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Frauenfußball-WM-Chefin Jones : „Wir sollten nicht zu den Männern schielen“

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WM-Organisationschefin Jones: „Ich bin keine, die sich hinstellt und sagt: Ich bin eine Emanze!” Bild:

Steffi Jones ist die Präsidentin des Organisationskomitees der Frauenfußball-WM 2011. Ein halbes Jahr vor Beginn des Turniers spricht die ehemalige Nationalspielerin im FAZ.NET-Interview über Chancen für ihren Sport und Beckenbauers Hubschrauberflüge.

          6 Min.

          Stephanie Ann Jones, genannt Steffi, ist die Präsidentin des Organisationskomitees der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011. Die 38 Jahre alte ehemalige Nationalspielerin ist das Kind einer deutschen Mutter und eines während ihrer Kindheit nach Amerika zurückgekehrten Soldaten. Der Fußball hat der Frankfurterin den Weg geebnet. Auch deshalb hat sich DFB-Präsident Theo Zwanziger dafür stark gemacht, Steffi Jones als Gesicht der WM auszuwählen.

          Franz Beckenbauer, Ihr männliches Pendant, flog bei der Männer-WM 2006 mit dem Hubschrauber durchs Land. Werden Sie ähnlich unterwegs sein bei der Frauen-WM in diesem Jahr?

          Wenn es wirklich nötig wäre, würde ich auch den Hubschrauber nutzen. Aber generell sind wir realistisch und wissen, dass die meisten Distanzen zwischen den Stadien mit dem Auto oder dem Zug zurückgelegt werden können. Ich werde ohnehin nicht alle Spiele besuchen können, weil sie teilweise auch parallel laufen und ich mich nicht zweiteilen kann. Aber ich werde so viele Partien schauen, wie es möglich ist. Diese Wertschätzung möchte ich gegenüber den Mannschaften einfach zeigen.

          „Wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben”

          Aber sind Zug- oder Autofahrten nicht ein bisschen zu bescheiden für eine Präsidentin beim Deutschen Fußball-Bund?

          Das hat nichts mit dem Titel zu tun, ich bin generell bescheiden und bodenständig – und das sind wir hier beim DFB eigentlich alle. Deswegen sage ich immer wieder, dass wir mit dem Frauenfußball Großes geleistet haben. Aber wir dürfen dabei nicht unsere Maßstäbe und Möglichkeiten vergessen. Da kann es nicht sein, dass ich daherkomme und einfach mit dem Hubschrauber durchs Land fliege. Das würde nicht passen. Die WM ist eine gute Chance, den Stellenwert des Frauenfußballs zu erhöhen. Aber sie ist ganz sicher nicht meine Chance, um Luxus zu genießen.

          Was ist der Maßstab für den Frauenfußball? Das Spiel der Männer ist es nicht, oder?

          Nein, diesen Vergleich wollen wir auch gar nicht. Wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben, das betone ich immer wieder. Wir sind noch keine Profis, wir haben noch immer den Amateurstatus und Spielerinnen, die arbeiten müssen, um Geld zu verdienen. Das wollen wir langfristig verändern. Aber wir müssen auch davon ausgehen, dass nach der WM nicht plötzlich Tausende von Zuschauern mehr zu unseren Bundesligaspielen kommen. Bei so einer Partie werden auch dann nicht 10.000 oder noch mehr Leute auf der Tribüne sitzen – das ist einfach nicht realistisch. Zumindest nicht im Moment. Nicht einmal die Länderspiele der Frauen-Nationalmannschaft sind immer ausverkauft. Wir dürfen nicht utopisch denken.

          Mit Ihrer Vita wären Sie vermutlich Millionärin – vorausgesetzt Sie wären ein Mann. Ärgert Sie so etwas?

          Ich persönlich habe eine grundsätzlich andere Einstellung zu Geld und Ruhm. Ich weiß, dass der Fußball mir auch ohne dieses Materielle sehr viel gegeben hat. Ich habe Freunde gewonnen, mir wurden Werte vermittelt, meine Persönlichkeit wurde durch den Sport geprägt. Das ist für mich mehr wert als Geld. Ich habe nie rübergeschaut zu den Männern und an ihre Millionen gedacht, die ich vielleicht auch hätte haben können. Als Mann wäre das anders. Aber so ist es nun einmal nicht.

          Muss man versuchen, diese Strukturen zu verändern?

          Ja, ich kann dazu beitragen, dass unsere jüngeren Spielerinnen jetzt von dem profitieren, was viele andere vor mir auch schon aufgebaut haben. Das geht aber nur Schritt für Schritt. Aber trotzdem sollten wir nicht rüberschielen zu den Männern und denken: Was wäre wenn?

          Früher mussten die Spielerinnen noch sehr robust sein und manchen Spott ertragen. Was unterscheidet die heutige Generation davon?

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