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Frauenfußball : Nachwuchstrio schlägt „Altfrauensturm“

  • -Aktualisiert am

Jugend jubelt: Torschützinnen Alexandra Popp (r) und Celia Okoyino da Mbabi Bild: dpa

Gelungene Rückkehr an einen historischen Ort: Die deutschen Fußballfrauen haben das Testspiel gegen Italien in Osnabrück mit 5:0 gewonnen. Vor allem der Nachwuchssturm um Alexandra Popp hat dabei auf sich aufmerksam gemacht.

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          Der Endspielsieg bei der Europameisterschaft 1989 im Osnabrücker Stadion an der Bremer Brücke gab dem deutschen Frauenfußball den entscheidenden Schub für die Erfolgsgeschichte der vergangenen zwei Jahrzehnte mit weiteren sechs Europa- und zwei Weltmeistertiteln (siehe auch: Absatzkick: Das Wunder von Osnabrück). Der 5:0-Sieg gegen Italien vor 12.000 Zuschauern nach einem Eigentor der Italienerin Roberta d'Adda (31. Minute) und Treffern von Alexandra Popp (46./77.), Kim Kulig (63.) und Celia Okoyino da Mbabi (68.) an gleicher Stelle wird der Natur eines Testspiels gemäß wohl nicht annähernd so sehr in die Fußballgeschichte eingehen.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber wenigstens dürfte der zweite Erfolg im zweiten WM-Test bei der Vorbereitungsphase auf die Weltmeisterschaft (siehe auch: 2:0 gegen Nordkorea: Tore treffende Schwestern) den erhofften Schwung für die letzten drei Wochen vor dem Auftaktmatch am 26. Juni gegen Kanada geben. Vor allem der Nachwuchssturm mit Celia Okoyino da Mbabi und Alexandra Popp dürfte aus Osnabrück das Gefühl mitgenommen haben, die Chancen auf Einsatzzeiten bei der WM deutlich erhöht zu haben.

          Zu viele lange Bälle in der Anfangsphase

          Nach sieben Wochen Vorbereitung unter der Regie von Bundestrainerin Silvia Neid wirkten die Weltmeisterinnen zunächst etwas müde. Entsprechend taten sich die Deutschen bei hochsommerlichen Temperaturen von fast 30 Grad auf dem schattenlosen Rasen in Osnabrück vor allem im Spielaufbau sehr schwer. Viel zu oft versuchten die deutschen Abwehrspielerinnen mit langen Bällen das Mittelfeld zu überbrücken, statt mit Flachpässen einen geordneten Angriff einzuleiten.

          Mit langem Hals zum Ball: Simone Laudehr
          Mit langem Hals zum Ball: Simone Laudehr : Bild: dpa

          Chancen erarbeitete sich das deutsche Team deshalb ausschließlich nach Standardsituationen und nach den zahlreichen frühen Ballverlusten der nicht für die Weltmeisterschaft qualifizierten Italienerinnen. Dann schalteten vor allem die gut harmonierenden deutschen Sturmspitzen Birgit Prinz und Inka Grings bemerkenswert schnell vom Defensiv- auf Offensivmodus um. In der 31. Minute fiel nach einem solchen überfallartigen Angriff der Führungstreffer, allerdings benötigte Inka Grings nach Vorarbeit von Kerstin Garefekes die Mithilfe der Italienerin Roberta a'Adda, von deren Schienbein der Ball in Tor trudelte.

          Alexandra Popp könnte nun durchaus Ansprüche anmelden

          Im zweiten Durchgang agierten die deutschen Frauen nach den Einwechslungen von Lira Bajramaj, Alexandra Popp und Celia Okoyino da Mbabi deutlich kreativer. Statt „Hoch und weit“ hieß die Devise nun verstärkt „Hart und flach“. Die junge Alternative zum „Altfrauensturm“ der beiden arrivierten Stars Inka Grings (32 Jahre) und Birgit Prinz (33 Jahre) versuchte mit eben solchen Kurzpässen und mit größtem Einsatz, die Chance zum Zugang zur Startformation für die WM zu nutzen.

          Die Mühe wurde bereits nach 41 Sekunden belohnt, als Alexandra Popp mit ihrem ersten Ballkontakt nach Vorarbeit von Simone Laudehr zum zweiten deutschen Tor einschoss. Beim dritten Treffer durch die überragende Mitellfeldspielerin Kim Kulig (63.) war die 20 Jahre alte Duisburgerin dann als Doppelpasspartnerin beteiligt. In der 68. Minute schob schließlich Celia Okoyino da Mbabi zum 4:0 ein. Den letzten Treffer erzielte schließlich wieder Alexandra Popp nach Vorarbeit von Okyino da Mbabi.

          Die im Vorjahr bei der U20-WM in Deutschland zur besten Spielerin gewählte Alexandra Popp könnte nun durchaus Anspruch anmelden auf einen Platz in der Startformation. Der Konkurrenzkampf um die Plätze in der deutschen Offensivabteilung ist jedenfalls überraschenderweise neu eröffnet worden. Und so könnte Osnabrück doch auch für die WM 2011 ein besonderer Ort gewesen sein.

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