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Frauenfußball : „Sehen Sie hier Männer auf dem Platz?“

Der Star des Teams von Äquatorial-Guinea: Genoveva Anonma Bild: dpa

Äquatorial-Guinea ist ein unbeschriebenes Blatt im Weltsport. Für die Frauenfußball-WM ist die Mannschaft erstmals qualifiziert. Der wundersame Erfolg ruft Misstrauen hervor.

          Yao Farota Haoua ist schlecht gelaunt. Die Torhüterin des Frauenfußball-Nationalteams von Äquatorial-Guinea hat sich im Trainingslager in Bitburg an der linken Hand verletzt. Also ist die 31 Jahre alte Afrikanerin ausgerechnet jetzt zu einer Pause gezwungen, da es um die Stammplätze im Team für die Weltmeisterschaft und das Auftaktspiel gegen Norwegen am 29. Juni in Augsburg geht. „Das nervt mich gewaltig, weil ich immer besser in Form gekommen bin“, sagt die lädierte Schlussfrau.

          Es geht alles ganz normal zu bei jenem Team, das als bislang einziges bereits seine Zelte in Deutschland aufgeschlagen hat. Seit Mitte Mai arbeitet der neben Nigeria einzige Teilnehmer aus Afrika in der Sportschule Bitburg an der WM-Form. Die Frauen kamen so früh, weil in ihrer Heimat gerade Regenzeit und somit ein schlechtes Klima für sportliche Arbeit herrscht. Sie können sich den Luxus leisten, weil ihr Heimatland einer der reichsten Staaten Afrikas ist. Die Ölvorkommen in dem von Staatspräsident Teodoro Obiang seit 1979 diktatorisch geführten und nur 700.000 Einwöhner zählenden Land an der Westküste des Kontinents ermöglichen den Luxus einer solchen Vorbereitung. Nur die Nationalteams aus Deutschland und den Vereinigten Staaten können noch ausgiebiger für das am 26. Juni beginnende Turnier trainieren.

          Die frühe Ankunft im Gastgeberland überrascht dennoch: Denn die Beobachter der Frauenfußballwelt hatten eher ein Versteckspiel des Teams erwartet, das im vergangenen Herbst mit Vorwürfen konfrontiert wurde. Die nigerianische Nationaltrainerin Eucharia Uche hatte nach dem Qualifikationsturnier für die WM behauptet, dass drei Spielerinnen in Wahrheit Männer oder zumindest Transsexuelle seien und sich Äquatorial-Guinea die Qualifikation wie auch den Titel des Afrikameisters im Jahr 2008 mit unlauteren Methoden erschlichen habe. Wie Uche zu ihrer Erkenntnis gekommen ist, hat sie nie näher erläutert.

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          Eine begründete Anklage ist nach Auskunft des Fußball-Weltverbandes (Fifa) auch in Zürich nicht eingegangen. Für Yao Farota Haoua ist die Sache deshalb recht klar. „Vielleicht ist Uche ja ein wenig verrückt“, sagt sie. „Oder sehen Sie hier Männer auf dem Platz?“

          Der Star Genoveva Anonma wirkt unverdächtig

          Beim Blick auf die Mannschaft, die sich auf dem Trainingsplatz in der Eifel aufwärmt, kommt ein solcher Verdacht jedenfalls nicht auf, schon gar nicht beim prominentesten Opfer der Anschuldigungen. Genoveva Anonma, Kapitänin und in der deutschen Bundesliga gerade vom USV Jena zum deutschen Meister Turbine Potsdam transferierte Torjägerin, wirkt eher zierlicher als alle ihre Mitspielerinnen. In der deutschen und auch in der nigerianischen Nationalmannschaft wäre sie mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar die körperlich unauffälligste Akteurin überhaupt.

          „Ich glaube, dass die Nigerianerinnen schlechte Verliererinnen und neidisch sind, dass wir sie als ein ganz kleines Land 2008 bei der Afrikameisterschaft geschlagen haben“, sagt Anonma. „Mich berühren diese Dinge deshalb überhaupt nicht. Für mich ist nur klar, dass jemand nicht solch einen Mist erzählen darf, wenn er keine Beweise hat.“

          Zwei Verdächtige fehlen

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