https://www.faz.net/-gtl-9oig6

Fußball-WM der Frauen : Endstation Viertelfinale für Deutschland

Zu Beginn des Spiels sah es auch so aus, als ob die Elf von Voss-Tecklenburg diese Vorteile ausspielen könnte: Sie begann, angeführt von der äußerst aktiven Spielführerin Popp, mit schnellen Ballstafetten, ließ die Schwedinnen mehr laufen, als ihnen lieb war. Die erste Torchance hatten dennoch die Schwedinnen, die auf Kontergelegenheiten lauerten: Spielführerin Carolin Seger schickte Sofia Jakobsson mit einem perfekten Pass in Richtung deutsches Tor, doch Schult rettete per Fußabwehr (12. Minute). Vier Minuten später fiel der Führungstreffer für Deutschland: Sara Däbritz marschierte entschlossen durchs Mittelfeld, Lina Magull schlich sich in die durch einen Tiefenlauf von Lea Schüller aufgerissene schwedische Defensive und schoss den Ball nach Däbritz-Zuspiel und etwas unkonventioneller Ballannahme aus 13 Metern volley ein.

Anschließend kam Schüller zu einer Kopfballchance, ehe die Deutschen die gerade bei der bretonischen Hitze so wertvolle Führung herschenkten: Nach einem Befreiungsschlag der Schwedin Carolin Sembrant war Marina Hegering so unachtsam, dass sie den langen Flugball unterschätzte und dadurch Jakobsson die Gelegenheit gab, alleine auf Torhüterin Schult zuzulaufen. Die 29 Jahre alte Stürmerin ließ der Schlussfrau vom VfL Wolfsburg keine Chance. (22.) Beide Teams litten sichtlich unter der Hitze, die Qualen wurden nur kurzzeitig gemindert durch eine von der Fifa angeordnete Trinkpause nach einer guten halben Stunde. Die Flüssigkeitszufuhr schien die Schwedinnen kurzzeitig zu beflügeln, Schult musste gegen Fridolina Rolfö retten.

In der Pause bereitete sich dann Marozsan gemeinsam mit Assistenztrainer Patrik Grolimund auf ihren Einsatz vor. Die 27 Jahre alte Weltklassefußballerin von Olympique Lyon kam für Dallmann aufs Feld, die nur ansatzweise die erhofften Akzente setzen konnte. Die zweite Hälfte begann aber denkbar ungünstig: Einen Kopfball von Rolfö konnte Almuth Schult nur abklatschen, Stina Blackstenius drosch den Ball aus drei Metern ins Netz (48.).

Die deutsche Elf wirkte angeschlagen durch den Rückstand. Die Schwedinnen blieben ihrem kraftsparenden Stil mit langen Bällen und dem Vermeiden jedes Risikos  treu. Es war offenbar das bessere Rezept, mit dem die Deutschen weder bei ihren Pressingversuchen, noch in ihrer verunsicherten Abwehrkette zurechtkamen. 

Das deutsche Team, das sich seiner herausragenden Fitness so sicher war, hatte kaum noch etwas zuzusetzen. Das Vertrauen in Marozsan war bei den Mitspielerinnen offensichtlich nicht so ausgeprägt wie vor ihrer Verletzung. Sie wurde nur selten eingebunden und kam fast ausschließlich bei Standards zur Geltung. Auch ihre Kolleginnen blieben ohne Wirkung, da die kopfballstarke schwedische Abwehr zu aufmerksam war, als dass sich eine echte Torgelegenheit hätte bieten können.

Als letzte Maßnahme beorderte Voss-Tecklenburg schließlich für die letzten 20 Minuten Popp nach vorne. Zunächst aber hätte Blackstenius bei einem Konter sogar frühzeitig für die Entscheidung sorgen können. Hegering aber rettete in größter Not. (71.). Schult zeichnete sich wenige Minuten später gegen Jakobsson aus (78.). In der Schlussoffensive bäumten sich die verzweifelten Deutschen noch einmal auf. Lena Oberdorf setzte aber kurz vor Schluss einen Kopfball knapp neben das Tor, und die schwedische Schlussfrau Hedvig Lindahl parierte einen Schuss von Sara Däbritz sicher. Ein letzter Kopfball von Marina Hegering verpasste schließlich ebenfalls das Ziel. Und dann jubelten die Schwedinnen über das Ende einer aus ihrer Sicht so schrecklichen 24 Jahre andauernden Negativserie.

Frauenfussball-WM 2019

Weitere Themen

Basler Festspiele, Pleite für Doll

Europa League : Basler Festspiele, Pleite für Doll

Der frühere Bundesligatrainer Thomas Doll unterliegt mit seinem Team gegen F91 Düdelingen. Celtic Glasgow gelingt derweil nur ein Remis, Standart Lüttich siegt in der Eintracht-Gruppe. Und der FC Basel bezwingt Krasnodar deutlich.

Topmeldungen

Unsere Sprinter-Autorin: Maja Brankovic

F.A.Z.-Sprinter : Großkampftag fürs Klima

Arbeiten oder fürs Klima streiken? Heute wollen die Schüler, dass die Erwachsenen es ihnen gleich tun. In Berlin ringt die große Koalition weiter um ein klimapolitisches Reformpaket. Alles Wichtige im F.A.Z.-Sprinter.
Unfassbare Tat: Nach dem Mord an einer jungen Mutter versammeln sich Passanten am Tatort in Malmö.

Kriminalität in Schweden : Im Griff der Banden

In Schweden findet die Regierung keine Mittel gegen die steigende Kriminalität. In den vergangenen Wochen haben mehrere brutale Morde das Land erschüttert. Selbst der König äußert sich besorgt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.