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Frauenfußball-WM: : Jetzt geht´s erst richtig los

Haben sich nochmal eingehend motiviert: die deutschen Fußballfrauen Bild: dpa

Zweiter Auftakt ins WM-Turnier: Für die deutschen Fußballfrauen wäre der Weg ins Finale nach einer Vorrunde ohne Herausforderung wohl der schwerstmögliche. Im Achtelfinale wartet bereits der Klassiker gegen den angeschlagenen Erzrivalen aus Schweden.

          Am Mittwochabend waren die deutschen Fußballfrauen gemeinsam in Ottawa essen. Nebenbei liefen die letzten Begegnungen der Vorrunde aus den Parallelgruppen E und F, die auch über die letzten freien Plätze im Achtelfinale für die vier besten Gruppendritten entschieden. Und dann gab es sozusagen zum Nachtisch Schweden, das am Samstag gegen Deutschland um den Einzug ins Viertelfinale spielt (22 Uhr / Live in der ARD und im WM-Ticker auf FAZ.NET). „Als es feststand, dachten wir: Ja, okay. Dann ist es halt Schweden“, sagt Nadine Angerer. „Im Training am nächsten Morgen hat man dann die Fokussierung des Teams gesehen, dass jede richtig konzentriert ist.“

          Wenn es eines Signals bedurfte, dass die Frauenfußball-Weltmeisterschaft von Samstag an nach einer Vorrunde ohne jeden sportlichen Wert endlich mit einer Art zweitem Turnierauftakt richtig beginnt, dann hat das Team die richtige Botschaft empfangen. Schweden ist schließlich ein Weltklassegegner, auf den Deutschland normalerweise erst viel später im Turnierverlauf trifft - und stets gewinnt. So war es im Finale der WM 2003, als Nia Künzer per Kopfball das „Golden Goal“ erzielte und Deutschland den ersten WM-Titel bescherte. So war es auch im Halbfinale der EM 2013, als Anja Mittag den Titel sicherte. Und so war es in weiteren vier EM- und drei Olympiaduellen. Deutschland ist für Schweden somit der Angstgegner schlechthin.

          Schwedische Sinnkrise

          Nun ist Schweden aber nicht nur wegen Pechs bei der Auslosung und der harten Konkurrenz der Vereinigten Staaten, Australiens und Nigerias nach drei Unentschieden ungewöhnlicherweise nur dank der besseren Tordifferenz im Quervergleich zu Thailand knapp als letztes Team soeben in die K.o-Runde und das Duell mit dem unangenehmen Gegner gerutscht. Die Skandinavierinnen waren im Verlauf der vergangenen Monate vielmehr in eine veritable Sinnkrise geraten, die sich in dürftigen Leistungen in den Vorrundenspielen widerspiegelte. Trainerin Pia Sundhage, als 146-malige schwedische Nationalspielerin einst eine Grande Dame des Frauenfußballs und nach zwei Olympiasiegen mit den Vereinigten Staaten zu einer der besten Trainerin der Welt gereift, beharrte lange auf ihrem Traum eines schwedischen Ballbesitzfußballs.

          Vor allem die Defensive um die in der Bundesliga so souveräne Innenverteidigerin Nilla Fischer wirkte mit dem Spielsystem überfordert, weil bei gegnerischen Kontern oft die Absicherung fehlte. Erst nach einer 1:3-Niederlage in einem Testspiel gegen die Schweiz an Ostern gab die 55 Jahre alte Trainerin ihren Plan auf – angeblich auf Drängen ihrer Spielerinnen, die sich zunehmend unwohl gefühlt hatten mit dem neuen Spielansatz. Schweden ist anschließend zurückgekehrt zur klassischen 4-4-2-Formation mit einem aggressiven Powerfußball.

          Nur mit viel Glück schafften es die Schwedinnen ins Achtelfinale – was können sie gegen Deutschland leisten?

          Womöglich kam die Besinnung auf alte Tugenden zu spät. Denn während der WM wirkte Schweden nun immer noch verunsichert und Trainerin Pia Sundhage ungewöhnlich gereizt und nervös. Schwedische Medien haben zudem in den vergangenen Wochen darüber berichtet, dass es Spannungen gebe zwischen Spielerinnen und Trainerin. Bei Kosovare Asllani kam die Unzufriedenheit einmal am deutlichsten zum Ausdruck: „Vielleicht muss ich besser tanzen und singen, statt Fußball zu spielen“, sagte die gebürtige Kosovarin, als sie bei einigen Testspielen nicht für die Startelf berücksichtigt worden war. Damit spielte sie auf Pia Sundhages Vorliebe für Gitarrenspiel und Sologesang an. Zu Motivationszwecken hat die begabte Sängerin in der Vergangenheit immer mal wieder ihren Teams Lieder vorgetragen.

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