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Fußball-WM der Frauen : Darum ist Marozsan so wichtig für die DFB-Elf

Die deutschen Fußballfrauen hoffen auf eine Rückkehr von Dzsenifer Marozsan. Bild: dpa

Im WM-Viertelfinale treffen die DFB-Frauen auf Schweden. Dann wird es auch auf die zuletzt verletzte Dzsenifer Marozsan ankommen. Denn die Spielmacherin gibt dem deutschen Spiel eine enorm wichtige Stärke.

          Der dritte Stern auf dem Trikot ist das Ziel des deutschen Fußball-Nationalteams der Frauen bei der Weltmeisterschaft in Frankreich. Nach 2003 und 2007 könnte Deutschland zum dritten Mal Weltmeister werden, wenn das Team nach dem 3:0-Achtelfinalsieg über Nigeria noch dreimal gewinnen sollte. Der Weg ans Ziel führt – beginnend mit dem Viertelfinalspiel gegen Schweden am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, in der ARD und bei DAZN) – passend dazu über Dreiecke.

          Frauenfussball-WM 2019

          Mit dieser geometrischen Grundfigur vermitteln Trainer im modernen Fußball ihren Spielerinnen, wie sie bei grundsätzlich mindestens zwei Anspielstationen für die ballführende Spielerin Überzahlsituationen schaffen und über Kurzpässe den Ball übers Spielfeld treiben können – ohne dass der Gegner allzu leicht störend eingreifen kann. Das Kombinieren in Dreiecken erfordert, dass mindestens drei Spielerinnen im selben Augenblick dasselbe Gespür für Raum und Zeit entwickeln, so dass ein Dreieck auch zustande kommt.

          Im deutschen Spiel haperte es selbst noch beim Erfolg gegen Nigeria aufgrund eines Mangels an Mut und Passsicherheit bei einzelnen Spielerinnen an der Aufteilung des Spielfelds in ebenjene geometrischen Figuren, die das Verlagern des Spielgeschehens von hinten nach vorne oder von rechts nach links so elegant erscheinen lässt – weil die Pass-Stafetten den nicht direkt beteiligten sieben anderen Feldspielern die Zeit geben, ihre Positionen entsprechend zu verändern für die Bildung neuer Dreiecke.

          Stattdessen musste im deutschen Spiel zuletzt Lina Magull immer wieder mit riskanteren Dribblings für diese Zeitgewinne sorgen. „Das deutsche Spiel ist geordnet und gut aufgebaut. Um das Kombinationsspiel im letzten Drittel zu erleichtern, könnten mehr Dreiecke gebildet werden“, sagt Stephan Lerch, Trainer des deutschen Meisters und Pokalsiegers VfL Wolfsburg. Des Rätsels Lösung könnte sein, dass das entscheidende Eck fast aller Dreiecke zuletzt fehlte: Dzsenifer Marozsan war in der ersten zwölf Minuten des WM-Auftaktspiels gegen China Bestandteil von geschätzt 15 Dreiecken, die den Deutschen Raumgewinne ermöglichten.

          Im ersten Spiel gegen China zog sie sich einen Zehenbruch zu.

          Dann wurde die 27 Jahre alte Mittelfeldspielerin so hart von der Chinesin Wang Shanshan gefoult, dass sie in der Folge mit einem Zehenbruch nahezu abtauchte. Fortan war es vorbei mit der Trigonometrie im deutschen Spiel. Nun soll Marozsan, dank eines Spezialverbands, zurückkehren ins Team. Zumindest machte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem Sieg gegen Nigeria diese Ankündigung. Ob diese frühzeitige Bekanntgabe des Comebacks so klug war, sei dahingestellt. Der Fokus ist jetzt auf Marozsan gerichtet. Im Januar hatte die damalige Spielführerin unter anderem auch deshalb die Kapitänsbinde abgelegt, um Last auf ihren Schultern loszuwerden.

          Marozsan stand tatsächlich, obwohl einzige deutsche Feldspielerin von unbestreitbarer Weltklasse, vergleichbar wenig im Mittelpunkt des Medieninteresses. Nun soll sie als wichtigste der drei Ecken, auch wenn das geometrisch paradox klingen mag, zum Mittelpunkt des deutschen Spiels werden. Zum Einüben dieses vernachlässigten Kombinationsspiels haben die Deutschen, bei denen Torhüterin Almuth Schult am Montag wegen einer Erkältung eine Trainingspause einlegte, viel Zeit.

          Zwischen Achtel- und Viertelfinale liegt eine Woche, die Voss-Tecklenburg ermöglicht, den Spielerinnen ausreichend Regenerationsmöglichkeiten einzuräumen – noch dazu in der Bretagne und somit der einzigen Ecke Frankreichs, die zumindest bis zu diesem Donnerstag von der Hitzewelle verschont wird. In Rennes hat sie obendrein Gelegenheit, in vier längeren Übungseinheiten bis zum Spiel noch einmal Belastungsakzente zu setzen und Trigonometrie zu üben mit ihrem Team.

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