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Amerikanische Fußballfrauen : Ausgebootete Spielerin übt harsche Kritik

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Übt Kritik: die ehemalige amerikanische Nationaltorhüterin Hope Solo, hier 2015 im Trikot ihres Klubs Seattle Reign Bild: AP

„Sie ist nicht die Anführerin“: Unmittelbar vor dem Start der Mission Titelverteidigung sorgt die ehemalige Torhüterin Hope Solo im Lager der amerikanischen Fußball-Spielerinnen für Aufregung. Droht nun Ungemach?

          Ihr Nachtreten hatte Hope Solo perfekt plaziert. Kurz vor dem Start der Mission Titelverteidigung der amerikanischen Fußballerinnen am Dienstag gegen Thailand (21.00 Uhr/DAZN) rechnete die ausgebootete Nationaltorhüterin als BBC-Expertin mit ihrer früheren Trainerin Jill Ellis ab. „Sie ist nicht die Anführerin, von der ich mir wünschen würde, das sie es wäre“, lästerte die 37-Jährige in einem Podcast über die Weltmeister-Trainerin: „Sie verlässt sich zu sehr auf ihre Assistenten. Und sie kommt mit dem Druck nicht klar.“ Letzteres werde aber oftmals überspielt, „weil die Qualität der Spielerinnen super ist“.

          Ellis reagierte am Montag auf Solos Kritik. „Kommentare sind Kommentare“, sagte die 52-Jährige. Sie selbst finde, dass sie in den vergangenen fünf Jahren „viele wichtige Entscheidungen“ getroffen habe. „Im Moment liegt der gesamte Fokus auf der Gruppe von Spielerinnen, die jetzt hier ist“, sagte Ellis.

          Solo, 2015 in Kanada unter Ellis beim dritten WM-Triumph der Vereinigten Staaten als Nummer eins gesetzt, hat eine Rechnung mit der 52-Jährigen offen. Nach dem Viertelfinal-K.o. ein Jahr darauf bei Olympia beschimpfte Solo die Gegnerinnen aus Schweden als „Feiglinge“. Kurz darauf wurde sie für ein halbes Jahr gesperrt, dann kündigte der nationale Verband US Soccer ihren Vertrag. Der Star war arbeitslos.

          Viele Diskussionen im Umfeld des amerikanischen Teams

          Daher hat sie nun Zeit, als Expertin für Aufregung zu sorgen. Es ist ja auch nicht so, als wäre es um den Rekordtitelträger zu ruhig gewesen in den vergangenen Monaten. Im März hatte das Team um die Stars Megan Rapinoe, Alex Morgan und Carli Lloyd Klage gegen den eigenen Verband eingereicht. Der Vorwurf: Geschlechter-Diskriminierung. Die Männer bekommen mehr Geld und bessere Bedingungen – dabei sind es die Frauen, die die Titel holen, so die Begründung. Den großen Namen geht es dabei nicht mehr in erster Linie um sich, sondern um die zukünftigen Generationen von Fußballerinnen. Und das große Ganze.

          „Ich würde gerne einen großen Paradigmenwechsel sehen, eine grundlegende Überarbeitung, um zu erkennen, dass es in all den Jahren diesen Mangel an Investitionen gab, an Fürsorge und Aufmerksamkeit für den Frauenfußball“, sagte Rapinoe der Nachrichtenagentur AFP. Die 33-Jährige mit den derzeit pink gefärbten Haaren versteht sich ohnehin als Aktivistin.

          „Ich habe eine große Klappe und benutze sie gerne“, lautet ihr Motto. Als sie 2016 aus Solidarität mit dem von NFL-Quarterback Colin Kaepernick initiierten Protesten gegen Rassismus vor einem Spiel während der Nationalhymne kniete, löste die Offensivspielerin großen Wirbel aus. Das Ende vom Lied: Der Verband führte die Vorschrift ein, wonach Spielerinnen und Spieler während der Hymne stehen müssen.

          Ganz nebenbei wird aber auch noch Fußball gespielt. Und da besteht kein Zweifel: Trotz aller Nebengeräusche geht der Weltranglistenerste als Topfavorit in die Endrunde in Frankreich. Gespickt mit Stars und Weltklasse-Spielerinnen hat keine andere Nation solch eine Breite im Kader zu bieten.

          Die Duelle mit Thailand und Chile sollten ein leichter Aufgalopp werden. Am 20. Juni aber gibt es ein Déjà-vu: Zum fünften Mal nacheinander treffen die Vereinigten Staaten in ihrer WM-Gruppe auf Schweden. Und wie bereits erwähnt sind die Skandinavierinnen nicht unbedingt der Lieblingsgegner der Amerikanerinnen.

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