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Frauenfußball-WM : Amerikanischer Traum in Weiß

  • -Aktualisiert am

Danke an Abby Wambach: Amerikas Frauen ziehen ins Finale ein Bild: dpa

Der Kampfgeist des amerikanischen Teams setzt sich das bezaubernde Spiel der Französinnen durch. Durch einen 3:1-Sieg erreichen Abby Wambach und ihre Mitstreiterinnen das Finale der Frauenfußball-WM.

          3 Min.

          Abby Wambach kann ihren großen Worten nun Taten folgen lassen. Die 31 Jahre alte amerikanische Weltklassetorjägerin hatte schon vor dem Turnier angekündigt, dass „wir uns die Trophäe zurückholen werden, die uns die Deutschen 2003 bei unserem Turnier in den Staaten gestohlen haben“. Nach dem 3:1-Sieg im WM-Halbfinale vor 25.676 Zuschauern im Mönchengladbacher Borussia-Park gegen Frankreich nach Toren von Lauren Cheney (9.) und Abby Wambach (79.) und Alex Morgan (82.) sind die Amerikanerinnen nur noch einen Erfolg von der Erfüllung ihres Traumes entfernt. Die Französinnen waren nur zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch Sonia Bompastor gekommen.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Während die Amerikanerinnen am Sonntag im Endspiel auf den ersten Titelgewinn seit 1999 hoffen dürfen, müssen sich die Französinnen mit dem vergleichbar kleinen Traum von einem dritten Platz begnügen, den „Les Bleues“ am kommenden Samstag im kleinen Finale in Sinsheim gegen den Verlierer des zweiten Halbfinals zwischen dem Deutschland-Bezwinger Japan und Schweden erreichen können.

          Die Französinnen spielten bezaubernder

          Im lediglich halbgefüllten Borussia-Park von Mönchengladbach waren die Französinnen, die im Tor wieder auf ihre zuvor rotgesperrte Stammtorfrau Berangère Sapowicz zurückgreifen konnten, wie schon im vorangegangenen Turnierverlauf das lange Zeit bezauberndere Ensemble. Schon nach acht Minuten war es Elise Bussaglia, die die amerikanische Torhüterin Hope Solo erstmals mit einem Weitschuss prüfte.

          Traum in Weiß: Amerikanischer Kampfgeist schlägt französisches Ballgefühl
          Traum in Weiß: Amerikanischer Kampfgeist schlägt französisches Ballgefühl : Bild: dapd

          Die Amerikanerinnen hatten bei ihrer ersten ernsthaften Bemühung um einen Torerfolg im direkten Gegenzug mehr Glück. Die antrittsstarke Mittelfeldspielerin Heather O'Reilly überlief auf der linken Seite die kopfballstarke, am Boden aber anfällige französische Abwehrchefin Laure Georges und flankte zu Lauren Cheney. Die Mittelfeldspielerin, eine der von Trainerin Pia Sundhage als Cheftrainerin des Olympiasiegers zur Stammspielerin entwickelten Amerikanerinnen, lenkte die scharfe Hereingabe vorbei an der französischen Torfrau Berangère Sapowicz vorbei ins Tor.

          Bompastor traf zunächst nur die Latte - dann flankte sie ins Tor

          Die Französinnen waren danach mit ihrem leichtfüßigen Kombinationsspiel das bestimmende Team mit deutlich mehr Ballbesitzzeit. Die Feldüberlegenheit spiegelte sich auch in den Torchancen. Die größte dieser Gelegenheiten vergab Gaetane Thiney nach einer halben Stunde, als sie nach wunderbarem Zuspiel von Marie-Laure Delie an der amerikanischen Schlussfrau Hope Solo scheiterte. Drei Minuten später hatte die 29 Jahre alte Torhüterin Glück, als ein Distanzschuss der vorzüglichen französischen Linksverteidigerin Sonia Bompastor, vor einem Jahr noch als Profi in den Vereinigten Staaten tätig, von der Latte zurück ins Feld sprang.

          Auf der Gegenseite hätte Abby Wambach, die ihr Team im Halbfinale noch kurz vor Schluss der Verlängerung per Kopfball ins letztlich erfolgreiche Elfmeterschießen rettete, noch vor der Pause für das 2:0 sorgen müssen. Nach einer Flanke von Lauren Cheney fand sie dieses Mal aber nicht das Ziel (38.).

          Rapinoes Einwechslung brachte neuen Schwung

          In der zweiten Halbzeit verstärkten die Französinnen, die vor einer Woche noch im Gruppenspiel gegen Deutschland an selber Stelle mit 2:4 unterlegen waren, ihre Bemühungen. Sie wirkten dabei wesentlich frischer als die Amerikanerinnen, was auch and der deutlich komfortableren Vorbereitung auf das Halbfinale gelegen haben mag. Während die Amerikanerinnen nach ihrem Viertelfinalsieg gegen Brasilien erst am Montag per Flugzeug aus Dresden im offiziellen Teamhotel in Düsseldorf angekommen waren, mussten die Französinnen nach ihrem bereits am Samstag erfolgreich bestrittenen Spiel in der Runde der letzten acht in Leverkusen nicht einmal in ein neues Hotel umziehen.

          In der 55. Minute gelang schließlich der Ausgleich: Eine Flanke von Sonia Bompastor landete ohne weitere Berührung einer Mitspielerin im Tor. Die amerikanische Torfrau Hope Solo wurde bei ihren Abwehrbemühungen durch die Stürmerin Gaetane Thiney irritiert, die den Ball nur knapp mit dem Kopf verpasste. Die amerikanische Innenverteidigerin Becky Sauerbrunn, die die gesperrte Rachel Buehler ersetzte, kam zu spät, um ihre Torhüterin vor der letztlich nicht mehr zu lösenden Aufgabe zu retten.

          Die sichtlich erschöpften Amerikanerinnen bäumten sich nach der Einwechslung der agilen Mittelfeldspielerin Megan Rapinoe indes noch einmal auf und wurden in der Schlussphase für ihren typisch amerikanischen Kampfgeist belohnt. Nach einer Ecke von Lauren Cheney war es Abby Wambach, die wie schon im Halbfinale gegen Brasilien zur rechten Zeit per Kopf zur Stelle war und aus einem Meter das 2:1 erzielte. Die 21 Jahre alte Alex Morgan entschied das Spiel schließlich mit dem dritten Treffer für die Amerikanerinnen endgültig.

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