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Fußball-WM : Amerikanische Kraft schlägt nordkoreanische Taktik

Glückwunsch: Carli Lloyd (l.) beglückwünscht Torschützin Lauren Cheney Bild: dapd

Nordkorea beeindruckt trotz der 0:2-Niederlage gegen die Vereinigten Staaten: Die Asiatinnen spielen den bislang modernsten Fußball. Die Amerikanerinnen sind aber physisch überlegen.

          2 Min.

          Am dritten Spieltag ist die Weltmeisterschaft der Frauen politisch geworden: Wenn die Vereinigten Staaten auf Nordkorea treffen, kann das auch gar nicht anders sein (siehe: Nordkorea: Mission „Staat machen“). Aber streicht man alles Ideologische rund um diese ganz besondere Begegnung, dann kam am Dienstag in Dresden ein Fußballspiel zur Ansicht, an dessen Qualität keine andere Partie bei der WM heranreichte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Amerikanerinnen gewannen das mit Abstand beste Spiel dieses Turniers durch Tore von Lauren Cheney (54. Minute) und Rachel Buehler (74.) verdient mit 2:0. Aber das Duell der beiden so ungleichen Schwergewichte des Frauenfußballs lieferte auch noch eine Pointe mit, wie man sie sich ironischer kaum hätte ausdenken können: Denn ausgerechnet das Team aus dem abgeriegelten Land mit seinem Steinzeit-Kommunismus präsentierte - so lange sie körperlich bei hochsommerlichen Temperaturen mithalten konnte - den modernsten Fußball, den man bisher bei der WM gesehen hat.

          Schon nach wenigen Minuten ließ sich die taktische Disziplin der Nordkoreanerinnen bestaunen, die eine laufintensive Raumaufteilung ins Spiel brachten, wie sie der Frauenfußball noch nicht oft gesehen hat, falls überhaupt. Die unbekannten Spielerinnen aus dem unbekannten Land orientierten sich dabei am taktischen Konzept des besten Männerfußballs mit einer lange imponierenden Kompaktheit zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen.

          Pech gehabt: Nordkorea könnte erhobenen Hauptes das Feld der Niederlage verlassen
          Pech gehabt: Nordkorea könnte erhobenen Hauptes das Feld der Niederlage verlassen : Bild: REUTERS

          In ihren besten Momenten schafften es die Spielerinnen sich im Schwarm als gesamte Mannschaft so zu verschieben, dass die Abstände zwischen den Spielerinnen nahezu unverändert blieben. Das ist derzeit die höchste taktische Schule des Fußballs, aber es sollte trotzdem nicht genügen.

          Überzahl gegen Kraft

          Durch ihre taktische Modernität gelang es den Nordkoreanerinnen immerhin, die körperlichen Vorzüge der Amerikanerinnen lange auszugleichen. Sie schafften es zunächst immer wieder, ihren größeren und kräftigeren Gegnerinnen durch Überzahl in Ballnähe einzuengen. Die Amerikanerinnen wiederum überzeugten beim Auftakt durch ihre individuelle Klasse und Leidenschaft sowie einem großen Siegeswillen. Wenn die Nordkoreanerinnen in Ballbesitz kamen, würzten sie ihr starkes Kurzpassspiel mit überraschenden und weiten Spielverlagerungen. Nach einer halben Stunde, als sie den ganz großen Respekt vor den zweimaligen Weltmeisterinnen abgelegt hatten, dominierten sie sogar kurzfristig die Partie, aber ihren schönen Dribblings und Kombinationen mangelte es am entschlossenen Abschluss.

          Siegesgewissheit siegt

          Nach dem Wechsel traten die Amerikanerinnen noch entschlossener auf, und diesmal nutzten sie auch ihre körperliche Überlegenheit. Nach einer schönen Flanke von Abby Wambach setzte sich Lauren Cheney im Kopfballduell durch und erzielte das 1:0 (54.).

          Die Nordkoreanerinnen konterten umgehend, doch der Schuss von Mi Jun-jo landete nur an der Latte (56.). Ihre spielerische und taktische Klasse kam trotzdem nicht mehr wie in der ersten Hälfte zur Geltung, dafür waren die Amerikanerinnen ganz einfach zu stark. Der zweite Treffer durch Rachel Buehler (74.) war verdienter Ausdruck einer immer größeren amerikanischen Überlegenheit und Siegesgewissheit. (siehe: Sonderseite: Alles zur Frauenfußball-WM 2011)

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