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Frauenfußball : Bloß nicht im Abseits stehen

Weg vom Mannsweib-Image: feminine Spielerinnen vermarkten sich besser Bild: dapd

Homosexualität ist im Fußball immer noch ein Tabu. Bei den Frauen ist man zwar toleranter. Aber noch immer gilt er vielen als „Lesbensport“ - und vermarktet werden die heterosexuellen Spielerinnen.

          5 Min.

          Philipp Lahm rät davon ab, Manuel Neuer und Mario Gomez raten zu, DFB-Präsident Theo Zwanziger hat jedem, der den Schritt wagen sollte, die Unterstützung des Verbandes zugesagt. Doch bisher hat sich noch kein deutscher Profi-Fußballspieler als homosexuell geoutet. Zu groß ist die Angst der Betroffenen, als Schwule nicht bestehen zu können in der Welt des Fußballs.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Fußball steht, schlicht gesagt, hierzulande für Männlichkeit. So fasst es die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling zusammen, die seit Jahren zu Homophobie im Fußball forscht. Eggeling berät homosexuelle Spieler und ist als Sachverständige in Diskriminierungsfragen für den Deutschen Fußball-Bund tätig. „Bei den Männern steht dieser körperbetonte Kampf- und Mannschaftssport für Maskulinität, wie sie sonst in der Gesellschaft nicht mehr ausgelebt werden kann.“ Ein Homosexueller werde von vielen in diesem Milieu als nicht Manns genug gesehen, um richtig Fußball spielen zu können. Klischees von der triebgesteuerten männlichen Sexualität und das vielzitierte gemeinsame Duschen riefen zusätzlich Ängste hervor. Im Kampf gegen rassistische Diskriminierung habe man Fortschritte erzielt, sagt Eggeling. In Bezug auf Homosexualität sei Toleranz aber noch längst nicht überall angekommen.

          Das zeigen zwei Vorfälle von Ende April. Beim Drittligaspiel gegen den SV Babelsberg entrollten Fans von Dynamo Dresden ein vulgär homophobes und sexistisches Transparent. In der Regionalliga West befestigten Anhänger von Eintracht Trier beim Auswärtsspiel gegen den FC 08 Homburg ein Banner mit einem schwulenfeindlichen Schmähtext am Zaun. Das Sportgericht des DFB hat Eintracht Trier inzwischen zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt; gegen Dynamo Dresden läuft das Verfahren des DFB-Kontrollausschusses noch.

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          19 Fußballvereine haben schwul-lesbische Fanclubs

          Jörg Litwinschuh vom „Netzwerk Fußball gegen Homophobie“ sagt, er bekomme häufig Hinweise von empörten Fans gerade aus den unteren Ligen, die von schwulenfeinlichen Rufen, Stadiongesängen oder Plakaten berichteten. Das zeige zwar, dass Schwule immer noch Ressentiments und Aggressionen ausgesetzt seien, andererseits aber auch, dass viele Fußballanhänger inzwischen sensibler auf Diskriminierungen reagierten.

          Tatsächlich gibt es seit einigen Jahren viele Fan-Initiativen, die sich für einen toleranten Umgang mit Homosexualität einsetzen, beispielsweise das „Bündnis aktiver Fußballfans“ (Baff), unter anderem mit seiner Wanderausstellung „Tatort Stadion“, die seit 2010 von Fußballclubs und Vereinen gezeigt wird. 19 deutsche Fußballvereine haben schwul-lesbische Fanclubs. Organisiert sind sie im Netzwerk „Queer Football Fanclubs“ (QFF). Die „Meenzelmänner“, Anhänger von Mainz 05, gehören dazu. Ihr Sprecher Markus Delnef berichtet von durchweg guten Erfahrungen. Mit anderen Fangruppierungen, aber auch mit Ultras, hätten sie eine Aktionswoche gegen Homophobie organisiert. Auch Michael Gabriel von der „Koordinationsstelle Fanprojekte“ (KOS), einer vom Bundesfamilienministerium und dem DFB finanzierten Dachgemeinschaft 50 sozialpädagogisch begleiteter Fanprojekte, ist optimistisch: „Die Toleranz der Zuschauer ist größer als gemeinhin angenommen.“

          In Frauenfußballteams ist der Umgang mit Homosexualität offener

          Dass es bislang keinen offen schwulen Bundesligaprofi gibt, liegt seiner Ansicht nach weniger an Mitspielern, Vereinen und Fans, sondern an der Sorge vor einer möglichen Medienhatz. Vereine wie St. Pauli, Werder Bremen, der FSV Frankfurt und andere hätten Initiativen für mehr Toleranz aufgelegt. „Der DFB ist als Fußballverband beispiellos in seinem Engagement gegen Homophobie“, sagt Gabriel. Theo Zwanziger habe viel in Bewegung gebracht. Der Verband unterstützt schwul-lesbische Fanclubs, sponsert Wagen bei den „Christopher Street Days“ in Köln und Berlin und hat Tanja Walther-Ahrens, eine offen lesbische ehemalige Fußballspielerin, zur Beauftragten für Bildung gemacht.

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