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Nationaltorhüterin Schult : Die Perfektionistin

  • -Aktualisiert am

Greift mutig zu: Almuth Schult (links) im WM-Spiel gegen Spanien Bild: Reuters

Sicherer Rückhalt bei der Weltmeisterschaft: Almuth Schult ist für das deutsche Team ein Glücksfall. Dass die Torhüterin immer das letzte Wort haben will, wird deshalb akzeptiert.

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          Um Almuth Schult dieser Tage ins Zweifeln zu bringen, brauchte es schon eine Torjägerin von ganz besonderem Format mit einem reichen Erfahrungsschatz und 41 Lebensjahren. In einer Trainingseinheit in Lille vor wenigen Tagen stand eine solche Stürmerin auf dem Platz. Birgit Prinz, deutsche Rekordspielerin und -torschützin außer Diensten und mittlerweile als Team-Psychologin bei der WM-Mission in Frankreich im Einsatz, überwand die deutsche Nationaltorhüterin dreimal in Serie mit dem gleichen Trick. Einer Körpertäuschung der dreimaligen Weltfußballerin folgte der lockere Lupfer mit dem Außenrist über Schults ausgestrecktes linkes Bein hinweg ins kurze Eck.

          Frauenfussball-WM 2019
          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Sie hat in der Übung immer wieder die winzige Lücke auf der ballfernen Seite gefunden“, sagt Schult. Nach dem dritten Gegentreffer ging Schult ins Fußball-Fachgespräch mit der Frau, mit der die Nationalspielerinnen eigentlich über mentale Fragen diskutieren sollen. Prinz und Schult kamen gemeinsam mit Torfrauentrainer Michael Fuchs zum Schluss, dass Schult noch einen Meter weiter vorrücken müsse. Und fortan war das Tor wieder vernagelt wie in den bisherigen WM-Spielen, in denen Deutschland gegen China und Südafrika jeweils 1:0 gewonnen hat.

          „Birgit hat einfach diesen ganz besonderen Torjägerinstinkt, wofür ich sie schon bewundert habe, als ich noch mit ihr zusammenspielen durfte. Für uns im Torhüterinnentraining ist das unheimlich wertvoll, dass sie da mithilft“, sagt Schult. Es passt zu ihrem Perfektionismus, dass sie bei der WM die abschlussstärkste Frau in der deutschen Fußballgeschichte als Sparringspartnerin dabeihat. Die 28 Jahre alte Torhüterin vom VfL Wolfsburg will jeden Tag besser werden. Alles andere wäre für sie ein Rückschritt. Für das deutsche Team ist sie deshalb ein Glücksfall. Sie war der Ruhepol gegen China und Spanien, die dem deutschen Team vorzeitig die Qualifikation fürs Achtelfinale und vor dem abschließenden Vorrundenduell mit Südafrika in Montpellier am Montag (18 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM und in der ARD) eine gute Ausgangsposition für den Gruppensieg bescherte. „Almuth ist präsent, sie strahlt Ruhe aus und überträgt das aufs Team“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem Spiel gegen Spanien: „Sie ist eine großartige Hilfe und gibt viel Input, was das Team taktisch braucht.“

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          Der starke Eindruck bei der WM überrascht, wenn man die Vorgeschichte kennt: Im Frühjahr hatte Schult nach einer Masernerkrankung damit zu kämpfen, überhaupt wieder voll belastbar ein Training absolvieren zu können. Dadurch geschwächt, leistete sie sich nach ihrer Rückkehr ins Tor mehrere haarsträubende Fehler im Halbfinale der Champions League gegen Lyon und im Testspiel des Nationalteams gegen Japan. Die Nachwirkungen spürte sie noch bis zum Vorbereitungsstart mit starker Müdigkeit. Zum Ende der Bundesliga-Saison, die sie mit dem VfL Wolfsburg zum dritten Mal in Serie als Double-Gewinnerin abschloss, verletzte sich Schult dann auch noch an der Schulter, so dass die WM-Mission auch jederzeit eine Gratwanderung mit der steten Gefahr eines Ausfalls der Torhüterin bleibt. „Die medizinische Abteilung hat tolle Arbeit geleistet. Mich belastet das überhaupt nicht“, sagt Schult aber.

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