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Frauenfußball-WM : So bereiten sich die deutschen Frauen gegen Nigeria vor

Lockere Einheit: die deutschen Fußballfrauen vor dem Spiel gegen Nigeria Bild: dpa

Im WM-Achtelfinale müssen sich die deutschen Fußballfrauen auf ein Abwehrbollwerk der Nigerianerinnen einstellen. Fraglich ist noch die Rolle von Dzsenifer Maroszan.

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          Am späten Donnerstagnachmittag haben die deutschen Fußballfrauen schon mal geübt, wie man eine Festung einnimmt, so wie sie an diesem Samstag (17:30 Uhr/im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM und im ZDF) gegen Nigeria im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich gegen einen vermutlich sehr defensiv agierenden Gegner ein Abwehrbollwerk überwinden wollen. Beim Testlauf setzten sie freilich auf die Hilfe der über den Fluss Isére gespannten historischen Seilbahn, so dass der Sturm auf die Bastille am Spielort Grenoble eine recht komfortable Angelegenheit wurde.

          Geschwitzt hatten die deutschen  Spielerinnen ohnehin schon zuvor, weil Martina Voss-Tecklenburg am Vormittag die intensivste Trainingseinheit der Woche angesetzt hatte. Dabei konnte die 51 Jahre alte Bundestrainerin freilich noch gar nicht auf die spezifischen Anforderungen an das deutsche Spiel im Achtelfinale eingehen. Der Gegner stand schließlich kurioserweise erst am späten Donnerstagabend fest: Die Notlösung, bei einem Teilnehmerfeld von 24 Teams in sechs Vorrundengruppen auch den vier besten Gruppendritten für ein vollständiges Achtelfinale die Qualifikation für die K.o.-Runde zu ermöglichen, hat zu dieser Ausnahmesituation geführt.  

          „Das ist natürlich ungewöhnlich, aber unsere Trainer haben sich auf alle Eventualitäten vorbereitet und werden uns noch rechtzeitig die Gegner im Detail vorstellen“, sagte Verena Schweers. Tatsächlich stand die Belastung des Teams im Kontrast zu jener der Scouting-Abteilung. Während Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihrem Kurs treu blieb und auch in Grenoble nicht in wilden Aktionismus verfiel, um ihren in der Vorrunde so lauffreudigen Spielerinnen stattdessen Regenerationsmöglichkeiten und auch die Zeit für einen Ausflug auf die Festung oberhalb der Winter-Olympiastadt von 1968 zu ermöglichen, ließ sie ihre Analyseexperten um Assistenztrainerin Britta Carlson hart arbeiten. Das Beobachtungsteam hat Dossiers zu vier möglichen Achtelfinalgegnern bis ins letzte Detail aufbereitet und dabei bezüglich Schottlands, Argentiniens und Brasiliens umsonst gearbeitet. Am Freitag war schließlich in der Videositzung nur noch Nigeria von Interesse.

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          Die Afrikanerinnen haben zwar alle sieben bisherigen Länderspiele gegen Deutschland bei einer Tordifferenz von 2:22 verloren, darunter je zweimal bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. In den Turnierspielen wiesen sie allerdings auch nach, wie unangenehm ihr körperlich robuster Stil sein kann. Davon kann auch die deutsche Rekordnationalspielerin Birgit Prinz berichten, die beim bislang letzten Aufeinandertreffen bei der WM 2011 in ihrer Heimatstadt Frankfurt in der 55. Minute ihres 214. Länderspiels so entnervt ausgewechselt wurde, dass sie Bundestrainerin Silvia Neid beim obligatorischen Handschlag vor Ärger beinahe eine Handverletzung zugefügt hätte.

          Prinz, die bei der WM im Hintergrund als Teampsychologin tätig ist, aber wegen einer kurzzeitigen Rückkehr nach Deutschland am Samstag nicht beim Spiel zugegen ist, kehrte danach nie wieder auf den Rasen zurück. Deutschland gewann das Vorrundenspiel damals dennoch mit 1:0. Seither aber haben sich die Nigerianerinnen individuell weiterentwickelt. „Wir wissen, dass Nigeria ein starkes Team hat, das haben sie im Turnier bewiesen. Sie hatten einen schwierigen Start mit einer 0:3-Niederlage gegen Norwegen. Aber vor allem im letzten Spiel beim unglücklichen 0:1 gegen Frankreich haben sie gezeigt, wozu sie in der Lage sind“, sagt Voss-Tecklenburg.  

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