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DFB-Frauen nach Auftaktsieg : Eine Gwinn und drohende Verluste

Deutschlands Spielmacherin Dzsenifer Marozsan im Zweikampf mit der Chinesin Rui Zhang. Bild: AFP

Die deutschen Fußballfrauen wissen um ihr Glück beim WM-Auftaktsieg gegen China. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg muss die Schwächen in der Abwehr beheben. Die Lösung könnte die älteste Spielerin sein – oder die jüngste.

          Die Kür zur Spielerin des Spiels ist eine fragwürdige Angelegenheit im Fußball. In einem Mannschaftssport eine herauszuheben, ergibt meist nicht allzu viel Sinn. Entsprechend wenig wird dies Wahl ernst genommen. Beim 1:0-Sieg der deutschen Fußballfrauen gegen China am Samstag in zum Auftakt der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich fiel die Wahl der Technical Study Group recht erwartbar auf Giulia Gwinn. Wenn ein Spiel durch nur ein Tor entschieden wird wie jenes von Gwinn per Schuss aus 17 Metern (66. Minute), dann neigt die aus ehemaligen Trainern bestehende Spielbeobachtergruppe der Fifa meist der Einfachheit halber zur Siegtorschützin. Im Fall von Giulia Gwinn kam es dadurch freilich im Roazhon Park des französischen Männer-Pokalsiegers Stade Rennes zu einem bemerkenswerten Hattrick: Die 19 Jahre alte Spielerin des SC Freiburg, die nach der WM zu Bayern München wechselt, hat nun binnen drei Jahren bei drei Turnieren ihr Debüt jeweils mit dieser persönlichen Ehrung gekrönt: Bei der U17-WM 2016, bei der U20-Weltmeisterschaft 2018 und nun bei der WM der besten 24 Nationalteams des Erdballs. Diese Häufung an Auszeichnungen mag dann doch auch ein Hinweis sein, dass der deutsche Frauenfußball am Samstag den ersten großen Auftritt einer für die Zukunft prägenden Spielerin erlebt haben könnte.

          Frauenfussball-WM 2019

          Gwinn blieb freilich bescheiden. „Ich weiß nicht, ob ich den Ball noch mal so treffen würde wie beim Tor“, sagte sie. Am Samstag gelang ihr nach einer abgewehrten Ecke von Dzsenifer Marozsan der plazierte Schuss ins linke Eck des chinesischen Tores, wodurch ihr Team ein kompliziertes Spiel doch noch für sich entschied. „Das Tor war sicher ein Stück weit eine Erlösung, nachdem wir uns von den Chinesinnen ein wenig haben einschüchtern lassen.“ Und so kam Deutschland nach einer durchwachsenen Leistung mit einigen blauen Flecken davon, die die teils überhart agierenden Chinesinnen den Füßen, Schienbeinen oder auch Oberkörpern ihrer Gegnerinnen mit teils grenzwertiger Härte zugefügt haben.

          Marozsan droht eine Zwangspause

          Während Almuth Schult nach Spielschluss recht locker über ihren blauen Flecken an der linken Schulter, den sie sich für eine Rettungstat in höchster Not beim Zusammenprall mit der chinesischen Angreiferin Li Yang zuzog, scherzen konnte, sieht es für die zentrale Stütze der deutschen Offensive deutlich weniger gut aus: Dzsenifer Marozsan verließ das Spielfeld nach dem Abpfiff als erste Deutsche ohne Abschiedsgruß an die kleine deutsche Fankolonie unter den 15.000 Zuschauern, weil sie sich umgehend Abhilfe von den Physiotherapeuten erhoffte. Bereits in der zwölften Minute hatte die Chinesin Wang Shanshan die 27 Jahre alte deutsche Spielmacherin mit einer Fluggrätsche niedergestreckt und dabei den Mittelfuß malträtiert. Schiedsrichterin Marie-Soleil Bedoin hätte in der Szene durchaus die Rote statt der Gelben Karte ziehen und somit vielleicht wenigstens in der Folge die Härte aus dem Spiel nehmen können, die auch weiteren Spielerinnen wie Alexandra Popp oder Carolin Simon schmerzhafte Erinnerungen einbrachte.

          Bei Marozsan waren die Folgen aber vermutlich schon im Spiel am schwerwiegendsten: Sie lief sichtlich unrund über den Platz und tauchte vermutlich auch deshalb ab, nachdem sie bis zu dem Foul bei jedem deutschen Angriff beteiligt war und schon nach zehn Minuten an die 30 Ballkontakte hatte. Umso bemerkenswerter war, dass Marozsan immerhin am Siegtreffer beteiligt war durch ihren gefährlich hereingeschlagenen Eckball, den die Chinesinnen nur unzureichend vor die Füße von Gwinn abzuwehren vermochten.

          Womöglich droht nun eine Zwangspause für Marozsan, wenn man die Worte der Bundestrainerin richtig interpretiert. „Der Fuß sieht nicht toll aus“, sagte Martina Voss-Tecklenburg, ohne freilich bereits eine genau Diagnose zu kennen. Für Marozsan wäre das die Fortsetzung einer bislang höchst unglücklichen Liaison mit den WM-Turnieren: 2011 musste sie kurz vor Beginn der Heim-Weltmeisterschaft in Deutschland verzichten, da sie sich eine Knieverletzung zugezogen hatte. Vor vier Jahren quälte sie sich mit Knöchelproblemen durchs Turnier, die Kunstrasenplätze Kanadas waren dabei der denkbar ungünstigste Untergrund, um Marozsan mehr als nur eine Rolle als Nebendarstellerin zu ermöglichen.  Die WM in ihrer Wahlheimat Frankreich, wo sie seit drei Jahren für Champions-League-Sieger Olympique Lyon spielt, sollte nun das Turnier ihres Lebens werden.

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