgenommen?

          Wir hatten vor dem Spiel intern ein paar Gespräche, die klargemacht haben, dass die Spielerinnen auf dem Feld es wertschätzen, wie positiv wir Ersatzspielerinnen sie von außen unterstützen. Auch deshalb hat Alex dann ihre Wertschätzung ausgedrückt.

          Sind Ersatzspielerinnen eine Gruppe für sich?

          Nein, wir Ersatzspielerinnen gehören genauso dazu. Lediglich beim Spielersatztraining am Tag nach dem Spiel, wo die nicht eingesetzten oder kurz eingewechselten Spielerinnen belastet werden, sind wir quasi unter uns. Aber sonst gibt es keine Unterschiede.

          In Ihrer Masterarbeit haben Sie sich mit dem Thema Mannschaftsführung im Frauen- und Männerfußball beschäftigt und dafür auch Ihre Bundestrainerin interviewt. Läuft das nun bei Martina Voss-Tecklenburg auch bezüglich des Umgangs mit den Ersatzspielerinnen so, wie sie es nach ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen erwartet haben?

          Natürlich gehört auch der Umgang mit den Ersatzspielerinnen zur Arbeit des Trainerteams. Martina Voss-Tecklenburg geht das sehr offen an. Unsere Trainerin vermittelt uns ihre Wertschätzung, bindet uns mit ein, hat aber eben auch von Anfang an klar unterstrichen, dass bei einer WM nicht jede spielen kann.

          Haben Sie schon das Ergebnis Ihrer Masterarbeit?

          Ich habe sie vor der WM-Vorbereitung abgegeben, das ist jetzt fünf Wochen her. Normalerweise dauert es so neun Wochen. Ich hoffe, dass ich sie dann nicht noch mal schreiben muss und eine gute Note bekomme.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.