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Frauenfußball-WM : Lasst sie spielen!

  • -Aktualisiert am

Strittige Szene: Die deutsche Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus entscheidet im WM-Spiel zwischen Frankreich und Norwegen auf Elfmeter. Bild: AFP

Der Fußball der Frauen hat einen spürbaren Qualitätssprung hinter sich. Es wäre deshalb an der Zeit, dass es ein Ende hat mit den immer aufs Neue wiederholten Vorurteilen. Aus mehreren Gründen.

          Bei der Weltmeisterschaft in Frankreich sind die besten Fußballerinnen des Erdballs einen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung gegangen: Der heftigste Aufreger ist derselbe wie bei den Männern. In der ersten Turnierwoche hat der erstmals bei den Frauen eingesetzte Videoassistent für das meiste Kopfschütteln gesorgt. Die aus Mangel an Videoassistentinnen ausschließlich mit Männern besetzte Revisionskommission in einem dunklen Studio hat mit ihrem Eingreifen merkwürdige Entscheidungen angestoßen.

          Frauenfussball-WM 2019

          Und es passte ins Bild der vergangenen Bundesligaspielzeit, dass auch die deutschen Videoassistenten Bastian Dankert und Felix Zwayer zu haarsträubendsten Fehlleistungen bei der Begutachtung der Videobilder beitrugen. Zwayer brachte seine Landsmännin Bibiana Steinhaus dazu, im Spiel zwischen Frankreich und Norwegen einen der groteskesten Foulelfmeter seit Einführung des Videobeweises zu verhängen, der die Partie zudem für die Gastgeberinnen entschieden hat. Die Norwegerin Ingrid Syrstad Engen hatte die Französin Marion Torrent leicht am Knie getroffen, nachdem sie eindeutig fair den Ball weggespitzelt hatte.

          Ähnlich verwunderliche Fehlleistungen wie im Studio der Videoassistenten gab es in Frankreich derweil auf dem Spielfeld kaum zu sehen. Aussetzer, die noch bei früheren Turnieren für Entsetzen und Amüsement beispielsweise bei haarsträubenden Fehlern von Torfrauen gesorgt hatten, oder auch technische oder offensichtliche konditionelle Mängel sind kaum mehr festzustellen. Der Fußball der Frauen hat einen spürbaren Qualitätssprung hinter sich.

          Es wäre deshalb an der Zeit, dass es ein Ende hat mit den immer aufs Neue wiederholten Vorurteilen. Selbstredend gibt es auch bei den Frauen weiterhin langweilige, schwache Spiele. Aber die gibt es auch bei den Männern im Verlauf eines langen Weltmeisterschaftsturniers. Die Frauen sollten im Jahr 2019 endlich frei von Vergleichen mit den Männern ihrem Sport nachgehen dürfen. Lasst sie einfach spielen und ihre besonderen Qualitäten wie eine ausgeprägtere Spielfreude und Fairness sowie den Verzicht auf Theatralik, Rudelbildung oder Spucken zeigen.

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