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Frauenfußball-Nationalteam : Mit breiten Schultern gegen die Ungewissheit

Imposante Erscheinung im deutschen Tor: Almuth Schult Bild: AFP

Nationaltorhüterin Almuth Schult gibt sich zuversichtlich, ihr Schulterproblem zu meistern. Ob es sie es rechtzeitig zum WM-Auftakt schafft, soll ein Testspiel am Donnerstag zeigen.

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          Der äußere Eindruck von Almuth Schult ist breitschultrig im positivsten Sinne für eine Torhüterin. Die Torfrau des deutschen Fußball-Nationalteams der Frauen ist eine Erscheinung, die gegnerischen Stürmerinnen Respekt einflößt und bei der am 8. Juni mit dem Spiel gegen China beginnenden Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich als Rückhalt dienen soll.

          In den vergangenen Wochen sind nach Worten der 28 Jahre alten Schlussfrau sogar noch Muskeln dazugekommen im Schulterbereich. Die harte Arbeit im Kraftraum soll eine Schwachstelle schützen: Schult hat Schulterprobleme. Es geht um die rechte Schulter, eine genauere Diagnose verschweigt sie trotz an sich offenen Umgangs mit ihrer Beeinträchtigung mit scherzhaftem Verweis auf den Datenschutz. „Aber ich stand in allen Trainingseinheiten auf dem Platz und habe hundert Prozent mittrainiert“, sagt sie. „Aber wir müssen von Tag zu Tag schauen und dann entscheiden. Aber ich bin guter Dinge.“

          Die nicht mal eine Woche der Vorbereitung des deutschen Teams in Grassau am Chiemsee mit dem letzten Testspiel in Regensburg gegen Chile am Donnerstag (17.45 Uhr/ARD) wird deshalb begleitet von einer Torhüter-Diskussion, die im vergangenen Jahr die Vorbereitung der deutschen Männernationalmannschaft auf deren Weltmeisterschaft in Russland schwer belastet hat. Damals herrschte lange Ungewissheit, ob Kapitän Manuel Neuer das Tor werde hüten können.

          Für Schult könnte das Chile-Spiel zum Härtetest werden. „Wenn sie am Donnerstag spielen kann, dann wird sie 90 Minuten spielen, weil sie Spielzeit braucht“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. Die Bundestrainerin betonte aber auch, dass noch eine gewisse Unsicherheit herrsche. „Wir schauen, wo das hingeht“, sagte sie vieldeutig.

          Immer zupackend: Almuth Schult (Mitte) neben Laura Benkarth (l.) und Merle Frohms

          Schult, seit 2015 Nummer eins des deutschen Teams und unter anderem Rückhalt auf dem Weg zum Olympiasieg von 2016, hatte wegen der Verletzung, die sie sich im Training ihres Klubs VfL Wolfsburg zugezogen hatte, bereits das letzte Saisonspiel der Fußball-Bundesliga ausgelassen, nachdem die Meisterschaft  bereits gesichert war. Seither arbeitete sie intensiv in der Reha an ihrer Malaise. „Das gute an der Schulter ist, dass man das Gelenk mit Muskeln sehr weit stabilisieren kann“, sagte Schult nun.  

          Schult würde dem Team nicht nur als Schlussfrau, sondern auch als Sprachrohr fehlen: Die Schlussfrau hatte sich zuletzt durch ein Interview in der F.A.Z. zur Wortführerin im deutschen Team emporgeschwungen. Die 28 Jahre alte Sportlerin hatte die schlechte Vermarktung des Frauenfußballs beim DFB wie auch in der Bundesliga kritisiert und beispielsweise die rückläufige Honorierung der Nationalspielerinnen bei Einsätzen fürs Nationalteam moniert.

          Für den Fall eines Ausfalls der besten deutschen Torhüterin wäre nach Stand der Dinge Merle Frohms die Vertreterin zwischen den Pfosten. Die Torhüterin des SC Freiburg bereitet sich nach eigenen Worten derzeit so auf ihr erstes WM-Turnier vor, als würde sie am Samstag in einer Woche im Tor stehen.

          Bundestrainerin Voss-Tecklenburg zeigte sich abgesehen von den Sorgen im Tor sehr zufrieden mit den wenigen Tagen der Vorbereitung. Im Training gelinge es mehr und mehr, dem Team die Spielidee zu vermitteln. Und eine Teambuilding-Maßnahme am Montag habe seinen Zweck erfüllt. „Wir haben den Spielerinnen Probleme zum Lösen gegeben. Die Gruppen haben sich dabei immer mehr vergrößert, die Kommunikation wird immer besser. Das gefällt mir“, sagte die 51 Jahre alte Bundestrainerin. Zudem habe man gemeinsam symbolisch das WM-Feuer entfacht. Ab dem 8. Juni sollen es ihre Spielerinnen nun auf den Spielfeldern Frankreichs abbrennen.

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