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Nationaltorhüterin Schult : Die Perfektionistin

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So ist sie zur bislang Besten im deutschen Team geworden, lässt mit ihren guten Leistungen bemerkenswerten Worten große Taten folgen. In einem F.A.Z.-Interview hatte sie Kritik am Deutschen Fußball-Bund geübt und fehlende Kreativität sowie gar Desinteresse und Ressentiments angemahnt. Dadurch ist eine starke Frau, deren Wort zuvor schon im Mannschaftsrat Gewicht hatte, zur vernehmbaren Stimme des Kaders in der Öffentlichkeit geworden.

Die Torfrau hatte sich damit umso mehr unter Druck gesetzt. Nach vier Jahren als unumstrittene Nummer eins und Rückhalt beim Olympiasieg von 2016 scheint Schult indes nun gewillt, in die großen Fußstapfen ihrer Vorgängerin Nadine Angerer zu treten. Angerer, mit der Schult befreundet ist, war einst im Tor zur Frontfrau des deutschen Teams geworden. Diese Rolle entspricht auch Schults Charakter. Viele Wegbegleiterinnen und frühere Trainer sagen, dass sie immer das letzte Wort haben wolle oder gar müsse. „Es stimmt schon, dass ich immer meinen Senf dazugeben muss“, sagt sie. Bei Voss-Tecklenburgs Vorgängerin Steffi Jones, die vor der EM 2017 jeder Spielerin einen Spitznamen aus der Welt der Zeichentrickfilme gab zur Förderung des Teamgeistes, war Schult der „Schlaubi Schlumpf“, der Besserwisser unter den beliebten blau-weißen Zeichentrickgestalten. Frühere Trainer sagen, dass sie damit gelegentlich nerve, da sie aber immer an der Sache orientiert sei und vor allem ihre Leistung bringe, akzeptiere man diese Eigenart aber ebenso wie die etwas eigenwilligere Vorbereitung.

Schult braucht ein paar Freiheiten. So durfte sie beispielsweise zwei Tage vor dem Champions-League-Spiel gegen Lyon noch spätabends in Berlin in einer Jury beim Fußball-Filmfestival „11 Millimeter“ sitzen und musste erst zum Abschlusstraining wieder in Wolfsburg sein. „Ich kann mich nicht fünf Stunden oder gar einen Tag vor einem Spiel in einen Tunnel begeben. Es muss für mich auch möglich sein, noch relativ kurz vor einem Spiel an was anderes denken zu dürfen. Wenn es aber drauf ankommt, dann bin ich fokussiert“, sagt sie mit dem Selbstbewusstsein von mittlerweile 61 Länderspielen. Schult könnte deshalb bei ihrer dritten WM im Nationalteam und ihrer ersten als Nummer eins in einem Team der weitgehend Namenlosen und Unerfahrenen so wie einige Jahre lang Angerer jene werden, an der sich andere im Team aufrichten können.

In Frankreich strahlt sie jedenfalls Selbstvertrauen aus, wenn sie den bisherigen Turnierverlauf interpretiert. „Ich bin sehr froh über den Turnierstart. Wir wissen nach schweren Spielen in der Vorrunde, wo wir stehen. Wir haben gezeigt, dass wir bezüglich Wille, Leidenschaft und Physis bereit sind“, sagt sie. Tatsächlich hat das deutsche Team gegen Spanien beispielsweise bei einem Wert von kumuliert 112 Kilometern einen Wert erlaufen, der an durchschnittliche Männerwerte heranreicht und den es im Frauenfußball bei allerdings sehr spärlicher Datenbasis so noch nicht gegeben  haben soll. „So etwas kann man im Turnierverlauf nicht mehr verbessern. An den Dingen, die uns im Spielerischen fehlen, kann man noch arbeiten.“ Am Montag hat Deutschland gegen Südafrika die große Chance, dank der bereits sicheren Achtelfinalqualifikation vom Druck etwas befreit unter Wettbewerbsbedingungen an der Feinabstimmung zu arbeiten. Auf den sicheren Rückhalt dürfen sie dabei bauen.

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