https://www.faz.net/-gtl-yfo5

Frauenfußball-Pokalfinale : Frankfurt beendet seine Durststrecke

Championessen im Konfetti-Regen: Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt Bild: dapd

Die Fußballerinnen des 1. FFC Frankfurt schlagen den deutschen Meister Turbine Potsdam im DFB-Pokalfinale in Köln mit 2:1. Das angebliche Frauenfußball-Fieber ist noch nicht ausgebrochen.

          2 Min.

          Vom 26. Juni an soll sich der Frauenfußball drei Wochen lang von seiner schönsten Seite zeigen. So kündigt es jedenfalls der offizielle Slogan der ersten Frauenfußball-Weltmeisterschaft auf deutschem Boden an. Beim 2:1-Sieg des FFC Frankfurt im Finale des DFB-Pokals gegen den deutschen Meister Turbine Potsdam sah man dann doch eher jene Seite des Frauenfußballs, die noch ein wenig Schminke braucht.

          Zur etwas unglücklichen Veranstaltung passte schon das Vorprogramm. Außerhalb des Stadions empfing den Zuschauer der leibhaftige Michael Holm mit seinem „Mendocino“. Der Hit stammt aus dem Jahr 1969, als der DFB den Frauenfußball in seinen Verbandsgrenzen noch verboten hatte. Und genauso fehl am Platz wie einst dieses Verbot war der Schlagersänger, der seinen bürgerlichen Namen Lothar Bernhard Walter ähnlich wie der Frauenfußball ja auch ein wenig aufgehübscht hat. Denn eigentlich sollen die fußballspielenden Frauen im Jahr der Weltmeisterschaft im eigenen Land ja plötzlich hip sein. Dafür hatte der DFB vor zehn Tagen mit der Sehnsucht nach Glamour eine „100 Nights Party“ in einem angesagten Kölner Club feiern lassen. Der Sport, der jahrzehntelang ein biederes und vernachlässigtes Nischendasein fristete, soll von jetzt auf gleich raus aus dem Schattendasein und rein ins laszive Nachtleben. In Köln wurde der Frauenfußball nun aber erst einmal wieder geerdet.

          Wenig Frauenfußball-Fieber, aber die erhoffte Klasse

          Obwohl die beiden seit über einem Jahrzehnt dominierenden deutschen Teams, die womöglich sogar weltweit die beiden besten Klubvertretungen im Frauenfußball sind, aufeinandertrafen, kamen nur 20.000 Zuschauer ins Stadion des 1. FC Köln. Damit verpasste das Pokalfinale bei seiner zweiten, vom Männerfinale emanzipierten Austragung die Marke von 26.000 Zuschauern aus dem Vorjahr deutlich. Entsprechend herrschte in der Arena nahezu Ruhe. Mit dem angeblichen Frauenfußball-Fieber ist es also doch nicht so weit her.

          Darum ging’s: Torschützin Garefrekes mit dem Objekt der Begierde

          Das Spiel bot immerhin die erhoffte Klasse. Die Frankfurterinnen, die nach 17 Titelgewinnen in Meisterschaft, Pokal und Europapokal in den Jahren zwischen 1999 und 2008 nun nach dreijähriger Durststrecke endlich wieder einen Erfolg feiern durften, waren über 90 Minuten das bessere Team, sie verpassten aber nach der frühen Führung durch Svenja Huth (15. Minute) eine frühe Entscheidung. Rekordnationalspielerin Birgit Prinz vergab die größte Chance, als sie sich nach 22 Minuten alleine durchsetzte, Turbine-Torfrau Anna Felicitas Sarholz umspielte, den Ball aber nicht im Tor unterbrachte.

          Die Nachlässigkeit wurde kurz vor dem Halbzeitpfiff bestraft, als Potsdam durch die japanische WM-Teilnehmerin Yuki Nagasato die erste Torchance zum Ausgleich nutzte. Das Pokalfinale schien für die Frankfurterinnen einen ähnlichen Ausgang zu nehmen wie der Kampf um die deutsche Meisterschaft. In der Bundesliga verschenkten die Hessinnen eine zwischenzeitliche Tabellenführung und landeten am Ende einen Punkt hinter ihren langjährigen Rivalinnen. Doch dieses Mal kam es anders: Bereits in der 48. Minute erzielte Kerstin Garefrekes den Siegtreffer. Die 31 Jahre alte Mittelfeldspielerin schaltete nach einer Glanzparade der Potsdamer Schlussfrau am schnellsten und sicherte Frankfurt den verdienten Erfolg.

          Das DFB-Pokalfinale ist noch immer ein Familientreffen

          Damit war Kerstin Garefrekes auch der Applaus ihrer Teamkolleginnen aus der Nationalauswahl sicher. Jene deutschen WM-Kandidatinnen, die anders als die zwölf Potsdamer und Frankfurter Auserwählten nicht am Endspiel beteiligt waren, erschienen an einem ihrer letzten freien Tage vor der zweieinhalbmonatigen Turniervorbereitung fast vollzählig, um vor den Stadiontoren tapfer Autogramme zu schreiben und für ihr Turnier zu werben - eine im Männerfußball undenkbare Aktion. Auf den Tribünen saßen zudem als Ehrengäste die Europameisterinnen von 1989, dank des einst im Heimturnier errungenen ersten Titels einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft die Mütter der Aufschwungs des deutschen Frauenfußballs und gewissermaßen die Vorbilder für das Team von Silvia Neid.

          Das DFB-Pokalfinale ist eben doch noch immer ein Familientreffen. Da ist es dann auch berechtigt, dass sich der Frauenfußball noch etwas leger gibt, ehe er sich im Sommer von seiner schönsten Seite zeigen möchte.

          Weitere Themen

          Ein Flug-Genie am Boden

          Tränen bei Simone Biles : Ein Flug-Genie am Boden

          Turnstar Simone Biles wollte nach den Spielen von Tokio die Karriere triumphal beenden. Nun ist der Countdown angehalten, und vor der Amerikanerin liegt ein weiteres hartes Jahr.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.