https://www.faz.net/-gtl-9my1x

Frauenfußball-Nationalteam : Ein Quantum Pep

Auf dem Weg nach Frankreich: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat ihrem Team Kontur geben Bild: dpa

Die Fußballfrauen wagen sich vor der WM nur bedingt aus der Deckung. Ein Fragezeichen steht hinter Torhüterin Almuth Schult. Und Simone Laudehr verabschiedet sich im Groll.

          3 Min.

          Sie wollen ihren eigenen Weg gehen, die deutschen Fußballfrauen. Und so schlagen sie eher leisere Töne an vor Beginn der Mission Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer. Es gibt beim zweimaligen Weltmeister und aktuellen Olympiasieger keine allzu vorlauten Hashtags wie zuletzt bei den Männern mit #BestNeverRest. Stattdessen wagen sich die deutschen Frauen nur mit einer an sich nicht zu widerlegenden Tatsache und einem peppigen Werbespot eines langjährigen Partners aus der Deckung.

          „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“, lautet der Slogan, mit dem eine Bank in den kommenden Wochen bis zur am 7. Juni beginnenden Frauenfußball-WM in Frankreich mit den besten deutschen Fußballerinnen wirbt. Die Aussage bezieht sich auf Oliver Kahns bekannten Wutausbruch aus dem Jahr 2003 in einer Krise seines Klubs Bayern München. In dem Spot kokettieren Spielführerin Alexandra Popp oder Dzsenifer Marozsan zudem mit ihrem geringen Bekanntheitsgrad oder mit verbreiteten Vorurteilen und wünschen am Ende, dass man sie einfach spielen lässt.

          Das dürfen nun beginnend mit dem Auftaktspiel gegen China am 8. Juni 23 Spielerinnen – so groß ist in jedem Fall der Kader –, deren Namen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am Dienstag in Frankfurt bekanntgab. Größere Überraschungen blieben vor dem kaum eine Woche langen Vorbereitungslehrgang in Grassau mit einem letzten WM-Test gegen Chile in Regensburg am 30. Mai aus. Martina Voss-Tecklenburg nominierte fünf „Backup-Spielerinnen“ für den Fall von verletzungsbedingten Ausfällen.

          Schon zu Beginn der Vorbereitungswoche am Chiemsee wird allerdings ein Fragezeichen hinter Torhüterin Almuth Schult stehen. Die Schlussfrau des VfL Wolfsburg hat sich in der Schlussphase der Bundesligasaison eine Schulterverletzung zugezogen und musste im letzten Saisonspiel gegen das Team von Potsdam aussetzen. „Wir werden in Grassau entscheiden müssen“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. „Die Verletzung darf keine Rolle mehr spielen, sodass sie hundert Prozent performen kann.“ Vom Reglement her hätte die Bundestrainerin bis 24 Stunden vor Beginn des ersten deutschen Spiels die Gelegenheit, mit ärztlichem Nachweis verletzte Spielerinnen auszutauschen.

          Aus Wolfsburg ist zu vernehmen, dass Schult guter Dinge ist bezüglich einer rechtzeitigen Genesung. Die Schlussfrau, eine von nur drei Spielerinnen aus dem allerdings auch mit internationalen Stars gespickten Kader des Serienmeisters VfL Wolfsburg im WM-Aufgebot, hatte sich zuletzt durch ein Interview in dieser Zeitung zur Wortführerin im deutschen Team emporgeschwungen. Die 28 Jahre alte Almuth Schult hatte die schlechte Vermarktung des Frauenfußballs beim DFB wie auch in der Bundesliga kritisiert und beispielsweise auch die rückläufige Honorierung der Nationalspielerinnen bei Einsätzen fürs Nationalteam moniert. Inwiefern die Kritik nun Auswirkungen hat für die WM-Prämien, muss sich noch weisen.

          Die Verhandlungen werden offenbar erst im Vorbereitungslager abgeschlossen. Nennenswerte Geldbeträge werden jedoch erst fließen, wenn dem Olympiasieger von 2016 die Qualifikation als eines von drei europäischen Teams auch für das olympische Fußballturnier in Japan im kommenden Jahr gelingt, was als Minimalziel vorgegeben ist fürs Team. „Dafür müssen wir angesichts der starken europäischen Konkurrenz das Viertelfinale erreichen, vielleicht sogar das Halbfinale“, sagte Martina Voss-Tecklenburg.

          Die Bundestrainerin, die mit der Schweiz bereits eine WM als Trainerin miterlebt hat, wirkte bei der Kaderbekanntgabe im 49. Stockwerk am Sitz des Premium-Partners aus der Bankenbranche wie schon bei ihren vorherigen Auftritten bemerkenswert klar in ihren Aussagen. „Von mir selbst erwarte ich, dass ich die Freude, das Privileg, bei einer WM spielen zu dürfen, vorlebe und auch den Stolz, für Deutschland antreten zu dürfen“, sagte die 51 Jahre alte Trainerin.

