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Frauenfußball-WM : Mit dem deutschen Geist von 2010

Die Frau für die Box: Alexandra Popp soll die Tore für die Nationalmannschaft erzielen. Bild: EPA

Im deutschen Kader der Frauenfußball-WM stehen sieben Spielerinnen, die vor neun Jahren zusammen die U-20-Weltmeisterschaft gewonnen haben. Spielführerin Alexandra Popp und Co. wollen nun das Gefühl von einst wiederbeleben.

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          Es wollte einfach kein Tor fallen. Fast 20 Minuten lang hatten die deutschen Fußballfrauen am Dienstagnachmittag Angriffswelle auf Angriffswelle in Überzahlsituationen aufs Tor laufen lassen, doch der letzte Pass oder der Abschluss misslang stets. Die Torhüterinnen Almuth Schult, Merle Frohms und Laura Benkarth mussten gar nur selten eingreifen. Das Raunen rund um den Trainingsplatz des Stadions Jean Gambert des niederklassigen Amateurvereins Union Sportive Pont-Peán wenige Kilometer außerhalb von Rennes wurde schon ein wenig lauter.

          Einmal muss jedes Team bei der Weltmeisterschaft in Frankreich, die am Freitag beginnt, auf Geheiß des Internationalen Fußballverbands Fifa Zuschauer während des gesamten Trainings zulassen, was vornehmlich eine Geste an die gastgebenden Vereine ist, die ihre Sportanlagen zur Verfügung stellen. Und so waren gut 150 Zuschauer gekommen, um die deutschen Spielerinnen in immer wieder aufkommenden Regenschauern bei der vermutlich anstrengendsten Trainingseinheit in den Tagen der WM zu begutachten. Und die Verwunderung wurde immer größer über die Abschlussschwäche der deutschen Spielerinnen, bis Lina Magull mit einem perfekten Schuss endlich den Knoten platzen ließ.

          „Wir haben die Spielerinnen bewusst vier Tage vor dem ersten Spiel noch einmal unter Stress gesetzt mit einer neuen Übung“, sagte Assistenztrainerin Britta Carlson später. „Wir wollten heute noch einmal eine spielähnliche Belastung für den Kopf wie den Körper, um dann bis Samstag am Feintuning zu arbeiten.“ Ehe sich Carlson und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die einen Großteil der Einheit aus erhöhter Position von einem Kameraturm aus verfolgte, freilich Gedanken machen mussten um allzu große Selbstzweifel ihrer Torjägerinnen, begann dann auch Alexandra Popp mit dem Toreschießen. Die Mittelstürmerin wird in den kommenden Tagen und Wochen gefordert sein mit ihren Abschlussqualitäten, wenn die deutschen Fußballfrauen ein erfolgreiches Turnier bestreiten wollen. „Wir sehen sie ganz klar in der Box“, sagte Carlson am Dienstag und erteilte somit anderen Einsatzmöglichkeiten der vielseitig auch auf dem Flügel und gar im defensiven zentralen Mittelfeld einsetzbaren Popp weitgehend eine Absage.

          Das Warten auf den Sololauf

          Popp soll sich auf ihre vornehmlichen Qualitäten konzentrieren können. Die Spielführerin hat in bislang 96 Länderspielen 46 Tore erzielt und ist damit mit 14 Toren Vorsprung auf Dzsenifer Marozsan die erfolgreichste Torschützin im WM-Kader. Und dennoch wartet die Fußballwelt noch immer vergeblich auf eine Wiederholung eines einzigartigen Laufs, mit dem Popp einst im Frauenfußball einschlug wie eine Bombe. Damals hatte die Stürmerin bei der U-20-Weltmeisterschaft in Deutschland zehn Tore erzielt und war maßgeblich am Gewinn des Turniers beteiligt. Popp traf damals fast wie sie wollte: per Kopf, mit ihrem schwachen rechten Fuß und natürlich mit ihrem starken linken. Sie wurde binnen zwei Wochen zur großen Verheißung für eine torreiche Zukunft des deutschen Frauenfußballs, Geschichten über ihre Ausbildung in der Gesamtschule Berger Feld gemeinsam mit Schalker Nachwuchstalenten füllten Zeitungsseiten. Im Nationalteam wurde sie zur erwartet beständigen Größe, in bislang 96 Länderspielen hat sie immerhin 46 Tore erzielt, sie fand freilich nie mehr wieder zu jener Beständigkeit in Turnieren wie einst.

          „Ich habe aber das Gefühl, dass ich in den vergangenen Monaten meinen Torriecher wieder sehr gut gefunden habe“, sagt Popp nun vor Beginn ihrer vierten Weltmeisterschaft. „Und ich hoffe, dass der Schalter im besten Fall umgelegt wird wie 2010.“ Den Geist von einst, als die deutschen Nachwuchshoffnungen ein kleines Sommermärchen bis hin zum Finalsieg in Bielefeld gegen Nigeria aufführten, belebt Popp nun in Frankreich neu: Im Team sind schließlich mit Marina Hegering, die damals Spielführerin war, Svenja Huth, Dzsenifer Marozsan, Turid Knaak und den Torhüterinnen Almuth Schult und Laura Benkarth sechs weitere einstige U-20-Weltmeisterinnen. „Das ist natürlich was Besonderes, wieviele von damals hier zusammen sind. Da sprechen wir auch immer wieder drüber“, sagt die zweimalige deutsche Fußballerin des Jahres. „Es wäre schon was, wenn wir hier in Frankreich wieder so was erleben könnten. Mal schauen, was in den kommenden Wochen so mit uns passiert.“

          Für die Weltmeisterinnen von 2010 ist das Turnier in Frankreich nun jenes, das zum Turnier ihrer Generation werden könnte. Fünf Spielerinnen, die damals allesamt im Finale zum Einsatz gekommen waren, dürften auch am Samstag im deutschen Auftaktspiel gegen China (15.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, in der ARD und bei DAZN) in der Startelf stehen. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg fordert gerade von den Jahrgängen 1990 und 1992, dass sie das Team und die vielen jüngeren Spielerinnen anführen im Turnier. Deshalb hat sie vermutlich auch nicht durch Zufall eine von ihnen zur Spielführerin ernannt. „Martina sagte mir aber auch, dass ich mir da jetzt nicht zu viel Druck machen soll. Ich soll da jetzt nicht irgendwas großartig besonders machen, weil ich Kapitänin bin. Ich soll so bleiben wie ich bin“, sagt Popp. Anders ausgedrückt: Statt Worten soll die Spielführerin Tore sprechen lassen.

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