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Frauenfußball : Birgit Prinz beendet ihre Karriere

  • Aktualisiert am

Vorbei: Birgit Prinz beendet auch ihre Vereinskarriere Bild: dapd

Ende einer großen Fußballlaufbahn: Birgit Prinz wird ihren Vertrag beim FFC Frankfurt nicht verlängern. Die Nationalmannschaftskarriere hatte die dreimalige Weltfußballerin schon nach der WM beendet.

          3 Min.

          Das letzte Tor ihrer unvergleichlichen Laufbahn hat Birgit Prinz also im Ensinger-Stadion in St. Leon-Rot geschossen. 7:0 gewann der FFC Frankfurt dort vor Wochenfrist ein Trainingsspiel gegen das Zweitligateam der TSG Hoffenheim. Das letzte Spiel der bislang erfolgreichsten deutschen Fußballspielerin fand drei Tage später in Nidderau-Eichen statt. Dem ETSV Würzburg kam bei der 1:4-Niederlage die Ehre zu, der wirklich letzte Gegner gewesen zu sein. Die Karriere der Birgit Prinz endete also spielerisch unauffällig und wenig beachtet in der Provinz, wo sie ein letztes Mal ihre Lust auf eine Fortsetzung der Karriere austesten wollte. „Ich hatte dabei sehr viel Spaß mit der Mannschaft und muss nun nicht mit dem Gefühl aufhören, dass mir die WM den Spaß am Fußball genommen haben könnte“, sagte Birgit Prinz nun am gestrigen Freitag.

          Da teilte die Rekordnationalspielerin bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Frankfurt nur eine Woche vor Beginn der Bundesligasaison das Ende ihrer Vereinsfußballkarriere beim FFC Frankfurt mit, nachdem sie nach dem Viertelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft im Sommer den Abschied aus der Nationalmannschaft verkündet hatte. „Es ist sehr schwierig, dieses Kapitel zu beenden, weil Fußball meine große Leidenschaft ist“, sagte die 33 Jahre alte Frankfurterin. „Ich bin aber bekannt dafür, keine halben Sachen zu machen.“ Damit spielte Birgit Prinz darauf an, dass sie sich fortan auf ihre berufliche Zukunft konzentrieren will. Seit sie im vergangenen Jahr ihr Psychologie-Studium an der Frankfurter Goethe-Universität abgeschlossen hatte, plante sie bereits gemeinsam mit einer Managementberatung den Aufbau eines Instituts für Performance-Psychologie in ihrer Heimatstadt. Dort will Birgit Prinz künftig Manager und Sportler bei ihrer Karriereplanung beraten. „Ich denke, dass ich da viele meiner Erfahrungen mit einbringen kann“, sagte sie.

          Diese hat sie so reichhaltig wie kaum eine andere Fußballspielerin weltweit. Im Alter von nur 15 Jahren spielte Birgit Prinz 1992 erstmals für den FSV Frankfurt in der damals noch zweigeteilten Bundesliga. Sie schoss in der Erstklassigkeit für den FSV und ab 1998 für den FFC Frankfurt bei weit über 300 Einsätzen über 300 Tore. Mit den Klubs gewann sie neun deutsche Meisterschaften und zehn DFB-Pokalwettbewerbe, zudem führte sie den FFC zu drei Europapokalsiegen. In der Nationalmannschaft, wo sie am 27. Januar 1994 gegen Kanada mit gerade einmal 16 Jahren erstmals eingewechselt wurde, war sie dank ihrer überlegenen Physis, ihrer Willensstärke und ihrer Torgefahr anderthalb Jahrzehnte lang mit 214 Spielen und 128 Torerfolgen die bestimmende Spielerin bei den Weltmeisterschaftstriumphen 2003 und 2007 sowie bei fünf Europameisterschaftssiegen.

          Ein Bild der Vergangenheit: Birgit Prinz (r., neben Kerstin Garefrekes) im Trikot des FFC Frankfurt

          Schon früh galt sie als Jahrhunderttalent, folgerichtig wurde sie zwischen 2003 und 2005 dreimal in Serie zur Weltfußballerin gewählt. „Birgit Prinz hat eine lange Zeit den Frauenfußball geprägt und war einige Jahre lang die beste Spielerin der Welt“, sagte Nia Künzer, die den Weg ein Jahrzehnt lang als Mitspielerin in Nationalmannschaft und Verein aus nächster Nähe begleitet hat. „Es wird sehr lange dauern, bis in Deutschland wieder jemand an Birgit heranreichen kann.“

          Kein weiteres Nachkarten

          An diesem bleibenden Eindruck wird auch der enttäuschende Verlauf der Weltmeisterschaft im Sommer nichts ändern. Das Turnier mit dem Endspiel in der Heimatstadt Frankfurt sollte der krönende Abschluss der Karriere werden. Letztlich endete das letzte sportliche Abenteuer der Birgit Prinz aber beim Viertelfinal-Aus gegen Japan auf der Ersatzbank. Bundestrainerin Silvia Neid hatte ihrer Spielführerin zuvor das Vertrauen entzogen, als sie ihr im Gruppenspiel gegen Nigeria nach nur sieben Minuten Spielzeit in der zweiten Hälfte ausgewechselt hatte. Im Gespräch mit dieser Zeitung bemängelte Birgit Prinz nach der Niederlage gegen Japan den Führungsstil und auch die Kommunikationsfähigkeiten der Bundestrainerin und warf ihr auch Indiskretion vor. „Der Verlauf der WM hat aber nur einen kleinen Teil zu meiner Entscheidung beigetragen“, sagte Birgit Prinz nun.

          Bei ihrer Abschiedsrede verzichtete sie auch auf ein weiteres Nachkarten. Als sie aber nach ihren wichtigsten Wegbegleitern und Förderern gefragt wurde, nannte sie aber neben ihrem Vater, der die junge Birgit bis zum 15. Lebensjahr trainierte, ihren ersten Bundesligatrainer Jürgen Strödter, die ehemalige FFC-Trainerin Monika Staab, die früheren Bundestrainer Tina Theune-Meyer und Gero Bisanz und ihrem Frankfurter Manager Siegfried Dietrich auch die Amerikanerin Marcia McDermott, Trainerin während zweier Spielzeiten bei Carolina Courage in den Vereinigten Staaten. Der Name Silvia Neid fiel indes nicht. Birgit Prinz will trotz der Unstimmigkeiten aber weiterhin ein klärendes Gespräch mit der Bundestrainerin führen. Eine gute Gelegenheit wäre womöglich ein Abschiedsspiel, das Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen als Gast der Pressekonferenz abermals in Aussicht gestellt hat.

          Dem Fußball will Birgit Prinz unabhängig davon erhalten bleiben. Nach einem Urlaub an einem Ort, an dem es gestern „acht Grad kalt mit Regen war“ will sie mit dem FFC Frankfurt Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. Eventuell will die Stürmerin regelmäßig am Training teilnehmen und für den Notfall als Standby-Spielerin zur Verfügung stehen. Manager Dietrich strebt zudem an, die Kompetenzen der Psychologin in der Zukunft gewinnbringend in der Betreuung seines Teams einzusetzen - wohlgemerkt auf professioneller Basis. „Ehrenamtlich sollte es nicht werden“, sagte Birgit Prinz. Da sprach trotz eines liebenswerten Schmunzelns schon die Geschäftsfrau, die ihre künftige Karriere im Auge hat. (siehe: Kommentar: Birgit Prinz' Karriereende in der Provinz)

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