          Trainerin Martina Voss-Tecklenburg wählt den klassischen Weg: „Antworten wollen wir auf dem Platz geben.“

          Zur Verkündung wählte sie nach eigener Darstellung bewusst eine recht traditionelle Art und Weise, während andere Nationen deutlich lauter auf die Pauke gehauen haben. Der englische Verband ließ Prominenz von Prinz William über Altstar David Beckham bis hin zu City-Spieler Raheem Sterling via Twitter je eine Spielerin verkünden. „Wir haben das so gemacht, wie wir sind“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. „Antworten wollen wir auf dem Platz geben.“

          Spielplan, Ergebnisse, Termine der Frauenfußball-WM 2019

          Den direkteren Weg über soziale Medien suchte hingegen zeitgleich zur Veröffentlichung des Kaders eine Spielerin, der ein weiteres WM-Turnier verwehrt blieb. Simone Laudehr, Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Europameisterin, verabschiedete sich im Groll aus der Nationalmannschaft, allerdings nicht bezogen auf Martina Voss-Tecklenburg. Sie wählte nicht wie zuletzt Babett Peter einen mit dem DFB abgestimmten diplomatischen Weg, sondern rechnete in ihrem Abschiedspost auf Instagram mit zwei Trainern ab.

          Ihrem am Saisonende beim FC Bayern ausgeschiedenen und im kommenden Jahr an der Fußballlehrerausbildung teilnehmenden Vereinstrainer Thomas Wöhrle kreidete sie zu wenig Unterstützung in den vergangenen Monaten an, um sich noch eine Chance auf die WM erspielen zu können. Und die frühere Bundestrainerin Steffi Jones kritisierte sie rückwirkend für eine „Ausbootung“ vor der EM 2017. Auch mit Pferdeschwänzen können klare Worte gesprochen werden.

          Deutscher WM-Kader

          Tor:                                  

          1 Almuth Schult            VfL Wolfsburg       09.02.1991
          12 Laura Benkarth           Bayern München      14.10.1992
          21 Merle Frohms             SC Freiburg         28.01.1995
                                                                     
          Abwehr:                                                    
          2 Carolin Simon            Olympique Lyon  FRA 24.11.1992
          3 Kathrin Hendrich         Bayern München      06.04.1992
          4 Leonie Maier             Bayern München      29.09.1992
          5 Marina Hegering          SGS Essen           17.04.1990
          8 Lena Goeßling            VfL Wolfsburg       08.03.1986
          14 Johanna Elsig            Turbine Potsdam     01.11.1992
          15 Giulia Gwinn             SC Freiburg         02.07.1999
          23 Sara Doorsoun            VfL Wolfsburg       17.11.1991
                                                                     
          Mittelfeld:                                                
          6 Lena Sophie Oberdorf     SGS Essen           19.12.2001
          10 Dzsenifer Marozsán       Olympique Lyon  18.04.1992
          13 Sara Däbritz             Bayern München      15.02.1995
          16 Linda Dallmann           SGS Essen           02.09.1994
          17 Verena Schweers          Bayern München      22.05.1989
          18 Melanie Leupolz          Bayern München      14.04.1994
          19 Klara Bühl               SC Freiburg         07.12.2000
          20 Lina Magull              Bayern München      15.09.1994
          22 Turid Knaak              SGS Essen           24.01.1991
                                                                     
          Angriff:                                                   
          7 Lea Schüller           SGS Essen           12.11.1997
          9 Svenja Huth            Turbine Potsdam     25.01.1991
          11 Alexandra Popp     VfL Wolfsburg6.04.1991                                              

           


          Trainerin: Martina Voss-Tecklenburg                               

          Weitere Themen

          Elfmeter-Wahnsinn in Bochum, Aue auf Platz drei

          Zweite Liga : Elfmeter-Wahnsinn in Bochum, Aue auf Platz drei

          Ganze drei Strafstöße gibt es beim Duell zwischen Bochum und Osnabrück, nur einer aber landet auch im Tor. Gegen St. Pauli hat Aue derweil keine Mühe und springt zumindest für den Moment auf einen Spitzenrang.

          Wellenreiten für zwischendurch Video-Seite öffnen

          Lagerhalle in Berlin : Wellenreiten für zwischendurch

          Wellenhöhe wie auch Wasser-Fließgeschwindigkeit lassen sich individuell an die Bedürfnisse des Wellenreiters anpassen. Für Anfänger steht zusätzlich eine Haltestange bereit, bis zu sechs Neulinge können gleichzeitig üben.

          Topmeldungen

          Franziskus wäre in jungen Jahren gerne Missionar in Japan geworden.

          Papstbesuch in Japan : Römisch-katholisch und versteckt christlich

          Franziskus besucht an diesem Samstag Japan – dabei wird es nicht nur um Atomwaffen gehen, sondern auch um die Jahrhunderte andauernde Unterdrückung der katholischen Kirche im Land und ihre „versteckten Christen“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.