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WM-Halbfinalgegner Amerika : „Ein ICE kommt auf uns zugerast“

Kompromisslos: Amerikas Stürmerin Abby Wambach (vorne) im Viertelfinale gegen Kolumbien Bild: AFP

Im WM-Halbfinale (1 Uhr) treffen zwei Welten aufeinander: Während für die Amerikanerinnen Trubel und politischer Aktivismus dazu gehören, haben es die deutschen Fußballfrauen lieber ruhig. Nicht nur deswegen hat die Partie eine besondere sportliche Brisanz.

          Nun ist das amerikanische Ufo in Montreal gelandet. Seit das Team aus den Vereinigten Staaten zur Vorbereitung auf das Halbfinale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft gegen Deutschland an diesem Dienstag (1 Uhr MESZ / Live in der ARD, bei Eurosport und im WM-Ticker auf FAZ.NET) in der Metropole der frankophonen Provinz Quebec weilt, ist vieles anders geworden. In den Straßen sieht man immer mehr Fans in Fußballtrikots, und meist stehen Namen wie Wambach, Morgan oder Solo auf dem Rücken.

          Das sind Zeichen einer erfolgreichen Vermarktung von Stars, wovon die besten deutschen Spielerinnen noch weit entfernt sind. Das wegen Regens am Sonntag in einer Fußballhalle für die Medien offene Training ist entsprechend gut besucht, die Öffentlichkeit im Nachbarstaat des Ausrichterlandes Kanada begehrt so sehr nach Informationen wie in keinem anderen Land der Welt.

          Vorbehalte gegenüber dem Gegner

          Zwischen New York und Los Angeles sind einige Spielerinnen Stars, die mit ihrem Sport zu Millionärinnen wurden. Und auch im Mannschaftshotel im Zentrum Montreals, in dem wie bei Frauenfußball-Weltmeisterschaften noch immer üblich auch die Gegnerinnen aus Deutschland logieren, hat der Trubel zugenommen. Am Montagabend standen sogar mehrere hundert meist junge Mädchen vor dem Mannschaftshotel und skandierten immer wieder „USA, USA“. „Es war schon beim Vorrundenspiel in Winnipeg, wo die Amerikanerinnen kurzzeitig im gleichen Hotel wohnten, kaum auszuhalten“, sagt Bundestrainerin Silvia Neid. „Da waren so viele Angehörige des Teams und auch Fans im Hotel, dass wir kaum noch zum Aufzug kamen.“ Man merkte der Bundestrainerin bei diesen Worten gewisse Vorbehalte gegenüber dem Gegner an, die eine Vorgeschichte haben. Schon beim WM-Finale 2011 löste Silvia Neid Befremden aus, als sie die Treffer von Japan gegen die Amerikanerinnen begeistert bejubelte.

          Die Unterschiede zwischen den Teams scheinen einfach zu groß: Die Deutschen sind stolz darauf, „zurückhaltend und ruhig“ aufzutreten, gerade ausländische Beobachter bezeichnen das gerne auch als langweilig. Die Amerikanerinnen hingegen lieben den großen Auftritt - und trauen sich anders als die Deutschen auch mal ein mutiges politisches Statement zu. Im Viertelfinale gegen China am vergangenen Freitag hatten die Spielerinnen eine besondere Jubelchoreographie zur soeben in den Staaten vom Obersten Gerichtshof bundesweit anerkannten gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft vorbereitet. Die politische Demonstration auf dem Spielfeld fiel nur aus, weil sich die Spielerinnen das für einen sicheren Zwei-Tore-Vorsprung aufgehoben hatten, den es nicht gab. „Wir hatten Pläne, die wir leider nicht umsetzen konnten, da wir kein zweites Tor erzielt haben“, sagt Offensivspielerin Tobin Heath. Das genaue Vorhaben verriet sie nicht, eine in amerikanischen Medien kolportierte Regenbogenfahne soll aber nicht Teil der Choreographie gewesen sein.

          Den deutschen Fußballerinnen sind solche Statements zu Homosexualität oder anderen politischen Frauenthemen derweil fremd. 

          Wetterfest uns selbstbewusst: Nadine Angerer und die deutschen Fußballfrauen gehen gefestigt ins Halbfinale

          Und so steckt in diesem Spiel zusätzliche Brisanz. Ein normales WM-Halbfinale ist das Duell der beiden erfolgreichsten Nationen der Frauenfußballgeschichte ohnehin nicht. Deutschland wie die Vereinigten Staaten haben je zwei Weltmeistertitel errungen. Und die Amerikanerinnen haben noch immer schmerzlich in Erinnerung, dass sie 2003 bei ihrer Heim-WM als damals vermeintlich unschlagbares Spitzenteam im Halbfinale 0:3 am späteren Weltmeister Deutschland gescheitert waren. Spielführerin Christie Rampone, Superstar Abby Wambach und Shannon Boxx waren damals auf amerikanischer Seite schon dabei. Im deutschen Team saß Torhüterin Nadine Angerer auf der Bank jenes Stadions in Portland, in dem sie zuletzt in der amerikanischen Profiliga für die Portland Thorns gespielt hat. Es war eine von nur fünf Niederlagen in 32 Begegnungen.

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