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Frauenfußball : Die Gegner machen sich Mut

Die Vorbereitung schlaucht: Die Amerikanerinnen Abby Wambach (r.) und Ali Krieger Bild: Heiko Rhode

Die WM scheint schon vor Beginn des Turniers am Sonntag entschieden: Alle erwarten den Sieg der deutschen Fußballfrauen. Aber die Konkurrenz schläft auch nicht.

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          Es herrschte gute Laune, als die besten Fußballspielerinnen aus den Vereinigten Staaten am Wochenende in ihrem Trainingslager im österreichischen Ort Leogang ihren offiziellen Fototermin absolvierten. Die Spielerinnen witzelten untereinander und sie scherzten mit ihrer Trainerin Pia Sundhage. Die Amerikanerinnen scheinen die notwendige Lockerheit mitzubringen für die am Sonntag beginnende Weltmeisterschaft in Deutschland. „Wir sind bereit“, sagt Abby Wambach, die gefährlichste Torjägerin der amerikanischen Frauenfußballgeschichte. „Wir haben die große Sehnsucht, diesen Titel zu gewinnen, der fast allen von uns fehlt.“

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tatsächlich hat Abby Wambach in ihrer Karriere zwar schon zwei olympische Goldmedaillen umgehängt bekommen. Den Weltmeistertitel errang in ihrem Team bisher nur Spielführerin Christie Rampone, die an diesem Freitag ihren 36. Geburtstag feiert. Sie war 1999 beim bislang letzten von zwei WM-Triumphen dabei. Wenigstens die Amerikanerinnen, die in ihren öffentlichen Trainingseinheiten am Wochenende einen guten Eindruck hinterließen, sprechen also in aller Deutlichkeit davon, dass sie Gastgeber Deutschland nicht wehrlos den Titel überlassen wollen. Das tut einem Turnier gut, das in den Augen der deutschen Öffentlichkeit schon fast vorab entschieden scheint.

          Tatsächlich sind die deutschen Frauen nach den Leistungen bei den vier Testspielsiegen mit einer Gesamtbilanz von 20:0 Toren unbestritten der derzeit aussichtsreichste Kandidat für die WM-Trophäe. Nach der zweieinhalbmonatigen Vorbereitung ist der Eindruck einer schier unschlagbaren deutschen Übermacht entstanden. Aber auch andere Teams haben sich konzentriert vorbereitet. Für die Amerikanerinnen, die übrigens als einziges Land eine positive Bilanz gegen Deutschland aufweisen (19 Siege, 5 Niederlagen, 4 Unentschieden) und als aktuelle Olympiasiegerinnen neben Brasilien als größte Konkurrenten für Deutschland gelten, ist der achttägige Lehrgang in Österreich lediglich der Abschluss einer ebenfalls sehr ausgedehnten Präparation.

          Aber auch vermeintliche Außenseiter präsentieren sich in den Testspielen derzeit in guter Verfassung. Der deutsche Vorrundengegner Frankreich siegte am Samstag 7:0 gegen Belgien. Entsprechend allergisch reagiert Trainer Bruno Bini auf die Frage, ob sein Team in der deutschen Gruppe nur Außenseiter sei. „Haben Sie unsere WM-Qualifikation gesehen? Wir haben 50 Tore geschossen und keines kassiert. Und Lyon hat die Champions League gewonnen“, sagt Bini. „Ich glaube, unsere Statur hat sich verändert.“

          „Die anderen 15 Teams spielen nur um Platz zwei

          Das haben die französischen Frauen auch kürzlich in ihrer Heimat vermitteln wollen. Der Verband lud die Sportredaktionen des Landes ins Ausbildungszentrum nach Clairefontaine ein. Dort durften die Journalisten im Fußball-Tennis oder beim Elfmeterschießen gegen die Nationaltorhüterinnen zum eigenen Leidwesen erfahren, was die besten Fußballfrauen der „Grande Nation“ am Ball können. Die ungewöhnliche PR-Aktion passt zum neuen Selbstbewusstsein. Und auch der Slogan auf dem Mannschaftsbus der Französinnen darf zumindest als Warnung an die Konkurrenz verstanden werden: „Wir sind Fußballspielerinnen und keine Mädchen, die Fußball spielen“ steht auf der Längsseite des Gefährts. Trotzdem schiebt Nationaltrainer Bini die Favoritenbürde an die Gastgeberinnen weiter. „Bei der WM gibt es zwei klare Favoriten. Das sind Deutschland und noch einmal Deutschland“, sagt er. „Die anderen 15 Teams spielen nur um Platz zwei.“

          Thomas Obliers spricht zwar ebenfalls mit größtem Respekt von den Deutschen. Das muss der Sportliche Leiter der nigerianischen Nationalmannschaft auch. Er ist schließlich Deutscher und hat bis zum März als Bundesligatrainer in Bad Neuenahr gearbeitet. Seit April aber bereitet er gemeinsam mit Nationaltrainerin Eucharia Uche den zweiten Gruppengegner Deutschlands auf die WM vor, seit drei Wochen ebenfalls in Österreich. „Ich habe hier eine ganze Menge an Spielerinnen mit herausragenden athletischen Fähigkeiten“, sagt Obliers. „Ich kann bestätigen, dass nicht nur in Deutschland guter Frauenfußball möglich ist.“

          Einen Erfolg gegen sein Heimatland mag er dennoch nicht ankündigen. Aber immerhin ist er sicher, dass die 0:8-Niederlage in einem Testspiel im Vorjahr nicht annähernd eine Wiederholung finden wird. Damals habe seinem Team die Vorbereitung auf die Eiseskälte in Leverkusen gefehlt, nicht einmal das richtige Schuhwerk habe zur Verfügung gestanden. Auch Perpetua Nkwocha verspricht nun Wiedergutmachung. „Wir sind ein starkes Team“, sagt die mehrmalige afrikanische Fußballerin des Jahres. „Wir wollen Deutschland Schwierigkeiten bereiten, ins Viertelfinale kommen und noch mehr erreichen.“ Von Sonntag an geht es freilich nicht mehr um hehre Worte. Dann spielt Nigeria gegen Frankreich.

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