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Deutschland bei Frauen-WM : Das kuriose Warten auf den nächsten Gegner

„Wir sind fit“: Svenja Huth (rechts, daneben Verena Schweers) baut auf die deutsche Konditionsstärke. Bild: dpa

Deutschland ist bei der Fußball-WM der Frauen schon lange für das Achtelfinale qualifiziert. Gegen wen es dort geht, steht aber erst kurz vor dem Spiel fest. Nicht alle sehen in dieser Kuriosität des Modus aber einen Nachteil.

          Die deutschen Fußballfrauen haben vor der Weltmeisterschaft eine Frankreich-Karte für sich so gestaltet, dass sie als Motivationshilfe für den Turnierverlauf dienen sollte. „Tour de France“ stand drauf, die Anleihe beim Radsport-Mythos lag nahe, wenn es mehrere Wochen durchs Land gehen soll. Die Flachetappen hat Deutschland hinter sich, es waren keine aufregenden, hundert Kilometer lange Solofluchten. Aber auch Etappensiege im Sprint wie die knappen 1:0-Erfolge über China und Spanien zählen schließlich. Und zumindest beim 4:0 im abschließenden Vorrundenspiel gegen Südafrika kam der ein oder andere Stärkebeweis dazu. „Wir haben da auch fußballerisch gezeigt, dass es besser wird“, sagt Svenja Huth. „Vier Tore in einem Spiel bei einer WM sind immer gut.“

          Frauenfussball-WM 2019

          Und so sind die deutschen Spielerinnen fest überzeugt, dass sie vor dem Achtelfinalspiel an diesem Samstag (17.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, im ZDF und bei DAZN) bereit sind für die Bergetappen, die nun bevorstehen. Auch dieses Bild von den entscheidenden Teilstücken der Tour de France bietet sich geradezu an durch den Spielort Grenoble. Die „Hauptstadt der Alpen“, deren Zentrum selbst bei nur 212 Metern über dem Meeresspiegel liegt, ist umgeben vom Vercors-Bergmassiv sowie der Gebirgszüge der Chartreuse und der Chaine de Belledonne mit Gipfeln jeweils über 3000 Metern, von Aussichtspunkten nahe der hoch über der Stadt gelegenen Festung aus ist in der Ferne auch der bei 4810 Metern höchste Alpengipfel des Mont Blanc zu sehen.

          Das deutsche Team selbst genießt die Alpenatmosphäre im Quartier im altehrwürdigen Grand Hotel des Kurorts Uriage-les-Bains. „Das ist ein guter Ort, an dem wir als Team noch einmal zu uns selbst finden können“, sagt Carolin Simon. Passend zum Kurort haben die deutschen Spielerinnen nach zwei reinen Regenerationstagen erst am Donnerstag wieder intensiver auf dem Platz gearbeitet. Spielerinnen wie die dreimal über 90 Minuten eingesetzte Sara Däbritz hatten es offensichtlich dringend nötig, neue Kraft zu tanken.

          „Dafür ging es jetzt im Training richtig zur Sache, um wieder die Einstellung fürs Spiel zu finden“, sagt Verena Schweers. Bezüglich ihrer konditionellen Fitness haben die deutschen Spielerinnen im Hinterkopf, dass sie bislang die besten Laufwerte aller Teams im Turnier aufzuweisen haben. „Auch wenn wir uns manche Laufwege selbst eingebrockt haben durch Ballverluste und das nötige Hinterherlaufen, so gibt uns das die Sicherheit, dass wir fit sind“, sagt Svenja Huth. Für eine Bergetappe ist dieses Wissen womöglich hilfreich.

          Die Vorbereitung des Teams ist derweil bis zum späten Donnerstagabend und dem Ende der ausstehenden Spiele in den Gruppen E und F von der Kuriosität geprägt, dass der Gegner bis knapp 44 Stunden vor dem Anpfiff noch nicht feststeht. Der Modus des WM-Turniers, der Achtelfinalplätze auch für die vier besten Gruppendritten vorsieht, bringt es mit sich, dass Deutschland und der Gegner, der zudem noch die Anreise nach Grenoble organisieren muss, nur einen Tag zur Auseinandersetzung mit dem nächsten Konkurrenten haben.

          Da ist es vielleicht von Vorteil, wenn im Team auch Spielerinnen stehen, die sich um diese Besonderheiten keine Gedanken machen. „Mir ist das eigentlich egal, gegen wen wir spielen“, sagt Lina Magull. „Ich lasse das alles auf mich zukommen, und das Trainerteam wird uns schon noch rechtzeitig sagen, was wir zu tun haben.“ Bei einer Bergetappe ist es schließlich manchmal auch ganz gut, wenn man von Spitzkehre zu Spitzkehre denkt und nicht direkt das ganze Ausmaß der Quälerei bis hinauf zum Gipfel im Blick hat.

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