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Frauenfußball : Plötzlicher Alterungsprozess

Der moderne Frauenfußball (im Bild die „Birgit-Prinz-Barbie”) soll weiblich sein: 1922 sorgte das noch für Aufsehen Bild: obs

Wann wurde der deutsche Frauenfußball wirklich geboren? Ein Archivar hat nun Zeugnisse gefunden, die auch die geplagte Münchner Fußballseele trösten.

          Der deutsche Frauenfußball ist in dieser Woche schlagartig gealtert. Das liegt nicht an einem plötzlichen Verzicht der Bundestrainerin Silvia Neid auf ihre Girlie-Generation von Spielerinnen, die sich derzeit so fleißig um Werbeauftritte und Aufmerksamkeit müht. Nein, allein der erstaunliche Fund eines Mitarbeiters des Bundesarchivs ist für den plötzlichen Alterungsprozess im WM-Jahr verantwortlich.

          Harald Lönnecker berichtete bei einer Tagung zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland in der Schwabenakademie Kloster Irsee von Belegen für organisierte fußballspielerische Umtriebe von Frauen schon im Jahr 1922. Bislang galt die Gründung des 1. Damen-Fußball-Clubs Frankfurt von 1930 gemeinhin als Geburtsstunde des mannschaftlich betriebenen Frauenfußballs.

          Der ausgewiesene Kenner der Geschichte der deutschen Burschenschaften hat bei seiner Arbeit in den Kellern des Koblenzer Archivs nun aber Belege für erste Spiele zwischen Studentinnen bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften in den 1920er Jahren gefunden. Aufgrund weiterer Hinweise geht Lönnecker sogar davon aus, dass bereits vor dem Ersten Weltkrieg angehende Akademikerinnen gegeneinander gespielt haben könnten.

          Das ist umso erstaunlicher, da in jener Zeit „Frauensport eine marginale Rolle in der marginalen Erscheinung weiblicher Studenten“ spielte, wie Lönnecker sagte. Deutschlandweit gab es damals kaum 1000 Studentinnen, die sich den Gepflogenheiten gemäß eigentlich nur dem Reiten oder dem noblen Tennis widmen durften.

          Auf dem Weg zur Barbie

          Passend dazu fand der Wissenschaftler ein Dokument, welches einigen in kurzen Hosen spielenden Studentinnen der Deutschen Studentenvereinigung (DSV) ein Auftreten attestierte, „das künftigen deutschen Akademikerinnen unangemessen ist“. Mit diesen Worten beschwerte sich der Akademische Turnbund und drohte mit dem Abbruch allen akademischen Verkehrs.

          Was hätten die Sittenwächter wohl zu den Forderungen der heutigen Sponsoren gesagt? Die fordern laut einer ebenfalls im Kloster Irsee präsentierten Studie der Kölner Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Schaaf von den Spielerinnen für eine erfolgreiche Partnerschaft ein, im Kampf um Aufmerksamkeit die weiblichen Reize besonders zu betonen. Die jüngst geborene Fußball-Barbie darf also durchaus als Vorbild für Lira Bajramaj, Kim Kulig oder Alexandra Popp angesehen werden.

          Das erste von Lönnecker nachgewiesene Ergebnis eines Frauenfußballspiels stammt derweil aus dem Jahr 1927, als Münchner Studentinnen bei den Hochschulmeisterschaften gegen ein Team aus Berlin 2:1 gewannen. München darf sich deshalb bis zu künftigen Archivfunden wie der erste deutsche Frauenfußballmeister fühlen. Das könnte doch ein kleiner Trost sein für die geschundene Münchner Fußballseele.

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